15. Juni 2021 / 20:59 Uhr

Stimmung und Kritik: So lief der EM-Auftakt in Budapest vor fast 60.000 Zuschauern

Stimmung und Kritik: So lief der EM-Auftakt in Budapest vor fast 60.000 Zuschauern

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dicht gedrängt saßen die Zuschauer auf den Rängen der Puskás Aréna.
Dicht gedrängt saßen die Zuschauer auf den Rängen der Puskás Aréna. © Getty Images
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Fast 60.000 Zuschauer in der Puskás Aréna sorgten beim EM-Duell zwischen Ungarn und Portugal für Atmosphäre auf den Rängen. Aufgrund der Corona-Lage ist die Zulassung derart vieler Fans jedoch umstritten. Uli Hoeneß und Karl Lauterbach üben Kritik.

In der augenscheinlich voll besetzten Puskás Aréna herrschte am Dienstagabend eine Stimmung wie in Zeiten vor dem Coronavirus. Jubel, Pfiffe, ausgelassene Stimmung: Fast 60.000 Fans beim Vorrundenspiel zwischen Ungarn und Portugal in Budapest (0:3) sorgten zwar für echt EM-Atmosphäre - aber auch für reichlich Kritik. Der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß bewertete die vollen Rängen aufgrund der weiterhin nicht ausgestandenen Pandemie als "ein schlechtes Signal." Der 69-Jährige bei MagentaTV: "Man kann nur hoffen, dass nichts passiert."

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Tausende Fans hatten sich schon am Nachmittag auf einen zwei Kilometer langen Weg vom Budapester Heldenplatz zum Stadion gemacht, das den Namen der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskás trägt. Größtenteils in roten Trikots gekleidete Anhänger zogen lautstark durch Ungarns Hauptstadt. Dabei riefen sie auch den Namen von Dänemarks Starspieler Christian Eriksen, der am Samstag auf dem Platz zusammengebrochen war und reanimiert werden musste.

Vor allem am Heldenplatz hielten die dicht gedrängten Fans in Zeiten der Corona-Pandemie aber kaum Abstand voneinander. Ein Mund-Nasen-Schutz wurde Augenzeugen zufolge auch nur vereinzelt getragen. "Diese Bilder zeigen genau das, was die EM vermeiden sollte. Während halb Europa und 95 Prozent der ärmeren Welt noch nicht geimpft sind, verhält man sich so, als ob die Pandemie vorüber wäre", kritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in den sozialen Netzwerken. "Rücksichtslos und unsportlich."

Im Stadion brach schon lange vor dem Anpfiff auf den Rängen Jubel aus, als die noch in Anzüge gekleideten ungarischen Nationalspieler um Kapitän Ádám Szalai von Mainz 05 den Rasen betraten. Die Portugiesen hingegen wurden ausgepfiffen. Lautstark feuerten die Zuschauer nach Anpfiff dann die heimische Nationalmannschaft an. Bereits Tage vor dem Spiel war die Fußball-Euphorie in Budapest groß. Viele Fans hatten für Kneipenterrassen ihre Plätze reserviert, wo das Spiel auf Bildschirmen übertragen wird, berichteten Wirte in ungarischen Medien.

Das Budapester Stadion ist das einzige, das bei der EM trotz der Corona-Pandemie voll ausgelastet werden darf. In der Arena selbst gilt keine Maskenpflicht, wohl aber die Empfehlung, eine Maske zu tragen. Daran hielten sich aber nur vereinzelt Personen. Sie standen an Getränke- und Imbissständen dicht an dicht. Ausländische Fans müssen am Stadioneingang einen negativen PCR-Test vorlegen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Die ungarischen Fans benötigen für den Besuch der EM-Matches in Budapest einen Immunausweis – für sie reicht ein negativer PCR-Test nicht aus. Einen solchen Ausweis erhält in Ungarn, wer zumindest eine Impfung gegen Covid-19 erhalten oder nachweislich eine Corona-Erkrankung überstanden hat. Am Dienstag betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 9,9 pro 100.000 Einwohner.