26. Juni 2022 / 08:05 Uhr

Strategie, Favoriten, Windhorst-Rolle: Fragen und Antworten zur Präsidentschaftswahl bei Hertha BSC

Strategie, Favoriten, Windhorst-Rolle: Fragen und Antworten zur Präsidentschaftswahl bei Hertha BSC

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Am Sonntag wird der neue Präsident von Hertha BSC gewählt.
Am Sonntag wird der neue Präsident von Hertha BSC gewählt. © IMAGO/Contrast/Matthias Koch (Montage)
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Sportlich hat der neue Trainer Sandro Schwarz bei Hertha BSC schon losgelegt. In der Führungsetage des Berliner Bundesligisten muss aber noch ein Chef einziehen. Bei der Mitgliederversammlung am Sonntag kommt es zum Showdown zweier unterschiedlicher Charaktere.

Zwischen Rettung in der Relegation und dem Start in die nächste Saison herrscht bei Hertha BSC keine Ruhe. Der Berliner Bundesligist braucht einen neuen Boss. Am Sonntag (11 Uhr) wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im City Cube der Berliner Messe der neue Präsident gewählt. Es geht um eine Richtungsentscheidung.

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Warum ist eine Neuwahl notwendig?

Werner Gegenbauer trat nur einen Tag nach dem Klassenerhalt durch das 2:0 in der Relegation gegen den Hamburger SV zurück. Der 71-Jährige kam damit einer Abwahl bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai zuvor. Der Unternehmer war seit 2008 im Amt, mit seiner Person wurden generelle Stagnation und der jüngste sportliche Niedergang verbunden. Weiterer Fan-Vorwurf: Die 375 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst wurden verschwendet.

Wer sind die Kandidaten?

Alles läuft auf einen Zweikampf hinaus. Der CDU-Politiker und Unternehmer Frank Steffel (56) und der ehemalige Ultra und heutige Eventmanager Kay Bernstein (41) treten an. Dem weitgehend unbekannten Marvin Brumme (37) werden kaum Chancen eingeräumt. Andere Kandidaten wie das langjährige Präsidiumsmitglied Ingmar Pering, zogen zurück, dieser will jetzt Vize unter Steffel werden.

Was unterscheidet die Bewerber?

Steffel und Bernstein verbindet erstmal nichts - außer das Bekenntnis zur Hertha. Dort der langjährige Politiker Steffel, nachweislich ein Machtmensch, viele Jahre Bundestagsabgeordneter und in Berlin bestens vernetzt - zudem als Langzeitchef des Handball-Topklubs Füchse auch in der Sportwelt seit Jahren ganz oben mit dabei. Bernstein stand viele Jahre in der Ostkurve, stimmte die Lieder für die Fans an und war führendes Mitglieder der Ultras, die Steffel in einer Bundestagsrede als Krawallmacher einst geißelte. In seiner Zeit als Ultra engagierte sich Bernstein auch immer wieder für soziale Dinge außerhalb des Stadions. Inzwischen sitzt er auf der Haupttribüne im Stadion. Er führt seine Eventagentur, ist somit auch in der lokalen Geschäftswelt aktiv, seine Stammwähler kommen aus der aktiven Fanszene.

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Wie ist die Strategie und wer ist Favorit?

Bernstein setzt auf seine Herkunft in der Hardcore-Anhängerschaft. Dieses Wählerpotenzial muss er mobilisieren. Sein Slogan heißt "Wandel statt Handel". Er will eine inhaltliche Neuausrichtung, die für Bundesliga-Klubs revolutionär und einmalig wäre. Dabei will er aktiv Paradigmen und Strukturen ändern.

Steffel präsentiert sich eher als Elder Statesman, will nach unruhigen Jahren für Einheit und Stabilität sorgen - auch optisch kommt er präsidialer rüber. Dass er der Favorit ist, zeichnet sich ab. In Hinterzimmergesprächen versucht Steffel schon vor der Wahl, alle Kandidaten hinter sich zu einen, bei Pering gelang es, bei Bernstein (noch) nicht.

Wie verhält sich Investor Lars Windhorst?

Windhorst ist nicht nur Millionen-Geldgeber, sondern wie auch Geschäftsführer Fredi Bobic normales Hertha-Mitglied und somit zur Stimmabgabe berechtigt. Öffentliche Wahlaussagen werden vermieden. Aber beide sind ganz sicher dem Steffel-Lager zuzuordnen. Dieser vermied es in der kurzen Wahlkampfzeit, den Eindruck zu vermitteln, dass er dem Investor neue Finanzmittel entlocken könne, doch die Verbindungen sind sicher gut. Das Hertha-Establishment würde unter Bernstein richtig herausgefordert werden. Die Ultras - sozusagen Bernsteins Nachfolger in der Ostkurve - verunglimpften Windhorst bei der letzten Mitgliederversammlung. Der 41-Jährige selbst setzt auf Dialog mit dem Investor.

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