09. Oktober 2020 / 12:24 Uhr

Steigende Fallzahlen: Dynamo Dresden gegen Magdeburg vor nur 999 Zuschauern

Steigende Fallzahlen: Dynamo Dresden gegen Magdeburg vor nur 999 Zuschauern

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
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Der Verein befindet sich in der Klärung mit den Behörden, wie viele Zuschauer letztlich zugelassen werden können. © dpa
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Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen müssen Stadt und Verein die Kulisse des Ost-Klassikers am Sonnabend drastisch reduzieren. SGD-Präsident Holger Scholze stellt klar, dass es dabei keine VIP-Bevorzugung geben werde.

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Dresden. Die Corona-Pandemie macht ausgerechnet vorm Ost-Duell gegen Magdeburg vielen Fans von Dynamo Dresden einen Strich durch die Rechnung. Die Schwarz-Gelben haben am frühen Freitagnachmittag, gerademal 24 Stunden vorm geplanten Anpfiff der Drittliga-Partie am Sonnabend (14 Uhr), den Kartenvorverkauf gestoppt.

Am Vormittag hatte die Sportgemeinschaft vom städtischen Gesundheitsamt die Information erhalten, dass die zulässige Zuschauerkapazität bei dem Heimspiel im Rudolf-Harbig-Stadion gemäß der sächsischen Corona-Schutzverordnung auf 999 Besucher beschränkt werden muss. Grund ist der rasante Anstieg der Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus in der sächsischen Landeshauptstadt.

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„Was die Zuschauerzahlen betrifft, waren wir mit Ausnahme des Geisterspiels in München verwöhnt. Wir hatten das Glück, dass wir hier unsere ersten zwei Heimspiele vor über 10.000 Zuschauern absolvieren konnten. Da waren wir ja schon eine Ausnahme. Uns war allen klar, dass das keine Garantie für die Zukunft ist. Das einen Tag vorm Spiel zu erfahren, ist keine schöne Nachricht, aber es gilt, das zu akzeptieren“, ordnete Dynamos Sport-Geschäftsführer Ralf Becker die schlechte Neuigkeit ein.

„Corona war immer da“

„Ich hatte mich schon auf die Derbyatmosphäre gefreut, aber das liegt nicht in unserer Hand. Es ist natürlich schade. Uns allen ist die Lage bewusst. Wir sind Profis, haben damit umzugehen und unseren Job zu erledigen. Dementsprechend werden wir das Spiel angehen und das Maximum herausholen“, sagte SGD-Mittelfeldmann Yannick Stark. Zum Zeitpunkt des Verkaufsstopps hatten die Fans bereits mehr als 10.000 Karten für den „Elb-Clasico“ gekauft. Nun aber ist die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz in Dresden auf 26 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gestiegen – einer der höchsten Werte im gesamten Freistaat. Am Vortag waren es noch 17. Schon bei 20 Neuinfektionen hätte die Maßnahme gegriffen. Übersteigt der Wert die Grenze von 35, sind gar keine Fans im Stadion mehr zugelassen.

Markus Kauczinski versucht, aus der Not eine Tugend zu machen: „Die Leute, die da sind, machen hoffentlich Krach für 10.000. Wir spielen zu Hause und für unsere Fans – ob die jetzt im Stadion sind oder daheim vorm Fernseher sitzen. Wir sind in der Pflicht, unsere Leistung zu bringen und dass der Funke von uns überspringt“, bekräftigte der Dynamo-Cheftrainer. Er hatte im Frühjahr als SGD-Coach selbst erlebt, wie die Pandemie die Sportgemeinschaft aus der Bahn warf und zum Abstieg brachte. Mehrere Corona-Fälle im Team hatten damals zu einer Quarantäne für die Mannschaft geführt. Trainingsausfall und ein extrem eng getakteter Spielplan mit Nachholpartien waren die Folge. Auch aufgrund dieses Wettbewerbsnachteils musste Dynamo im Sommer den bitteren Weg aus der 2. in die 3. Liga gehen.

„Corona ist zwischendurch zurückgegangen, war aber immer da und scheint jetzt wieder auf dem Vormarsch zu sein. Wir wussten, dass sowas kommen kann und es dadurch Einschränkungen geben wird. Aber ich glaube nicht, dass uns das beim Spiel behindern wird“, lässt sich Markus Kauczinski nicht beirren. Dennoch kommt auch der 50-Jährige ins Grübeln: „Rein statistisch wird es vielleicht irgendwann auch wieder Spieler von uns treffen. Keiner vermag im Moment zu sagen, wie es weitergeht. Wenn es wieder einen Lockdown gibt, dann trifft das auch den Fußball, weil wir nun mal Teil der Gesellschaft sind. Damit werden wir dann leben müssen. Aber deswegen gilt es da nichts zu befürchten, sondern das Beste daraus zu machen, was die Situation gerade hergibt“, zieht er dennoch einen pragmatischen Schluss.

Rückgabedetails noch unklar

Das gilt aber auch aus wirtschaftlicher Sicht. „Die Pandemie trifft uns und andere Vereine und andere gesellschaftliche Bereiche, hunderttausende Menschen allein in unserer Region – auch finanziell. Wir haben das große Glück, in den Jahren davor sehr solide und mit kaufmännischer Vorsicht gewirtschaftet zu haben. Wir wollen alles daran setzen, dass dieser Puffer nicht zu schnell dahinschmilzt“, erklärte Dynamo-Präsident Holger Scholze. Die Verantwortlichen bei Dynamo stehen nun aber vor einer Herausforderung. Nicht mal jeder zehnte Käufer einer Eintrittskarte darf nach der Entscheidung der Stadt auch tatsächlich ins Stadion. Wessen Ticket tatsächlich Gültigkeit behält, wird an diesem Freitagnachmittag vereinsintern diskutiert – ein sensibler Abwägungsprozess.

Eines aber machte Holger Scholze am Freitag sofort klar, nachdem er von der Neuentwicklung erfahren hatte: „Es wäre natürlich für uns am lukrativsten, nur VIP-Gäste ins Stadion zu lassen, weil das finanziell die größte Ausbeute mit sich bringen würde. Aber das werden wir nicht tun. Das sind wir allen Dynamofans schuldig. Wir werden hier keine Zwei-Klassen-Gesellschaft einführen, sondern einen fairen Umgang finden müssen über alle Besucher hinweg, die immer das für den Verein geben, was ihnen möglich ist“, plädierte er für ein gerechte Verteilung. Auch was die Rückgabe gekaufter Tickets betrifft, will Dynamo noch am Freitagabend Einzelheiten bekanntgeben.