02. März 2021 / 09:09 Uhr

Das Knie spielt mit: Eilveses Adrian Wagner schuftet extrem hart für sein Comeback

Das Knie spielt mit: Eilveses Adrian Wagner schuftet extrem hart für sein Comeback

Mark Bode
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hier noch gegen und nicht für den STK Eilvese: Adrian Wagner (rechts, im Dress der TSV Burgdorf).
Hier noch gegen und nicht für den STK Eilvese: Adrian Wagner (rechts, im Dress der TSV Burgdorf). © Michael Thieme
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Bitterer hätte der Einstand beim STK Eilvese für Adrian Wagner kaum laufen können: Im Heimspiel gegen Sulingen zog sich der Neuzugang einen Innenbandriss zu, seither schuftet das frühere 96-Talent intensiv für sein Comeback. Mittlerweile bereitet ihm das Knie keine Probleme mehr.

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Der Auftakt hätte wohl erfreulicher verlaufen können. Im ersten Saisonspiel des Landesligisten STK Eilvese ist Neuzugang Adrian Wagner nur Zuschauer gewesen. Rund eine Woche später im Heimspiel gegen den TuS Sulingen stand der 33-Jährige zwar in der Startelf, zog sich dabei allerdings einen Innenbandanriss zu. Doch niedergeschlagen gibt er sich deshalb keineswegs. Die coronabedingte Pause nutzt er intensiv, um an seiner Rückkehr zu arbeiten.

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Aktuell sind zwar für Amateursportler weiterhin keine gemeinschaftlichen Trainingseinheiten möglich. Doch schon zu Saisonbeginn war STK-Trainer Thassilo Jürgens vom Eifer des Neuen begeistert: „Seine Oma könnte auch fünfmal im Jahr Geburtstag haben, er würde an keinem dieser Tage eine Trainingseinheit verpassen“, lobt der Coach Einstellung und Engagement seines Spielers.

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„Vier- bis fünfmal in der Woche mache ich Sport“, sagt Wagner, der vom Ligakonkurrenten TSV Burgdorf nach Eilvese gewechselt ist. Meistens geht er laufen. 400 Kilometer hat er nach der weitgehend auskurierten Knieverletzung schon wieder zurückgelegt. Als kürzlich bei Minusgraden Seen zugefroren waren, holte er seine Schlittschuhe raus und spielte auf dem gefrorenen Wasser Eishockey.

Mit einem alten Weggefährten, Yanik Strunkey, der ebenfalls für die Eilveser kickt, liefert er sich zudem gelegentlich Duelle beim Badminton. Zu Hause kommen regelmäßig Stabilisationsübungen dazu. Das Knie bereitet ihm keine Probleme mehr, er habe keine Schmerzen. „Ich fühle mich gut“, sagt Wagner, der sich selbst als „sehr ehrgeizig“ bezeichnet. Das zeigte sich beispielsweise am zweiten Weihnachtstag, als er 15 Kilometer joggend zurücklegte.

"Das lief richtig blöd"

Wenn der Fußball starten sollte und der Landesliga-Spitzenreiter aus Eilvese wieder auf Punktejagd geht, will Wagner bereitstehen. Dass er zum Saisonbeginn von Jürgens nicht berücksichtigt wurde, wurmte ihn schon, wie er unumwunden zugab. „Die Vorbereitung lief richtig gut“, sagt Wagner rückblickend. Doch er habe Verständnis für die Entscheidung des Trainers, der sich schließlich nur für zehn Feldspieler entscheiden könne. Wagner gab sich nach dem kleinen Rückschlag keineswegs bockig, im Gegenteil: „Ich habe einfach weitergemacht und an mir gearbeitet“, sagt der 33-Jährige.

Der Lohn folgte mit dem Startelfdebüt am zweiten Spieltag. Nach einem Pressschlag, bei dem er den Ball mit der Innenseite, sein Sulinger Gegner das Leder jedoch mit Vollspann traf, geschah das Unglück. Er spielte zwar noch weiter, doch nach 61 Minuten folgte die Auswechslung. Die Erkenntnis, dass mit seinem Knie etwas nicht stimmte, kam ihm erst nach Schlusspfiff. „Da konnte ich kaum noch gehen“, berichtet Wagner. „Das lief richtig blöd.“

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Richtig blöd sei es auch gelaufen, als Wagner als hoffnungsvolles Talent aus der U19 in die Profireserve von Hannover 96 wechselte. Allerdings warf ihn eine Schambeinentzündung – die erste von insgesamt drei Verletzungen dieser Art – dort prompt zurück. Immerhin hatte der gelernte Außenverteidiger, der sich aber nach eigener Aussage auf vielen Positionen gut aufgehoben fühlt, auch erfreuliche Erlebnisse.

So durfte er 2005 bei einem Testspiel der argentinischen Nationalelf vor dem Confed-Cup in Hannover gegen Lionel Messi und die anderen Stars der südamerikanischen Auswahl ran. „Das hat richtig Bock gemacht, so etwas im Leben mitzunehmen ist schon klasse“, sagt Wagner. „Wenn man den Profis mal den Ball abgenommen hat, hat man sich richtig gefreut.“ Als ein Jahr später das französische Nationalteam vor Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland gegen 96 testete, war Wagner am Knie verletzt, sah die Stars aber zumindest aus unmittelbarer Nähe.

Wagner misst sich gern mit den Jüngeren

Auch mit 33 Jahren will der Postangestellte, der für das Fuhrparkmanagement zuständig ist, noch nicht an den Fußballruhestand denken. „Es macht immer noch Spaß und Freude, sich mit 18-Jährigen messen zu können“, sagt Wagner. Doch er will die Jüngeren auch anleiten. „Ich möchte mein Wissen gern weitergeben“, sagt er. Das bezieht sich auf taktische Aspekte, aber auch auf sportmedizinische. So half er zum Beispiel seinem Kabinensitznachbarn Nico Kiedrowski weiter, als dieser über muskuläre Probleme klagte.

Ihm sei bewusst, dass er noch ein wenig an seiner Spritzigkeit arbeiten müsse, sagt der Eilveser Kicker. „Das hatte mir der Trainer auch gesagt“, erklärt Wagner. Auch die Ballgewöhnung fehle ihm noch. Er ist aber zuversichtlich, bis zum nächsten Spiel fit zu sein. An der richtigen Einstellung und am Engagement sollte es jedenfalls nicht liegen.