25. April 2020 / 13:42 Uhr

#stayathomemarathon: Magnus Tatzel kehrt nach Schlangenbiss zurück

#stayathomemarathon: Magnus Tatzel kehrt nach Schlangenbiss zurück

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Da war er schon gebissen: Magnus Tatzel nach dem Lauf auf die
 Schneekoppe. Das Schlangengift wirkte erst drei Tage später. 
Da war er schon gebissen: Magnus Tatzel nach dem Lauf auf die Schneekoppe. Das Schlangengift wirkte erst drei Tage später.  © privat
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Der Wennigser Magnus Tatzel wurde im letzten Sommer beim Ultramarathon "Gorski" in Schlesien von einer Schlange gebissen. Noch lange Zeit danach hatte der 63-Jährige mit den Nachwirkungen zu kämpfen. Inzwischen sieht er sich wieder bei 70 Prozent seiner Schaffenskraft - und startet am Sonntag beim #stayathomemarathon in Hannover. 

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Langstreckenläufer Magnus Tatzel hat keine Schlange gesehen auf dem Weg zum Gipfel. Geschweige denn gespürt. Ihren Biss hat er nicht wahrgenommen, als er zur Schneekoppe hochrannte, einem Berg, über dessen Gipfel die tschechisch-polnische Grenze verläuft. Beim Ultramarathon „Gorski“ in Schlesien trat der Wennigser aber offenbar einem Reptil zu nahe oder sogar versehentlich darauf – und wurde gebissen. Das war im letzten Sommer und zog einen allergischen Schock nach sich. Erst ganz langsam findet der 63-Jährige wieder zur Normalform. Bei Hannovers #stayathomemarathon will Tatzel mindestens zehn Kilometer schaffen. „Vielleicht geht ja noch mehr.“

Drei Tage nach dem Lauf schwoll Magnus Tatzels Bein an und wurde rot. 
Drei Tage nach dem Lauf schwoll Magnus Tatzels Bein an und wurde rot.  © privat
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Tatzel merkt nichts von einer Schlange

Mutmaßlich passierte es, als der routinierte Läufer kurz pausierte. Immerhin waren für ihn 17 Kilometer zu schaffen, davon elf bergauf bei einer Steigung von bis zu 20 Prozent. „Ich habe nichts gemerkt von einer Schlange“, beteuert Tatzel, der obendrein Kompressionsstrümpfe trug, deren Stoff recht dick ist. Mutmaßlich eine Kreuzotter ist es gewesen, die oberhalb des Knöchels zubiss. „Durch das Laufen bist du aber mit Adrenalin voll, das wirkt ja wie ein Schmerzmittel“, sagt der leidenschaftliche Motorradfahrer. „Ich konnte einfach nicht glauben, dass das passiert sein soll.“

Drei Tage später setzten die Schmerzen ein, das Bein schwoll an und wurde rot, am ganzen Körper hatte der Mann mit dem markanten Kinnbart Ausschlag. „Da bin ich schon leicht in Panik geraten“, so Tatzel. Sein Hausarzt, der zugleich Tropenmediziner ist, stellte eine allergische Reaktion aufgrund eines Stichs oder Bisses fest.

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Auch die Prominenz darf bei so einem Mega-Event natürlich nicht fehlen. OB Stefan Schostok, Moderator Christoph Dannowski mit 96-Stürmer Niclas Füllkrug. Zur Galerie
Auch die Prominenz darf bei so einem Mega-Event natürlich nicht fehlen. OB Stefan Schostok, Moderator Christoph Dannowski mit 96-Stürmer Niclas Füllkrug. ©

"Mein Puls ging gar nicht mehr runter, pendelte sich beim Laufen nicht auf normalem Niveau von etwa 145 ein, sondern erreichte 190. Ich dachte, was zeigt meine Uhr da für einen Quatsch an."

Tatzel hörte mit dem Laufen jedoch nicht auf und arbeitete auch weiter. Das fiel dem Betriebswirt von Enercity aber zunehmend schwerer. Er schaffte es kaum zu Fuß hoch in den fünften Stock zu seinem Büro in Ricklingen. „Ich war total schnell außer Puste“, bekennt der Ausdauersportler. Sein CPR-Wert (Schweregrad zur Beurteilung entzündlicher Erkrankungen) war um das Zehnfache erhöht. „Ich konnte keinen Halbmarathon laufen, nichts mehr“, sagt Tatzel. „Mein Puls ging gar nicht mehr runter, pendelte sich beim Laufen nicht auf normalem Niveau von etwa 145 ein, sondern erreichte 190. Ich dachte, was zeigt meine Uhr da für einen Quatsch an.“

Nach rund zwei Monaten waren die Flecken und die Schwellung am Bein zwar abgeklungen, viel besser fühlte sich der ehemalige Kampfsportler jedoch nicht. Immerhin waren nun die beiden Bissstellen gut zu erkennen und brachten Gewissheit – eine Schlange.

Fitness bewahrt Tatzel vor ärgeren Schäden

Tatzel hatte viele Spezialisten konsultiert, um Spätfolgen auszuschließen. Schließlich teilte ihm ein Kardiologe mit, dass er Geduld brauche. „Mein Immunsystem war total runter. Und es dauert bis zu einem halben Jahr, bis der Körper das überwunden hat“, so Tatzel. Immerhin hätte es für den dreifachen Vater und vierfachen Großvater schlimmer kommen können, seine Fitness bewahrte ihn vor ärgerem Schaden.

Die Ungeduld jedoch nagte an Tatzel, er wollte alsbald wieder los und im Wortsinn an die alten Zeiten anknüpfen. Das solle er mal vergessen, riet ihm der Herzspezialist – zumal in seinem Alter. „Schneller, höher, weiter sei fehl am Platz, sagte er mir. Die Zeit spiele eine Nebenrolle“, berichtet Tatzel. „Entscheidend sind Bewegung und Ausdauer.“

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"Nun geht es natürlich wieder bergauf"

Inzwischen sieht sich Magnus Tatzel wieder bei etwa 70 Prozent seiner ursprünglichen Leistungskraft, er lässt es ruhiger angehen. Auch Angst vor Schlangen hat er keine. Aber so genau will er lieber nicht wissen, wie sich das mit diesem Biss abgespielt hat. „Sonst bekäme ich noch Angst, wenn ich in den Wald laufe“, sagt Tatzel lachend. Wichtig ist für den Wennigser: Nach dem Unfall folgte eine sportliche Talfahrt. „Und nun geht es natürlich wieder bergauf.“