20. September 2021 / 19:32 Uhr

Kommentar zum Kuntz-Weggang vom DFB: Auf einen Schlag ist ganz viel Expertise futsch

Kommentar zum Kuntz-Weggang vom DFB: Auf einen Schlag ist ganz viel Expertise futsch

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Abgang von Stefan Kuntz (Mitte) ist für den DFB ein herber Verlust, meint der Stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst.
Der Abgang von Stefan Kuntz (Mitte) ist für den DFB ein herber Verlust, meint der Stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst. © Getty Images (Montage)
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Der Wechsel von Stefan Kuntz in die Türkei trifft den deutschen Fußball hart. Der Trainer zieht damit aber die logischen Konsequenzen aus den Entwicklungen der vergangenen Monate, meint der stellvertretende RND-Sportchef Sebastian Harfst.

Dafür, dass sie Stefan Kuntz als Nationaltrainer verpflichten konnten, kann man den Türken nur gratulieren. Für den Deutschen Fußball-Bund ist diese Personalie hingegen ein großer Verlust. Immerhin hat es der 58 Jahre alte frühere Mittelstürmer bei drei Versuchen zweimal geschafft, die deutschen Talente zum Europameistertitel zu führen (2017 und 2021). Und das ist in Ermangelung einer Weltmeisterschaft immerhin der höchste Titel in dieser Altersklasse. Beim einzigen Mal, als Kuntz‘ Auswahl nicht Europameister wurde, stand am Ende übrigens Platz zwei zu Buche – auch nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass es die deutsche U21 bei vorher 20 Austragungen nur ein einmal ins EM-Finale geschafft hatte.

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Manchem seiner Vorgänger standen zudem deutlich talentiertere Spieler zur Verfügung. Kuntz wiederum hat es immer verstanden, aus Talenten ein Team zu formen. Nicht umsonst sagt DFB-Direktor Oliver Bierhoff: "Alle Spieler, die unter ihm gespielt haben, schwärmen von ihm und der Atmosphäre, die er in seinen Mannschafen geschaffen hat." So bleibt die bittere Erkenntnis, dass der erfolgreichste U21-Trainer, den Deutschland je hatte, dem Fußball hierzulande nun nicht mehr weiterhilft.

Zuletzt hat der deutsche Fußball sogar ziemlich viel dafür getan, den verdienten Talenteflüsterer zu vergraulen. Dass Hansi Flick ihm als Bundestrainer vorgezogen wurde, mag Kuntz aufgrund der riesigen Erfolge, die Flick mit dem FC Bayern gefeiert hat, noch nachvollzogen haben. Im Handling von Superstars hatte sich Flick in München schließlich eindrucksvoll bewährt. Kuntz hat in dieser Richtung noch wenig Referenzen vorzuweisen.

Dass er sich mit seiner Olympia-Auswahl in diesem Sommer vor den Augen der Weltöffentlichkeit jedoch blamieren musste, weil er nicht einmal seinen Kader vollbekam, muss umso mehr an ihm genagt haben. Es war ein Scheitern mit Ansage, für das der sportlich Verantwortliche ausnahmsweise mal gar nichts konnte und für das er nun verständlicherweise die Konsequenzen zieht. Und so ist auf einen Schlag ganz viel Expertise bei der Arbeit mit Talenten futsch. Und entsprechend groß sind die Fußstapfen, in die Kuntz‘ Nachfolger tritt.