19. Januar 2022 / 20:50 Uhr

Stille vor dem Berlin-Derby: Die Lage vor dem Spiel von Hertha gegen Union

Stille vor dem Berlin-Derby: Die Lage vor dem Spiel von Hertha gegen Union

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Udo vom Bierstand am S-Bahnhof Olympiastadion verlebte einen ruhigen Abend.
Udo vom Bierstand am S-Bahnhof Olympiastadion verlebte einen ruhigen Abend. © David Joram
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Kaum Fans und wenig Stimmung vor dem Olympiastadion: Nur 3000 Fans dürfen zum Berliner Pokalderby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union - das merken auch Bierverkäufer und Pfandsammler.

Die Stille dominiert. Am Bahnhof Zoo, am Westkreuz, selbst an der S-Bahnhaltestelle Olympiastadion. Überall dort, wo Fußballfans normalerweise ihre Lieder anstimmen und ihre Fahnen schwenken, wenn ein Topspiel der Berliner Hertha gegen den 1. FC Union ansteht, ist es am Mittwochabend verdächtig ruhig. Nur wenige Anhänger in blau und weiß sind unterwegs. Von den Roten sieht man nichts. Glück haben die Sicherheitskräfte, sie verbringen einen geruhsamen Abend.

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Am Bierstand direkt an der S-Bahnhaltestelle stehen zahlreiche Plastikbecher Bier auf dem Tresen. Verkauft hat der Wirt wenig, "ne Handvoll vielleicht", sagt er achselzuckend. "Lohnt sich eigentlich nicht." Warum er trotzdem da steht? "Na, ich hatte halt noch ein altes, halbes Fass." Seit 2008 verkauft Udo seine Kaltgetränke vor Hertha-Heimspielen, so triste Abende wie diesen hat er selten erlebt. Immerhin, zwei Unioner kommrn noch vorbei und bestellen. Die Stimmung: gemütlich, sachlich, herzlich, fast wie bei einem Amateurkick.

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Ein paar Meter weiter, am Olympia-Eck, sieht es kaum anders aus. Ein paar Blaue und ein paar Rote stehen in der kalten Brise, nippen an Bier und Glühwein, die sonst vor Derbys derbytypische Vorfreude - eher gedämpft. Vor dem Osttor ist die Lage ähnlich ruhig. Der Wind fegt einen leeren Einkaufswagen über den Asphalt. Wie Udo machen auch die Pfandflaschensammler heute ein mieses Geschäft. "Bitte beachten Sie, dass Flaschen jeglicher Größe nicht ins Stadion genommen werden dürfte", sagt die Lautsprecherstimme. "Trink ich halt hier aus", antwortet ein Hertha-Fan. Wenigstens diese Nullfünfer Kindl-Flasche wandert daraufhin in einen Einkaufskorb.

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Das Stadtderby, eigentlich ein Festtag, ist vor dem Anpfiff nur Randnotiz. Wäre das weite Rund nicht im Hertha-Blau beleuchtet, wüsste wohl niemand, dass ab 20.45 Uhr das erste Duell zwischen Charlottenburgern und Köpenickern im DFB-Pokal stattfindet.

Neun Polizeiwagen parken dennoch im Wendekreis vor dem Südeingang. Man weiß ja nie. "Kämpfen und siegen", brüllt ein einzelner Herthaner. Aber auf Kampf deutet außerhalb des Stadions nichts hin. Zum Glück nicht. Mehr los hätte trotzdem sein dürfen. Vielleicht ja im April, wenn in der Bundesliga das nächste Derby der beiden Rivalen im Olympiastadion stattfindet. Dann könnte auch Udo wieder ein paar frische Fässer anstechen.