17. April 2021 / 18:44 Uhr

Stefan Voß im Interview: „Zeit, einen Schritt zurückzumachen"

Stefan Voß im Interview: „Zeit, einen Schritt zurückzumachen"

Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Malchows Stefan Voß (l.) gegen den Schönberger Finn-Lukas Burmeister.
Verlässt den Malchower SV als Kapitän: Stefan Voß (l.), hier im Spiel gegen den FC Schönberg. © Johannes Weber
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Der langjährige Akteur des Malchower SV wird im Sommer eine neue Herausforderung beim SFV Nossentiner-Hütte beginnen. Beim MSV blickt Stefan Voß nach eigenen Aussagen auf „eine schöne Zeit" zurück.

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Seit Ende März steht es fest. Stefan Voß wird den Fußball-Verbandsligisten Malchower SV verlassen. Eine Etage tiefer wird der MSV-Kapitän beim SFV Nossentiner-Hütte in der Landesliga anheuern. Über seine Beweggründe für den Wechsel und warum er schon mit zwölf Jahren seine Heimat verlassen hat, um auf die Sportschule nach Schwerin zu wechseln, erzählt Voß im Interview mit dem SPORTBUZZER.

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Du hast viele Jahre in der Ober- und Verbandsliga gespielt. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?
Mit Stolz. Ich habe mit zwölf Jahren meine Heimat in Schmolde (Nord-Brandenburg, d. Red.) verlassen, um auf die Sportschule nach Schwerin zu wechseln. Bei Eintracht Schwerin habe ich meine ersten Spiele im Männerbereich gemacht. Für den Lichtenfelder FC und den MSV Neuruppin spielte ich in der 4. Liga. Zudem habe ich für den Malchower SV, SV Waren 09 und Brandenburger SC Süd über 200 Oberliga-Spiele absolviert. Damit bin ich insgesamt sehr zufrieden.

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Wo hast du deine fußballerischen Wurzeln?
Ich habe mit fünf Jahren beim Meyenburger SV angefangen. Mein erster Trainer Hartmut „Mossi" Schröder hat mich damals einfach ins Training reingenommen. Durch meinen Wechsel später nach Schwerin hatte ich schon den Traum, dem Profifußball ein Stückchen näher zu kommen.



Warum hat es am Ende nicht zum Profifußballer gereicht?
Ich wollte schon höherklassig spielen, aber das hat von meiner persönlichen Einstellung her nicht so gepasst. Das bereue ich aber nicht. In Schwerin hatten wir einen starken Jahrgang, mit dem wir sehr erfolgreich waren. Wie ich mitbekommen habe, stand sogar mal das Angebot im Raum, zum FC Hansa Rostock in den Nachwuchs zu wechseln. Ich habe mich aber dagegen entschieden. Ich bin ein Mensch, der sein Leben schon immer gelebt hat. Dazu stehe ich auch.

"Umschwung gut hinbekommen."

Deine längste Zeit hast du beim Malchower SV verbracht. Wie bewertest du die acht Jahre mit kurzer Unterbrechung?
Ich würde es als schöne Zeit beschreiben, die sehr viel Spaß gemacht hat. Es gab positive wie negative Momente. Zunächst war ich von 2011 bis 2013 beim MSV. Danach bin ich zwei Jahre zum SV Waren gewechselt. Als es dort nicht mehr mit Oberliga-Fußball weiterging, bin ich zurück nach Malchow. Es tut mir schon weh, den Verein zu verlassen. Aber mein Körper hat mir gesagt, dass es Zeit ist, einen Schritt zurückzumachen.

Wer war in der Zeit der Trainer, der dich am meisten geprägt hat?
Das ist eine schwierige Frage. Ich habe viele Trainer miterleben dürfen. Jeder hatte seine eigene Art. Mit dem jetzigen Coach Sven Lange bin ich gut klargekommen, vor allem in meiner zweiten Zeit beim MSV. Gerade die Zeit nach dem Oberliga-Abstieg 2019 mit dem Umbruch im Team war schön. Wir haben durch die vielen jungen Spieler frischen Wind in die Mannschaft bekommen. Meine Generation mit den erfahrenen Spielern Robert Quaschning und Tobias Täge haben das Trainerteam mit unterstützt. Ich denke, dass wir den Umschwung vor zwei Jahren gut hinbekommen haben.

Im Sommer wirst du den Verein in Richtung SFV Nossentiner-Hütte verlassen. Wann kam der Zeitpunkt, als für dich der Entschluss feststand?
Der ganze Prozess hat auch etwas mit der Coronazeit zu tun. Man wird als erfahrener Spieler nachdenklicher. Ich bin im Februar 34 geworden und muss privat viel Aufwand betreiben, um fit zu sein. Ich bin nach Nossentiner-Hütte gezogen und habe mir dort mit meiner Freundin vor zweieinhalb Jahren ein Haus gekauft. Dann kam kürzlich das Angebot des SFV, für das ich mich entschieden habe. Bei meinem zukünftigen Klub habe ich die Möglichkeit, mit ein bis zwei ehemaligen Weggefährten noch einmal zusammen zu spielen. Mit Torwart Paul-Friedrich Kornfeld habe ich zusammen meine ersten Spiele im Herrenbereich bei Eintracht Schwerin gemacht. Wäre schön, wenn wir in Nossentiner-Hütte auch unsere letzten Partien zusammen bestreiten.

In Nossentiner-Hütte Erfahrung miteinbringen

Vom Spielverständnis hätte es bei dir doch bestimmt noch für ein paar Jahre in der Verbandsliga gereicht. Woran lag es am Ende, dass du dich für den Wechsel entschieden hast?
Ich hätte mir noch zwei bis drei Jahre in der Verbandsliga zugetraut. Als Sechser vor der Abwehr hält sich der Lauf-Aufwand in Grenzen. Das Spiel beim Malchower SV war auch zum Teil auf mich ausgerichtet. Allerdings merkt man, dass viele Spieler um einen herum jünger werden. Selber wird man älter und muss mehr investieren, um die Fitness zu halten. Nach den vielen Überlegungen war für mich der Zeitpunkt gekommen, den Aufwand etwas herunterzufahren.

Wie siehst du deinen Auftrag beim SFV Nossentiner-Hütte?
In erster Linie möchte meine Erfahrung in das neue Team miteinbringen. Dann steht vor allem im Vordergrund, dass ich weiterhin Spaß am Fußball haben will. Ich werde in Nossentiner-Hütte auf eine gute Mannschaft treffen, mit der ich im gesicherten Mittelfeld der Landesliga landen möchte.

Welche sportlichen Ziele hast du noch?
Erst mal will ich mit dem SFV Nossentiner-Hütte eine erfolgreiche Saison absolvieren. Eventuell schaffen wir es mal, in der Landesliga weiter oben mitzuspielen. Ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, nach meiner Laufbahn als Trainer tätig zu sein. Das muss nicht sofort danach sein. Man muss schauen, wie sich alles entwickelt.

Welche Träume willst du dir privat noch erfüllen?
Da habe ich mir schon meine schönsten Träume erfüllt. Ich bin privat sehr glücklich, habe eine tolle Freundin und eine wundervolle Tochter. Als Familie haben wir ja zudem unser Eigenheim in Nossentiner-Hütte. Damit ist für mich das Glück komplett. Ansonsten wünsche ich mir, dass wir alle gesund bleiben.

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