08. Juni 2019 / 12:10 Uhr

Ex-Bundestrainerin Steffi Jones schießt gegen Verband: "DFB braucht mal ordentlich Durchzug"

Ex-Bundestrainerin Steffi Jones schießt gegen Verband: "DFB braucht mal ordentlich Durchzug"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Steffi Jones ist mit der DFB-Führungsspitze in einem Interview hart ins Gericht gegangen.
Steffi Jones ist mit der DFB-Führungsspitze in einem Interview hart ins Gericht gegangen. © Getty/Montage
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Mit deutlichen Worten ist die ehemalige Bundestrainerin, Steffi Jones, hart mit dem DFB ins Gericht gegangen. In einem "Spiegel"-Interview sprach die frühere Nationalspielerin über ihre Zeit als Trainerin im Verband, Homosexualität im Fußball und die Zustände im DFB.

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Sie ist eine der Persönlichkeiten, die sich im deutschen Fußball ganz besonders verdient gemacht haben: Steffi Jones. Als Spielerin lief die Frankfurterin 111-mal für die Frauenfußball-Nationalmannschaft auf, ehe sie zur Präsidentin des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft der Frauen 2011 berufen wurde. Anschließend fungierte Jones bis 2015 als Direktorin beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Im September 2016 übernahm Steffi Jones das Amt der Bundestrainerin, doch bereits nach 19 Monaten wurde sie im März 2018 freigestellt. Pünktlich zum Start der Frauen-WM 2019 in Frankreich hat die Ex-Trainerin nun im Spiegel-Interview diese Zeit aufgearbeitet - und mit deutlichen Worten gegen den DFB ausgeteilt. "Was mich super nervt, ist dieses Klüngel-Klüngel beim DFB. Jeder sucht da immer erst seinen eigenen Vorteil. Der DFB braucht mal ordentlich Durchzug", so die 46-Jährige.

Der deutsche WM-Kader für Frankreich 2019:

Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. Zur Galerie
Dieses Team hat Trainerin Martina Voss-Tecklenburg für die WM in Frankreich nominiert. ©
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Jones: "Für mich fühlte es sich so an, als ob alle froh waren, dass ich versage"

Rückblickend sei die Zeit als Bundestrainerin für Jones die schwerste ihrer Karriere gewesen, weil "sie von Anfang an von Neid und Missgunst geprägt war". Doch Jones wird noch deutlicher: "Alle wollten sich bestätigt sehen, dass ich versage. Da kämpft man gegen Windmühlen, die man nicht besiegen kann." Auch der Verband selbst habe sie nicht ausreichend unterstützt - im Gegenteil. "Ganz einfach: Die neue Führungssiege des DFB wollte mich nicht als Bundestrainerin."

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Darüber hinaus kritisierte die ehemalige Bundestrainerin, dass es in den 21 Landesverbänden keine Präsidentin gebe. "Es gibt viele Frauen beim DFB. Ich glaube, 40 oder 45 Prozent. Aber nicht in den Führungsetagen. Auch beim DFB müssen Frauen an die Spitze, Männerdomänen sind Vergangenheit", lautet die Schlussfolgerung der 46-Jährigen, die 2016 die Nachfolge von Silvia Neid angetreten hatte.

Jones: DFB muss sich bei Diskriminierung "klar positionieren"

Auch beim Kampf gegen Diskriminierung herrsche im Fußball und speziell beim DFB Nachholbedarf. "Wenn ein Spieler persönlich angegriffen wird, darf der DFB das nicht aussitzen, sondern muss sich klar positionieren", forderte Jones, die selbst wegen ihrer Hautfarbe Rassismus erlebt hat und immer noch erlebt.

Besonders problematisch sei im Fußball zudem der Umgang mit Homosexualität. "Wenn ein Einzelner ruft: 'Du schwule Sau' oder dich diskriminiert, das ist schon unwahrscheinlich verletzend. Aber wenn es das ganze Stadion brüllt - muss man sich das echt antun? Das ist doch keine Befreiung. Der Fußball ist da noch nicht so weit", urteilte Jones, die selbst in einer gleichgeschlechtlichen Ehe lebt und betonte: "Deshalb dürfen wir niemanden dazu auffordern, sich zu outen."

Nationalmannschaft startet Samstag in WM

Jones' indirekte Nachfolgerin Martina Voss-Tecklenburg startet am Samstag (15 Uhr) mit der DFB-Auswahl im ersten Gruppenspiel gegen China in die WM 2019. Die weiteren Gegner in der Vorrunde sind Spanien (am 12. Juni, 18 Uhr) und Südafrika (am 17. Juni, 18 Uhr).

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Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. Zur Galerie
Martina Voss-Tecklenburg ist seit 30. November 2018 Bundestrainerin der DFB-Frauen. Der SPORTBUZZER zeigt die Vorgänger und Vorgängerinnen der Ex-Nationalspielerin. ©

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