05. Januar 2021 / 14:22 Uhr

Radcross-Ass Stefanie Paul nach schwerem Sturz: „Das Adrenalin hält dich am Ball.“

Radcross-Ass Stefanie Paul nach schwerem Sturz: „Das Adrenalin hält dich am Ball.“

Simon Lange
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Glück im Unglück: Stefanie Paul kommt ohne große Verletzungen vom UCI-Elite-Crossrennen in der Schweiz zurück.
Glück im Unglück: Stefanie Paul kommt ohne große Verletzungen vom UCI-Elite-Crossrennen in der Schweiz zurück. © radsportphoto.net s.muessiggang
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Schrecksekunde im schweizerischen Hittnau: Hannovers Radcross-Dame kommt beim UCI-Elite-Crossrennen zu Fall und stürzt in den Graben. Doch die 34-Jährige beißt auf die Zähne, fährt weiter und wird am Ende 21. von 40 Starterinnen. Ende Januar könnte es zur WM gehen.

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Es war von vorn bis hinten ein schwieriger Tag für Stefanie Paul. Vergessen wird sie ihn nicht. Hannovers Radass legte beim UCI-Elite-Crossrennen in Hittnau (Schweiz) eine schmerzhafte Bruchlandung hin, überschlug sich, verletzte sich – und beendete trotzdem das Rennen. „Im Radsport gibt man einfach nicht auf“, erklärt Paul ihren Biss. „Man setzt sich wieder aufs Rad und fährt weiter.“

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Paul hatte im Vorfeld die Wahl zwischen dem Weltcup in den Niederlanden und dem Rennen in der Schweiz. Sie entschied sich für die Prüfung in Hittnau. Finanziell und sportlich interessanter für sie. Die Abfahrt des Rundkurses klappte im Training gut, sodass Paul auch im Rennen gegen die hochklassige Konkurrenz angreifen wollte und volles Risiko ging. Trotz des vereisten Bodens.

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In der zweiten Runde „bin ich zu schnell in die Abfahrtspassage, ich habe die Linie nicht richtig getroffen und mein Gewicht nicht weit genug nach hinten verlagert“. Paul musste bremsen, tippte den Hebel an – und verlor die Kontrolle. „Oh, nein! Mist, das war’s“, dachte Paul in der Sekunde für sich, als sie einen Satz über den Lenker machte. Sie flog den Abhang abseits der Strecke hinunter und legte einen Purzelbaum hin. „Erst das Rad über mich drüber, dann ich übers Rad.“ Paul knallte auf ihre komplette linke Körperhälfte und rollte über die Schulter ab. Glück im Unglück: Sie zog sich offenbar keine schlimmen Verletzungen zu. Prellungen, Quetschungen, aber keine offenen Brüche.

Paul musste sich für einen Moment sammeln. Dann kletterte sie zurück auf den Kurs und fuhr weiter – wenn auch unter Schmerzen. „Das Adrenalin hält dich am Ball“, erklärt sie. „Aber der Körper ist erst mal im Schockzustand, kann nicht die volle Leistung bringen. Ich war so langsam, wurde von ganz vielen Fahrerinnen überholt“. ärgerte sich Paul. Trotzdem fuhr sie weiter, meisterte sogar noch zweimal die Sturzpassage. Am Ende reichte es zu Platz 21 von 40. Ein respektables Ergebnis angesichts der vielen Störfeuer. Schon vor dem Sturz hatte sie ihr Rad wechseln müssen. Nach dem Unfall erneut.


Hoffen auf die WM-Nominierung

„Die Schulter tut weh, der Oberschenkel ist dick. Und in den Unterschenkel hatten sich die Pedale gedrückt“, zählte Paul gestern auf. Am frühen Abend wollte sie lieber doch noch einen Arzt auf die Schulter gucken lassen und sicher gehen, dass das Schlüsselbein nicht angebrochen ist.

Trotzdem: Paul fuhr schon gestern wieder auf der Trainingsrolle. An eine Schonwoche denkt sie nicht. Ihr großes Ziel sind die Weltmeisterschaften im belgischen Ostende. Sie hofft auf eine Nominierung für den 30. Januar. Vorher will sie noch ein Weltcup-Rennen fahren.