19. April 2020 / 12:45 Uhr

Streit um Saisonfortsetzung in Regionalliga und 3. Liga

Streit um Saisonfortsetzung in Regionalliga und 3. Liga

Ronny Müller und Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Bogdan Ranglov (m. Babelsberg) macht das 1:1, Babelsberg 03 - Optik Rathenow, Regionalliga Nordost, 15.Spieltag, Saison 19/20, Potsdam, 08.11.2019, Foto: Benjamin Feller
Geht es nach Babelsberg 03 (Weiß) und Optik Rathenow (Rot), spielen sie diese Saison nicht mehr gegeneinander. © Benjamin Feller
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In der 3. Liga und der Regionalliga Nordost sind die Vereine in der Frage Saisonabbruch oder Weiterspielen gespalten - Babelsberg 03 kritisiert den NOFV.

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Durch die 3. Liga und die Regionalliga Nordost geht ein Riss. Ein Lager will die Saison trotz Corona-Krise unbedingt sportlich zu Ende bringen, das andere befürwortet einen sofortigen Saisonabbruch. Am Donnerstagabend hatte der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) bei einer Videokonferenz mit Vereinsvertretern der Regionalliga Nordost ein Stimmungsbild eingeholt. Die Mehrheit der Vereine strebe eine Fortsetzung der Saison an, teilte der NOFV danach mit.

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Doch diese Interpretation irritierte einige Funktionäre. Es gab zwar keine Abstimmung, aber Ingo Kahlisch, Trainer und Geschäftsführer bei Optik Rathenow, hat das Stimmungsbild ganz anders wahrgenommen. „Die Mehrheit der Vereine sprach sich für einen Abbruch der Saison aus“, sagt der 63-Jährige. Für eine Saisonfortsetzung gebe es gar keine Grundlage. Kahlisch: „Die Entscheidungen der Bundesregierung geben das nicht her. Hygienevorschriften können nicht eingehalten werden. Man darf eigentlich nicht reisen. Und es gibt auch keine Sonderregelung für den Amateurfußball.“ Deshalb plädiert Kahlisch dafür, den Abstieg auszusetzen und eine Aufstiegsregelung zu finden.

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Babelsberg 03 kritisiert NOFV

Archibald Horlitz, Vorsitzender des SV Babelsberg 03, positioniert sich ähnlich: „Selbst wenn es gelänge, den Spielbetrieb relativ kurzfristig wieder aufzunehmen, haben wir große Bedenken, dass die große Anzahl an noch zu bestreitenden Spielen bis zum 30. Juni absolviert werden kann. Das würde regelmäßig drei Spiele pro Woche bedeuten. Zudem geben wir zu bedenken, dass im Fall nur eines positiv auf Covid-19 getesteten Spielers seine Mannschaft sowie alle Gegner der vergangenen zwei Wochen für 14 Tage in Quarantäne müssten. Das wäre mit Blick auf den hohen Rhythmus der Spiele somit ein beachtlicher Teil von Mannschaften, die dann nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen könnten“, sagt der 61-Jährige.



In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. April 2021.

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Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

„Wir plädieren daher ganz klar für eine Annullierung der Saison, weil die Gesundheit an erster Stelle steht.“ In einer Vereinsstellungnahme heißt es: „Statt eine Illusion zu schaffen, fordert der SV Babelsberg 03 den NOFV auf, die tatsächlich vorgetragenen Argumente der Vereine nicht länger zu ignorieren und in seinen öffentlichen Mitteilungen zu verschweigen.“

NOFV: "Geteiltes Meinungsbild"

Holger Fuchs, Geschäftsführer des NOFV, räumt ein, dass es ein geteiltes Meinungsbild gab. Er sagt aber: „Die meisten Vereine wollen eine sportliche Entscheidung bis Ende Juni. Wenn das nicht geht, dann sind sie für Abbruch. Wer eine sportliche Lösung will, will eigentlich weiterspielen.“ In der Regionalliga stehen noch neun Spieltage und elf Nachholspiele aus. Wann es weitergehen könnte, steht in den Sternen. Fuchs: „Wir beobachten täglich die Entwicklung.“ Der Riss wird besonders in Leipzig sichtbar. Während Chemie abbrechen will, ist der Stadtrivale für eine Fortsetzung. Lok hat als Tabellenzweiter noch Chancen auf die Meisterschaft und den Aufstieg in die 3. Liga.

Spaltung der 3. Liga

Die wird unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) betrieben. Und der DFB muss nun zwischen zwei Lagern vermitteln. In einem am Freitag veröffentlichten Schreiben plädieren der SV Waldhof Mannheim, Hallesche FC, 1. FC Magdeburg, FC Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, FSV Zwickau, Preußen Münster und die SG Sonnenhof Großaspach für einen Saisonabbruch. Geisterspiele sind der vorzeitige Weg in die Insolvenz, die Liga soll abgebrochen und dann bei Neustart aufgestockt werden – das sind die wichtigsten Eckdaten des Positionspapiers. „Dies ist aus unserer Sicht der sportlich bittere, aber auch der einzig mögliche Weg, bei dem die gesellschaftlichen Realitäten, der Schutz der Gesundheit und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen sind.“

Am Vortag hatten sich Bayerns Drittligisten für eine schnellstmögliche Fortführung der Saison ausgesprochen. „Es gibt für uns gar keine andere Lösung, als die Saison zu Ende zu spielen, weil nur dann ein sportlich faires Endergebnis zustande kommt“, sagte Präsident Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching. Eine ins Spiel gebrachte zweigleisige Staffeleinteilung soll aber kein Thema sein. „In der 3. Liga und dem zuständigen Ausschuss sind zwei oder mehr Staffeln – auch in der Corona-Krise – aktuell weiterhin kein Thema“, teilte der DFB mit.

Acht Clubs für Abbruch

Die acht Clubs schlagen vor, dass bei einem Abbruch der aktuelle Tabellenstand im Hinblick auf den Aufstieg gewertet, der Abstieg dagegen ausgesetzt und die 3. Liga in der kommenden Saison mit den derzeitigen Tabellenersten der Regionalligen aufgestockt wird. „Dies führt zwar zu mehr Mannschaften in der nächsten Saison, bildet aber einen fairen Kompromiss ab und ermöglicht eine teilweise wirtschaftliche und mediale Kompensation in der Folgesaison“, teilten die Clubs mit. Man sei überzeugt, dass der Preis für eine Fortsetzung der Saison nicht unverantwortlich hoch sein darf – gesellschaftlich, bezogen auf die Gesundheit und auch wirtschaftlich.