06. August 2020 / 12:43 Uhr

Sticker von „RB-Hooligans“: RB Leipzig distanziert sich von rechten Inhalten

Sticker von „RB-Hooligans“: RB Leipzig distanziert sich von rechten Inhalten

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Leerer Innenraum im Fußball-Bundesliga Stadion Red-Bull-Arena am 15.05.2020 in Leipzig (Sachsen). Einen Tag später startet das erste Geisterspiel nach der Coronavirus-Pause der Bundesliga.
Die Sticker stoßen bei der aktiven Fanszene auf Ablehnung. © SPORTBUZZER-Montage/Christian Modla/Twitter
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In Leipzig sind in den letzten Tagen Sticker von selbsternannten „RB-Hooligans“ aufgetaucht. Szene-Kennern und der Fanbetreuung von RB Leipzig ist die Gruppierung nicht bekannt. Möglicherweise ist auch eine Einzelperson dafür verantwortlich.

Leipzig. Formiert sich in der Fanszene von RB Leipzig eine rechte Hooligan-Gruppierung oder handelt es sich um einen Scherz? Auf Twitter tauchten Bilder von zwei Stickern auf, die einen wild schnaubenden, muskelbepackten Bullen und rechte Codewörter wie „FCK AFA“ (Fuck Antifaschistische Aktion) und „ACAB“ (übersetzt: „All Cops are Bastards“) zeigten – wobei Letzteres auch in der linken Szene gebräuchlich ist. Die Sticker wurden mit „RB-Hools“ und „RB-Hooligans“ gekennzeichnet. Einer der Aufkleber tauchte laut Angaben eines Twitter-Nutzers am Wilhelm-Leuschner-Platz auf.

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80 RB-Fans gelten als gewaltbereit/gewaltgeneigt

Laut SPORTBUZZER-Informationen ist Szene-Kennern und der Polizei keine Gruppierung mit diesem Namen bekannt. Auch die Fanbetreuung von RB Leipzig kann die Sticker laut Vereinsangaben nicht zuordnen. RB distanziert sich auf Anfrage von den Inhalten und ist um weitere Aufklärung bemüht. Die Inhalte würden auch bei der aktiven Fanszene auf Ablehnung stoßen, heißt es.

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In der Datei „Gewalttäter Sport“ der Zentralen Informationsstelle Sport (ZIS) werden derzeit 80 Fans von RB Leipzig der „Kategorie B“ (gewaltbereit/gewaltgeneigt) zugeordnet. Aktiv gewaltsuchende „Kategorie-C-Fans“ gibt es laut Behördenangaben nicht. Von Fanbündnissen wie „Pro Fans“ wird diese Einteilung regelmäßig als willkürlich und die Aufnahmekriterien als schwammig kritisiert. Zur Kategorie B kann beispielsweise schon zählen, wer beim Zünden von Pyrotechnik erwischt wird oder Toiletten mit Stickern zuklebt. Es muss keine tatsächliche Gewaltbereitschaft vorliegen.

Handelt es sich um eine Täuschungsaktion?

Auf Twitter spekulieren die Nutzer über die Hintergründe der vermeintlichen „RB-Hooligans“. Während manche einen Scherz oder sogar eine Täuschungsaktion fremder Fans, um den Familienverein zu diskreditieren, vermuten, trauen andere Anhänger die Sticker-Aktion auch Leipziger Stadiongängern zu. Die einzige bekannte Gruppierung, die sich bisher offen zu Gewalt als Abwehrmittel bekannt hat, ist L.E. United. Sie hatte sich 2017 nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen sächsische Anhänger, darunter Frauen und Kinder, vor dem Gastspiel bei Borussia Dortmund formiert. Der Mitteldeutschen Zeitung sagte ein Vertreter von L.E.U. damals: „Wenn uns einer an die Wäsche will und keine Polizei zur Stelle ist, werden wir von unserem guten Recht Gebrauch machen, uns selbst zu schützen. Das kann uns niemand verwehren.”

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Eine Verbindung zwischen den Männern mit den schwarzen Fischerhüten und dem Kleben der „RB-Hools“-Sticker ist allerdings reine Spekulation. Ein Szenekenner sagte dem SPORTBUZZER, in so manchen Fangruppierungen des Fußball-Bundesligisten gebe es ein paar Leute, denen er so eine Aktion zutraue. Womöglich ist aber auch nur eine einzelne Person verantwortlich.

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