19. Februar 2020 / 18:18 Uhr

Stellungnahme nach Eskalation auf St. Pauli: Dynamo Dresden verurteilt Fan-Gewalt 

Stellungnahme nach Eskalation auf St. Pauli: Dynamo Dresden verurteilt Fan-Gewalt 

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
Polizeikräfte drängen randalierende Fans von Dynamo Dresden zurück in den Gästeblock. 
Polizeikräfte drängen randalierende Fans von Dynamo Dresden zurück in den Gästeblock.  © dpa
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In einer Stellungnahme nach den Krawallen gegen den FC St. Pauli kündigt die SG Dynamo Dresden Stadionverbote an, kritisiert aber auch deutlich den Gastgeber.

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Dresden. Wilde Prügeleien nach Abpfiff mit 13 Verletzten, Weltkriegsopfer verhöhnende Banner – die hässlichen Szenen am Rande des Zweitliga-Gastspiels von Dynamo Dresden beim FC St. Pauli (0:0) vom vergangenen Freitagabend haben hohe Wellen geschlagen. Am Mittwochnachmittag hat sich erstmals auch die SG Dynamo Dresden in einer ausführlichen Stellungnahme zu den Vorkommnissen geäußert, die Krawalle verurteilt und Stadionverbote angekündigt, aber auch mögliche Versäumnisse der Gastgeber aus Hamburg angeprangert.

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Beim 0:0 am Millerntor nimmt die SG Dynamo Dresden gegen den FC St. Pauli einen glücklichen Auswärtspunkt mit. Zur Galerie
Beim 0:0 am Millerntor nimmt die SG Dynamo Dresden gegen den FC St. Pauli einen glücklichen Auswärtspunkt mit. ©

„Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt und distanzieren uns ganz klar von den Personen, die unmittelbar nach dem Auswärtsspiel beim FC St. Pauli Menschen mit massiver körperlicher Gewalt angegriffen haben. Um es ganz deutlich zu sagen: Dafür kann es keine Rechtfertigung und auch keine Entschuldigung geben. Menschen, die die Gesundheit von anderen so rücksichtslos aufs Spiel setzen, haben in unserer Sportgemeinschaft nichts verloren“, machte Michael Born, kaufmännischer Geschäftsführer der Schwarz-Gelben, klar.

Dynamo will Stadionverbote

Sobald die entsprechenden Personen durch die Ermittlungsbehörden identifiziert seien, werde die SGD bei dem Kiezclub auf die Aussprache von Stadionverboten hinwirken und zu erwartende Strafen in der neu gegründeten ‚Kommission Strafumlegung‘ mit aller Schärfe behandeln. „Wir wünschen allen Verletzten und Betroffenen auch auf diesem Wege nochmals von Herzen gute Besserung“, so Born weiter.

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An der ersten Auswertung der Ereignisse war neben der Geschäftsführung, dem Sicherheitsbeauftragten sowie der Abteilung Organisation und Sicherheit auch die Fanabteilung der SGD beteiligt. Der Sinn des Ganzen habe darin bestanden, ein möglichst genaues Bild der Vorkommnisse im Millerntor-Stadion und außerhalb zu zeichnen. Die Analyse spart nicht mit Kritik – am Verhalten eigener Fans und jener des Gastgebers sowie an mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen, die der Heimverein im Stadion traf.

Abweichende Risikobewertung

So habe Dynamo die Fußballpartie im Vorfeld als sogenanntes „Rot-Spiel“ klassifiziert, St. Pauli habe der Begegnung jedoch eine geringere Risikoklasse zugebilligt. „Eine ausreichende Fantrennung zwischen Heim- und Gästebereich war zu keinem Zeitpunkt des Spiels gewährleistet“, kritisieren die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben. Die ungenügende Pufferzone zwischen beiden Fanlagern habe aus zwei Sitzreihen bestanden, die per Flatterband abgetrennt waren. „Hier stellen wir ganz klar ein organisatorisches Versäumnis unter Berücksichtigung aller sicherheitsrelevanten Punkte des Gastgebers fest“, sagte Michael Born. Die Rivalität beider Fanlager sei nicht genügend beachtet worden.

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In Dynamos Analyse werden zudem die verschiedenen Provokationen der Fans der Hansestädter genannt – einerseits das Spruchband, das den „Opfermythos“ rund um die Zerstörung Dresdens vor 75 Jahren im Zweiten Weltkrieg thematisierte, andererseits „menschenverachtende Aufkleber, die bereits 2018 erstmals verbreitet wurden. Darauf ist das Dynamo-Logo mit einer herabfallenden Bombe über einem brennenden Dresden-Schriftzug dargestellt.“ Der FC St. Pauli hatte sich vom Inhalt der Aufkleber schon distanziert. Jedoch bestritt die Fanszene der Hamburger vehement, dass die Sticker im Rahmen dieser Partie in Umlauf gewesen seien.

Vertreter aus Dynamos Fanszene hätten der SGD zufolge auch durch laute Durchsagen im Gästeblock mehrfach versucht, angesichts der gegenseitigen Provokationen der beiden kaum getrennten Fanlager deeskalierend einzuwirken. Offenbar erfolglos. Denn nachdem nach Abpfiff „laut mehrerer, unabhängiger Augenzeugenberichte volle – teils übel riechende – Getränkebecher sowie Feuerzeuge und andere kleine Gegenstände aus dem Heimbereich oberhalb des Gästeblocks auf Dynamo-Fans geworfen“ worden seien, eskalierte die Lage.

Fäkalienwürfe auf Fans

Dresdner Anhänger hatten berichtet, die als Wurfgeschosse missbrauchten Becher seien teilweise mit Fäkalien gefüllt gewesen. Die anschließende Gewaltorgie von rund 30 Chaoten hatte sich unter anderem gegen die Ordner gerichtet – „auch weil der Ordnungsdienst im Oberrang des Millerntor-Stadions das Werfen verschiedener Gegenstände nicht unterbindet“, hieß es in Dynamo Dresdens Stellungnahme.

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Auch auf die aus dem Gästebereich abgeschossene Leuchtspurrakete, die inmitten der Heimfans niederging, eine keinem Fanlager zuordenbare Böller-Explosion und auf den Zwischenfall auf der Rückreise gingen die Schwarz-Gelben ein. Dort verursachten Chaoten Schäden in einer McDonald’s-Filiale südlich von Hamburg. Allerdings sei es noch in der Hansestadt selbst auf dem für Gästefans ausgewiesenen und nicht ausreichend bewachten Parkplatz nach dem Spiel zu gewalttätigen Übergriffen von Anhängern des FC St. Pauli auf Dynamo-Fans gekommen, die auf dem Weg zu ihren abgestellten Autos waren. Insgesamt seien rund ums Spiel Identitäten von 100 Personen aus beiden Fanlagern festgestellt worden.

Borns Appell an beide Seiten

Michael Born forderte eine engere Zusammenarbeit beider Seiten im Vorfeld zukünftiger Begegnungen. Zudem werde Dynamo darauf hinwirken, „dass es beim nächsten Mal auch beim FC St. Pauli eine Fantrennung gibt, die den Namen verdient hat.“ Dass es aber überhaupt zu derartigen Eskalationen kommen könne, will die Geschäftsführung der Schwarz-Gelben nicht hinnehmen: „Gleichwohl stimmt uns sehr nachdenklich, dass die Einforderung von derartigen Maßnahmen notwendig ist, um zu verhindern, dass auf Grund der gegenseitigen Anfeindungen und Provokationen noch Schlimmeres bei zukünftigen Spielen passiert“, so Born, der abschließend sagt: „Von daher wünschen wir uns, dass es endlich auf beiden Seiten zu einer Allianz der Vernunft kommt, wo Gewalt, menschenverachtende Provokationen und diffamierende Verallgemeinerungen der Vergangenheit angehören.“

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