17. Februar 2020 / 14:27 Uhr

Vor zehn Jahren: Neuruppiner Stefan Winkel unterschreibt einen Vertrag beim Hamburger Sportverein

Vor zehn Jahren: Neuruppiner Stefan Winkel unterschreibt einen Vertrag beim Hamburger Sportverein

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Stefan Winkel (in weiß) aus Neuruppin spielt in der Futsal-Nationalmannschaft und auf dem Feld beim TSV Sasel.
Stefan Winkel (in weiß) aus Neuruppin spielt in der Futsal-Nationalmannschaft und auf dem Feld beim TSV Sasel. © Privat
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Vom MSV Neuruppin zum Hamburger SV: Talentierter Nachwuchskicker Stefan Winkel wechselt vor zehn Jahren von Neuruppin nach St. Pauli und dann zum großen Fußball-Bruder in der Hansestadt.

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Von Neuruppin nach Hamburg, vom Märkischen zum Hamburger Sportverein: Vor zehn Jahren unterschrieb Stefan Winkel einen Zwei-Jahres-Vertrag beim HSV – ein Traum für jeden jungen Fußballer. Dabei kickte der gebürtige Dorf Zechliner bereits seit zwei Jahren in der Hansestadt – allerdings beim FC St. Pauli. Erst bei den A-Junioren des Kultvereins in der Bundesliga, dann bei den Männern in der zweiten Mannschaft. In der Regionalliga machte sich der damals 19-Jährige als treffsicherster Schütze seiner Mannschaft einen Namen. In 17 Spielen machte der beidfüßig schießende Stefan Winkel zehn Tore. Die Öffentlichkeit wurde auf den Brandenburger mit der Rückennumer 6 aufmerksam, der große HSV auch.

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Länderspiel Futsal Deutschland -Tschechien Zur Galerie
Länderspiel Futsal Deutschland -Tschechien © Steffen Manig
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Seit Stefan Winkel laufen konnte, jagte er dem Ball nach. Mit sieben Jahren meldete Vater Peter den Wirbelwind bei Blau-Weiß 90 Rheinsberg an, auch bei der SpVgg Gühlen-Glienicke/Rägelin wurde gekickt. Bis zu seinem 12. Lebensjahr, als Winkel zum MSV in die Kreisstadt wechselte und dort bei den D-Junioren in der Landesliga begann und als Leistungsträger ebenfalls die weiteren Altersklassen durchlief. Bis zu den A-Junioren, wo ihn Jan Kistenmacher – heute Trainer beim Oberligisten FSV 63 Luckenwalde – unter die Fittiche nahm. Und erkannte: „Dass der Junge zu gut für die Mannschaft und die Liga war“, erinnert sich Kistenmacher.

Vorspielen bei Hertha BSC und Eintracht Braunschweig

Nach einem Training bat der A-Junioren-Trainer seinen Schützling zum Einzelgespräch, „worauf sich Stefan Winkel erst einmal dafür entschuldigte, dass er nicht gut gewesen sei, ohne dass ich überhaupt irgendetwas gesagt hatte.“ An diesem Nachmittag stellte er die Frage, ob sich sein Lieblingsspieler nicht vorstellen könnte, bei einem größeren Verein zu spielen. Talentsucher von Energie Cottbus hatten bereits an die Tür geklopft. „Aber nichts gegen Cottbus – da hatte ich Stefan nicht gesehen“, so Kistenmacher. Die beiden gingen auf Tour: Vorspielen bei Hertha BSC, bei Eintracht Braunschweig, „und da wir schon einmal unterwegs waren, sind wir auch nach Hamburg gefahren.“

Jan Kistenmacher hatte beim damaligen „Pauli“-Trainer Holger Stanislawski hospitiert und ihm unter der Dusche vom Ausnahmetalent aus Neuruppin erzählt. Bei St. Pauli passte das Konzept von Schule und Fußball für den Noch-Schüler. Im Jugendtalenthaus mit anderen Spielern wohnen, Schule und Jugendleistungszentrum in nächster Nähe. „51 Prozent Schule und 49 Fußball, das hatte ich so gefordert“, so Kistenmacher. „Wenn er eine Zensur der Note drei oder schlechter haben sollte, ging es eben nicht zum Training.“

Stefan Winkel wird im Vorbereitungsspiel gegen Schalke 04 für die Profis von St. Pauli eingesetzt

Die Zeit damals sei „schon ganz lustig gewesen“, so Stefan Winkel im Rückblick. „Man hat als junger Spieler vom großen Fußball geträumt, aber nicht den Weg gesehen, wie das funktionieren soll.“ Allerdings, nach dem ersten Training bei St. Pauli hat Winkel zu seinen Eltern gesagt: „Da will ich auf keinen Fall hin.“ Zu fremd sei die Umgebung gewesen. „Die Spieler haben es mir nicht leicht gemacht, wohl auch, weil ich gleich beim ersten Test das Trikot mit der Nummer 10 bekam.“ Aber nach ein paar Wochen abwägen hat sich der Neuruppiner dazu entschlossen, es doch in der großen Stadt zu versuchen.

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Nach einem 2:5-Rückstand arbeitet sich der VfL Hohenstein-Ernstthal noch ran und holt sich mit einem 6:5 nach Verlängerung die Deutsche Futsalmeisterschaft gegen die Futsal Panthers Köln. Zur Galerie
Nach einem 2:5-Rückstand arbeitet sich der VfL Hohenstein-Ernstthal noch ran und holt sich mit einem 6:5 nach Verlängerung die Deutsche Futsalmeisterschaft gegen die Futsal Panthers Köln. © Steffen Manig

Und Stefan Winkel schlug ein. In der Rückrunde absolvierte der „Neue“ zehn Spiele für die A-Junioren in der Regionalliga, erzielte dabei acht Tore. Der Aufstieg in die Bundesliga ging über das Stadion am Millerntor und ein Aufstiegsspiel vor 1500 Zuschauern. „Das war schon ein Riesenschritt“, sagt Winkel, der heute in der Oberliga Hamburg für den TSV Sasel die Tore schießt – in der laufenden Saison sind es bereits 17. Bei den Männern von St. Pauli „lief es auch sehr gut, ich habe gleichzeitig am Profitraining teilgenommen.“ Im Vorbereitungsspiel gegen den FC Schalke 04 wurde Winkel in der zweiten Halbzeit sogar eingewechselt und prüfte vor diesmal 20 000 Zuschauern im Millerntor den Schalker Keeper, den heutigen Nationaltorhüter Manuel Neuer. „Leider konnte Manuel den Ball noch im Nachfassen halten. Er musste ihn aber abklatschen lassen.“ St. Pauli gewann 2:0.

Der Hamburger SV lockt mit Rodolfo Cardoso

Also Abitur gemacht, der Vertrag bei St. Pauli lief aus, und der Hamburger Sportverein stand auf der Matte. „Ich habe ihm empfohlen, bei St. Pauli zu bleiben, da er ja bereits Kontakt hatte zu den Profis wie Gerald Asamoah“, erinnert sich Kistenmacher. Aber der Ruf des großen Namens war doch zu verlockend. Umso verlockender, einen Zwei-Jahres-Vertrag beim Ligakonkurrenten HSV II zu unterschreiben, da zu dem Zeitpunkt der argentinische Bundesligaspieler Rudolfo Cardoso dieses Team trainierte. „Wir freuen uns, dass sich Stefan für den HSV entschieden hat. Er ist ein sehr talentierter, torgefährlicher Spieler mit großem Entwicklungspotenzial“, wurde zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses auf der Homepage des HSV verkündet.

Mit der Futsal-Mannschaft der Hamburg Panthers spielte Winkel in der Champions League

Letztlich scheiterte eine Profikarriere am Trainingspensum. „Ich war körperlich später dran als andere Jungs meines Alters.“ Die neue Härte machte Winkel anfällig, er war häufig verletzt. 30 Einsätze und zehn Tore in zwei Jahren beim HSV II. „Damals bekam ich Zweifel, ob Fußball das Richtige für mich ist.“ Ein BWL-Studium war dann wichtiger. Ein Versuch 2013, beim TSV Havelse wieder mit dem Fußball zu beginnen, scheiterte. Aber er blieb über verschiedene Stationen bis heute dem Fußball treu, wurde sogar Mitglied der Deutschen Futsal-Nationalmannschaft, schoss in 13 Länderspielen sechs Tore. Mit der Futsal-Mannschaft der Hamburg Panthers spielte Winkel in der Champions League und erzielte 14 Treffer. So oft hatte vor ihm noch kein anderer deutscher Spieler getroffen. Im vergangen Jahr wurde die berufliche Karriere forciert und geheiratet. Da hatte Fußball wenig Platz. „Aber jetzt jucken die Füße wieder“, sagt Stefan Winkel. „Vielleicht reicht es auch wieder für die Nationalmannschaft.“

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