21. April 2020 / 15:40 Uhr

#stayathomemarathon: So(lo) bereiten sich die Mitglieder unseres Lauftreffs vor!

#stayathomemarathon: So(lo) bereiten sich die Mitglieder unseres Lauftreffs vor!

Norbert Fettback
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
„Ich denke dabei auch an die Läufer in anderen Ländern, die sich – anders als bei uns – aufgrund der dort geltenden Beschränkungen weniger frei bewegen können.“
 <b>Yvonne Harms (49), Hannover</b>
„Ich denke dabei auch an die Läufer in anderen Ländern, die sich – anders als bei uns – aufgrund der dort geltenden Beschränkungen weniger frei bewegen können.“ Yvonne Harms (49), Hannover © privat
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Gemeinsam auf den Hannover-Marathon vorbereiten - das war der Plan beim SPORTBUZZER-Lauftreff. Corona hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht, das Mega-Event ist abgesagt worden. Aber nicht ganz und gar. Jetzt bereiten sich etliche Läufer nämlich auf den #stayathomemarathon vor.

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Diesen Sonntag hatte er sich ganz anders vorgestellt. Im nigelnagelneuen Laufshirt, darauf die Startnummer 749, wollte Pierre van Wissen um 9 Uhr am Friedrichswall zum großen Abenteuer starten: zu seinem ersten Marathon. Und das mit 72 Jahren. Was für ein Moment! Dafür hatte er sich seit November 2019 mit 44 Gleichgesinnten vom SPORTBUZZER-Lauftreff minutiös vorbereitet.

Gelaufen wird trotz Corona!

Nun aber hat van Wissen umgeplant, wie Tausende andere auch, wenn auch nicht unbedingt ganz aus freien Stücken: Er läuft am 26. April sein eigenes Rennen. Statt am Neuen Rathaus in Hannover wird er sich in Bennigsen direkt von zu Hause aus auf den Weg machen. Im Marathon-Laufshirt und mit Startnummer. Aber eben solo über die Dörfer im Calenberger Land und nicht im großen Pulk quer durch die Landeshauptstadt. Gelaufen wird trotz Corona!

„Auch wenn ich am Sonntag alleine unterwegs sein werde, das Shirt und die Startnummer symbolisieren doch, dass es eine gemeinsame Aktion sein wird.“
<b>Pierre van Wissen (72), Bennigsen</b>
„Auch wenn ich am Sonntag alleine unterwegs sein werde, das Shirt und die Startnummer symbolisieren doch, dass es eine gemeinsame Aktion sein wird.“ Pierre van Wissen (72), Bennigsen © privat
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Van Wissen nimmt es somit ziemlich wörtlich, was mit dem #stayathomemarathon gemeint ist, den die Veranstaltungsagentur eichels:Event als Trostpflaster für das aufgrund der Corona-Pandemie abgesagte Laufereignis ins Leben gerufen hat. „Auch wenn ich am Sonntag alleine unterwegs sein werde“, sagt er, „das Shirt und die Startnummer symbolisieren doch, dass es eine gemeinsame Aktion sein wird, bei der jeder an die anderen denkt.“

"Wir waren so kurz vor dem Ziel..."

Das habe ihm auch über die Traurigkeit hinweggeholfen, als die zu befürchtende Absage des Hannover-Marathons zur Gewissheit wurde. „Wir waren so kurz vor dem Ziel, und ich war so dicht dran, den ersten Marathon meines Lebens zu schaffen“, berichtet er. Die Generalprobe, die Umrundung des Steinhuder Meers, hatte van Wissen im März mit Bravour gemeistert. Drei Stunden und neun Minuten für 31 Kilometer sprachen dafür, dass ihm mit 72 ein klasse Marathondebüt gelingen könnte. Dann kam Corona ...

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Zur gleichen Zeit wie Pierre van Wissen wird am Sonntag Yvonne Harms starten. Eigentlich stünde für die 49-Jährige aus Hannover der zehnte Marathon an. Statt am Friedrichswall legt sie nun in Vahrenwald los; ihre ganz eigene Strecke wird sie über den Silbersee und Hainhaus nach Mellendorf führen, wo die Eltern am Gartenzaun Verpflegung bereithalten werden. Dann geht es zurück, sodass rund 40 Kilometer zusammenkommen. Alles im Alleingang. „Ich werde gemütlich laufen“, sagt Harms, die das Beste aus dieser Situation macht.

Auch wenn ihr persönliches Jubliäum nun ausfällt, ist es für sie ein besonderer Lauf mit besonderen Empfindungen. „Ich denke dabei auch an die Läufer in anderen Ländern, die sich – anders als bei uns – aufgrund der dort geltenden Beschränkungen weniger frei bewegen können“, sagt sie. „Und die trotzdem trainieren, indem sie unzählige Runden im Garten oder in der Tiefgarage laufen.“

„Die Zeit ist mir jetzt nicht so wichtig. Und Shirt und Startnummer sorgen bei mir für ein klein wenig Wettkampf-Feeling. Ich habe mein Pensum auch nach der Absage des Maarathons durchgezogen.“
<b>Marc Grimme (31), Hannover</b>
„Die Zeit ist mir jetzt nicht so wichtig. Und Shirt und Startnummer sorgen bei mir für ein klein wenig Wettkampf-Feeling. Ich habe mein Pensum auch nach der Absage des Maarathons durchgezogen.“ Marc Grimme (31), Hannover © privat

So viel trainiert wie noch nie vor einem Marathon hat Marc Grimme. An die 1200 Kilometer kämen zusammen, sagt der 31-Jährige, dem die erneute Vorbereitung mit dem SPORTBUZZER-Lauftreff unter Leitung von Trainer Markus Pingpank den nächsten Schub gab. „Ich habe mein Pensum auch nach der Absage durchgezogen“, berichtet er. Doch die erhoffte Verbesserung seiner Marathon-Bestzeit, die seit 2019 bei 3:32 Stunden steht, muss Grimme nun verschieben.

Für den Sonntag hat sich der Hannoveraner eine Strecke im Bereich Maschsee und Ricklinger Kiesteiche ausgeguckt, die er viermal zurücklegen will, sodass er auf 42 Kilometer kommt. Einen Teil davon wäre er auch beim „richtigen“ Marathon gelaufen. Wehmut? Die Einsicht in das Unabänderliche ist auch bei ihm dominanter als das Gefühl, etwas zu versäumen. „Die Zeit ist mir jetzt nicht so wichtig“, sagt Grimme. „Und Shirt und Startnummer sorgen bei mir für ein klein wenig Wettkampf-Feeling.“

„Ich gehöre vom Alter her zu einer Risikogruppe. Um mein Immunsystem nicht zu sehr zu strapazieren, werde ich am 26. April einen Halbmarathon durch den Lönspark und die Eilenriede laufen.“
<b>Ulrich Scharf (75), Hannover</b>
„Ich gehöre vom Alter her zu einer Risikogruppe. Um mein Immunsystem nicht zu sehr zu strapazieren, werde ich am 26. April einen Halbmarathon durch den Lönspark und die Eilenriede laufen.“ Ulrich Scharf (75), Hannover © privat

Am Sonntag wird ein Trinkrucksack Grimmes einziger Begleiter sein. Seine Freundin Anika und Bruder Maximilian sowie ein guter Kollege wollen auf dem Rundkurs für moralische Unterstützung im Kleinen sorgen. Dem #stayathomemarathon fehlt nun mal das, was sonst an so einem Tag in Hannover gang und gäbe ist: die Anfeuerung durch Zehntausende entlang der Strecke.

„Mein Mann und mein Sohn Matthes werden zu Hause das Empfangskomitee bilden. Und ich freue mich auf die Medaille, die ich mir nach dem Lauf über Velber, Lenthe, Northen, Döteberg und Almhorst durchs Lohnder Holz dann umhängen kann.“
 <b>Steffi Pröpsting (48), Hannover</b>
„Mein Mann und mein Sohn Matthes werden zu Hause das Empfangskomitee bilden. Und ich freue mich auf die Medaille, die ich mir nach dem Lauf über Velber, Lenthe, Northen, Döteberg und Almhorst durchs Lohnder Holz dann umhängen kann.“ Steffi Pröpsting (48), Hannover © privat

Das beflügelnde Drumherum wird auch Steffi Pröpsting vermissen, „gerade auf den letzten Kilometern“, wie sie hervorhebt. Die 48-Jährige, zum ersten Mal dabei beim SPORTBUZZER-Lauftreff, plant deshalb ihren speziellen Zieleinlauf, wenn sie nach den 42 Kilometern ihr Zuhause in Hannover-Badenstedt erreicht hat. „Mein Mann und mein Sohn Matthes werden das Empfangskomitee bilden“, sagt die Lehrerin. „Und ich freue mich auf die Medaille, die ich mir dann umhängen kann.“

„Ich finde die Idee des Stay-at-home-Marathons schön. Jeder läuft für sich und weiß: Viele andere, deren Ziel auch der 26. April war, laufen jetzt auch. Das Training war nicht umsonst. Ich werde im Eichels-Laufshirt und mit der Startnummer F 276 dabei sein.“ <b>Sandra Zinn (48), Hannover</b>
„Ich finde die Idee des Stay-at-home-Marathons schön. Jeder läuft für sich und weiß: Viele andere, deren Ziel auch der 26. April war, laufen jetzt auch. Das Training war nicht umsonst. Ich werde im Eichels-Laufshirt und mit der Startnummer F 276 dabei sein.“ Sandra Zinn (48), Hannover © Norbert Fettback

Zuvor wird die große Laufrunde sie am Benther Berg entlang und durch die umliegenden Orte führen – mit Tochter Marie auf dem Fahrrad zur Unterstützung. Nicht nur das hat bei Steffi Pröpsting in den vergangenen Wochen nach einem gesundheitlich bedingten Trainingstief für neue Motivation gesorgt. „Ich laufe jetzt zwar allein“, sagt sie. „Aber man weiß dabei: Das tun noch ganz viele. Nicht nur in Hannover, sondern auch anderswo in Deutschland und im Ausland.“

„Ich werde diesen Tag genießen. Den Marathon hole ich dann im Herbst nach, wenn es die Umstände erlauben.“
 <b>Christian Grell (50), Hannover, mit seiner Tochter Lucie</b>
„Ich werde diesen Tag genießen. Den Marathon hole ich dann im Herbst nach, wenn es die Umstände erlauben.“ Christian Grell (50), Hannover, mit seiner Tochter Lucie © privat

Und sie wolle auch Spaß haben beim Laufen. Wie auch Christian Grell (50), der in Hannover-Waldheim lebt und sich mittlerweile „auf eine ganz andere Art und Weise auf diesen Sonntag freut“, wie er sagt. Der Stay-at-home-Marathon sei eine prima Idee, meint Grell. „Ich werde diesen Tag genießen.“

Und das zu zweit: Da seine Tochter Lucie (19) als Lehramtsstudentin seit März wieder in der elterlichen Wohnung lebe, wollen beide zusammen auf die Strecke gehen. Ein Halbmarathon, wahrscheinlich in der Eilenriede, solle es auf jeden Fall werden, sagt Christian Grell. „Wir motivieren uns gegenseitig. Den Marathon hole ich dann im Herbst nach, wenn es die Umstände erlauben.“ Es wäre sein achter.

„Das Besondere am Stay-at-home-Marathon ist für mich, alleine eine Halbmarathonstrecke zu laufen und zu wissen, dass so viele Gleichgesinnte zu diesem Zeitpunkt in der Region, in Deutschland oder weltweit unterwegs sind. Es ist ein schönes Gefühl, etwas gemeinsam zu tun und aktiv zu sein.“
 <b>Volker Klose (57), Hannover</b>
„Das Besondere am Stay-at-home-Marathon ist für mich, alleine eine Halbmarathonstrecke zu laufen und zu wissen, dass so viele Gleichgesinnte zu diesem Zeitpunkt in der Region, in Deutschland oder weltweit unterwegs sind. Es ist ein schönes Gefühl, etwas gemeinsam zu tun und aktiv zu sein.“ Volker Klose (57), Hannover © privat

Auch van Wissen, der verhinderte Debütant aus Bennigsen, guckt nach vorn und über den 26. April hinaus. Die Startgebühr für 2020 habe er sich nicht erstatten, sondern gutschreiben lassen. „Für den Hannover-Marathon 2021. Dann bin ich 73 und habe noch einen weiteren Anreiz, es erneut zu versuchen.“