28. August 2021 / 21:00 Uhr

Stilles Ende einer großen Ära: Glöckner kein Trainer mehr vom Lissaer Frauenteam

Stilles Ende einer großen Ära: Glöckner kein Trainer mehr vom Lissaer Frauenteam

Leon Heyde
Leipziger Volkszeitung
Wie man ihn kennt: Tino Glöckner jubelt mit den Lissaer Fußballerinnen. Deses Bild gehört nun der Vergangenheit an.
Wie man ihn kennt: Tino Glöckner jubelt mit den Lissaer Fußballerinnen. Deses Bild gehört nun der Vergangenheit an. © Archiv/Tino Glöckner
Anzeige

Vereinsurgestein und Erfolgstrainer Tino Glöckner verlässt nach 30 Jahren Engagement im Frauenfußball den SV 90 Lissa. Bei Heimspielen wird der 51-Jährige von hinter der Bande die Partien als Fan beobachten.

Lissa. Beim SV 90 Lissa endet eine Ära. Nach drei Jahrzehnten, in denen er den Frauenfußball beim SV 90 Lissa groß gemacht und bis in die Landesliga geführt hatte, zieht sich Tino Glöckner aus dem Verein zurück.

Anzeige

Seit 1991 betreute Glöckner die Frauenteams der Nordsachsen. Einst als Experiment beim Lissaer Sportfest gestartet, sollte das Team des SV in den folgenden Jahren der ganzen Region als Zugpferd dienen. Aufstieg bis in die Landesliga, Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München und Pokalsieg gegen Chemie Leipzig – die Euphorie, die von dem 500-Seelen-Dorf ausging, schwappte auf die gesamte Region über. Überall in der sächsischen Provinz entstanden Frauenteams, der SV selbst stellte zwischenzeitlich Mädchenmannschaften in allen Altersklassen. Immer mit dabei: Tino Glöckner. Der inzwischen 51-Jährige stand stets als Trainer an der Seitenlinie, war selbst Präsident des Vereins und schließt mit seinem Rücktritt nun ein langes Kapitel Lissaer Fußballgeschichte.

Mehr aus Nordsachsen

„Es ist in den letzten Jahren einiges zusammengekommen. Der hohe Aufwand und interne Geschichten – irgendwann muss man auch ehrlich sein und sagen: ‚Es passt einfach nicht mehr zusammen‘“, erzählt Glöckner, der sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht hat. „30 Jahre habe ich meinen Alltag voll nach dem Fußball ausgerichtet, bin von Familienfesten stets früher gegangen, um am nächsten Morgen am Platz zu stehen. Das letzte Jahr hat dabei schon als Angewöhnungszeit gedient.“ Seit März 2020 konnte auch in Lissa kaum trainiert werden, die sportliche Situation des Landesklasse-Teams war ohnehin angespannt. Besonders Kaderprobleme – Spielerinnen verließen für ihr Studium die Region oder wechselten zu Teams nach Leipzig – brachten das Projekt Frauenfußball in den letzten Jahren immer mehr ins Wanken.

Anzeige

Der Abwärtstrend der letzten Jahre sei für seinen Entschluss jedoch nicht ausschlaggebend gewesen, berichtet Glöckner: „Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen. Wir wissen, wo wir herkommen, da geht es um Gesundheit, Freizeit und Spaß.“ Vielmehr sei die Belastung irgendwann zu groß geworden. Glöckners Mannschaft hätte bereits länger gewusst, dass er mit dem Gedanken ans Aufhören spielt. Die ein oder andere Träne sei dennoch geflossen.

Als Fan hinter der Bande

Matthias Kühr, Vorstandsmitglied und neuer Interimstrainer des SV, bedauert die Entscheidung von Glöckner: „Wir wissen alle, was Tino in den letzten 30 Jahren für den Verein geleistet hat. Als er uns Anfang Juni seinen Entschluss mitteilte, waren wir überrascht.“ Kühr wird in der kommenden Saison die Frauenmannschaft in der Leipziger Stadtliga aufs Feld führen.

Das will sich auch Tino Glöckner nicht entgehen lassen: „Wenn ab September wieder Heimspiele in Lissa stattfinden, werde ich sicher mal vorbeischauen.“ Glöckner als Fan hinter der Bande – ein gewöhnungsbedürftiges Bild nach 30 Jahren auf der Trainerbank.