23. November 2019 / 08:00 Uhr

Stefan Horngacher über seinen neuen Job als Bundestrainer im Skispringen: "Stillstand ist Rückschritt"

Stefan Horngacher über seinen neuen Job als Bundestrainer im Skispringen: "Stillstand ist Rückschritt"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stefan Horngacher geht in seine erste Saison als Skisprung-Bundestrainer.
Stefan Horngacher geht in seine erste Saison als Skisprung-Bundestrainer. © imago images / Newspix
Anzeige

Er ist der Nachfolger von Werner Schuster als Skisprung-Bundestrainer. Der Österreicher Stefan Horngacher startet mit den DSV-Adlern an diesem Wochenende in die neue Saison. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Coach über seinen neuen Job, seine Änderungen und über seine Mannschaft, die ein "Riesen-Potenzial" habe.

Ein viel größeres Erbe hätte Werner Schuster seinem Nachfolger gar nicht überlassen können. Der Österreicher Stefan Horngacher startet an diesem Wochenende im polnischen Wisla in seine erste Wintersaison als Chefbundestrainer der deutschen Skispringer und muss mit hohen Erwartungen nach der goldenen WM von Seefeld im vergangenen Winter klarkommen.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Horngacher, Sie sind seit ein paar Monaten Skisprung-Bundestrainer. In Polen beginnt nun die Wintersaison. Welche Impulse konnten Sie den Sommer über setzen?

Stefan Horngacher: Wir haben vor allem versucht, neue Reize für die Athleten zu setzen, sowohl strukturell als auch inhaltlich. Dafür haben wir fast das gesamte Trainerteam ausgetauscht und auch Veränderungen im Betreuungsteam vorgenommen – auch bei den Physiotherapeuten an der Schanze zum Beispiel.

Warum haben Sie das Trainerteam ausgetauscht? Es hat mit dem Team ja bisher gut gearbeitet.

Als Trainer habe ich eigene Vorstellungen und Ideen, um erfolgreiche Athleten noch erfolgreicher zu machen. Es geht immer darum, neue Akzente zu setzen, um den Erfolg beizubehalten. Deshalb waren es im Zuge meines Wechsels zum Deutschen Skiverband ein paar mehr Stellschrauben, an denen gedreht wurde.

Olympia 2018: Alle Goldmedaillen-Gewinner

Laura Dahlmeier gewann in Pyeongchang schon zwei Goldmedaillen. Aber wie sieht's mit den anderen Olympiasiegern aus? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über die bisherigen Gewinner. Zur Galerie
Laura Dahlmeier gewann in Pyeongchang schon zwei Goldmedaillen. Aber wie sieht's mit den anderen Olympiasiegern aus? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick über die bisherigen Gewinner. ©

Horngacher erklärt Veränderungen zu Vorgänger Werner Schuster

Was wollen Sie konkret anders ­machen?


Ich habe klare Vorstellungen bezüglich der Sprungtechnik, des Materials und habe Schwerpunkte in meiner Arbeit, die ich umsetzen will. Wer nach hinten blickt, bleibt stehen. Und Stillstand ist vor allem im Skispringen ein Rückschritt.

Mehr vom SPORTBUZZER

Welche Vorstellungen haben Sie denn in Bezug auf die Technik?

Der Absprung ist extrem wichtig. Ich lege natürlich Wert auf das Gesamtkonzept eines Sprunges. Wenn ich aber nicht gut wegspringe, fliege ich nicht gut. Deshalb habe ich versucht, technische Impulse zu geben, die die Springer erst einmal verdauen mussten.

Das heißt, dass das deutsche Team noch nicht ganz bereit ist?

Wir sind gut vorbereitet für den Auftakt. Aber wir sind in Sachen Stabilität noch nicht da, wo wir sein wollen. Es kommt immer mal wieder zur Vermischung von neuer und alter Technik. Wir müssen alle darauf achten, dass wir das hinbekommen. Entscheidend wird sein, wie die ersten Wettkämpfe funktionieren: Läuft alles gut, kommen wir in einen Flow. Wenn nicht, müssen wir weiter hart arbeiten.

Ausfall von Andreas Wellinger "für uns als Team bitter"

Wie schwer wiegt der Ausfall von Andreas Wellinger?

Das mit der Verletzung vom Andi ist sowohl für ihn persönlich als auch für uns als Team bitter. Er wäre der Führungsspringer, den jedes Team gern hätte. Er ist ein außergewöhnlicher Skispringer. Nicht viele Nationen könnten die Ausfälle von An­dre­as Wellinger, Severin Freund und David Siegel verkraften. Wir kriegen das gut hin, weil wir breit und gut aufgestellt sind.

Wie?

Anzeige

Mit Markus Eisenbichler haben wir einen Weltmeister in der Mannschaft, Karl Geiger ist Vizeweltmeister und Stephan Leyhe, Weltmeister im Team, war schon gut dabei im Sommer. Alle haben Riesenpotenzial, das sie nur ausschöpfen müssen. Zudem ist mit Constantin Schmidt ein hoffnungsvolles Talent dabei, das überraschen kann. Aber es ist auch klar, dass es schwierig mit Spitzenleistungen wird, wenn Spitzenleute ausfallen. Das muss immer berücksichtigt werden.