22. Januar 2020 / 16:19 Uhr

Steigt Red Bull in Kopenhagen ein? Fans von Bröndby IF wehren sich

Steigt Red Bull in Kopenhagen ein? Fans von Bröndby IF wehren sich

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Dietrich Mateschitz
Dietrich Mateschitz © Imago
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Nach Gerüchten um einen Einstieg des Red-Bull-Konzerns beim dänischen Erstligisten Bröndby IF Kopenhagen hat sich die aktive Fanszene mit einem wütenden Schreiben zu Wort gemeldet. Man wolle nicht zu „einem seelenlosen Geschäftsprojekt“ gemacht werden, schreiben die Anhänger.

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Kopenhagen. Fans von Bröndby IF Kopenhagen haben in einem Statement Gerüchte um einen Einstieg des Red-Bull-Konzerns beim dänischen Erstligisten mit harschen Worten kommentiert. „Red Bull steht für alles, was wir verabscheuen und wofür wir immer gekämpft haben“, heißt es in einer Stellungnahme der „Sydsiden Brøndby“. Sollte der österreischische Getränkersteller Anteile des Clubs übernehmen, „können wir uns als aktive Fanszene nicht mehr mit dem Verein identifizieren“, schreiben die Anhänger weiter. Sie sehen die Gefahr, dass Bröndby „zu einem seelenlosen Geschäftsprojekt“ gemacht werden könnte. Als Negativbeispiele nennen die Ultras RB Leipzig und Red Bull Salzburg.

Dietrich Mateschitz in Kopenhagen gesichtet

Am Montag hatte das dänische Magazin „Inside Business“ berichtet, Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz sei am Wochenende in Kopenhagen gesehen worden. Der Brausekonzern soll laut dem Bericht Interesse haben, Anteile beim Ex-Club des früheren RB-Trainers Alexander Zorniger zu erwerben. Zudem soll es auch russische Interessenten geben.

Hintergrund: Der zehnfache dänische Meister und siebenmalige Pokalsieger erwartet laut Geschäftsbericht für 2019 ein Defizit von rund 80 Millionen Dänischen Kronen (rund zehn Millionen Euro) und ist offenbar auf der Suche nach Investoren. Vereinspräsident Jan Bech Andersen hat laut einem dänischen Medienbericht aber abgestritten, Kontakt mit Mateschitz gehabt zu haben. Außerdem sei es auch ohne einen Investor möglich, die finanziellen Probleme zu lösen.

Eine weitere Anlaufstation für Talente?

Zum Fußball-Imperium von Red Bull gehören neben Bundesliga-Herbstmeister RB Leipzig die Clubs in Salzburg. Liefering (beide Österreich), New York und Braganca (Brasilien). Der dänische Markt könnte interessant sein, um Profis für die Standorte in Salzburg und Leipzig zu entwickeln oder Talenten eine weitere mögliche Anlaufstation in einer kleineren europäischen Liga zu öffnen. Auf der einen Seite erfreut sich RB Leipzig durch seinen attraktiven, erfolgreichen Fußball und den konsequenten Kurs, junge entwicklungsfähige Spieler zu verpflichten, bei Fans wachsender Beliebtheit.

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Kritiker werfen dem milliardenschweren Mutterkonzern jedoch unter anderem vor, sich mit seiner Franchise-Bildung einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, auf demokratische Vereinsstrukturen zu pfeifen und die Clubs gezielt als Marketing-Instrument einzusetzen – mit quasi austauschbaren Logos und Vereinsfarben.

Zuletzt protestierten Tausende Fans von Union Berlin am Randes des Rückrunden-Auftakts in Leipzig mit einem Trauermarsch und einem Stimmungsboykott gegen den Einfluss von Red Bull im deutschen Profifußball. In Dänemark dürften die Proteste erst so richtig losgehen, sofern sich die Gerüchte um den Bröndby-Einstieg bewahrheiten sollten.

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