29. Dezember 2014 / 10:52 Uhr

Strike! Das Lokhallen-Tagebuch (10)

Strike! Das Lokhallen-Tagebuch (10)

Daniel Vollbrecht
SPORTBUZZER-Nutzer
Ein Kuchen als Dankeschön USER-BEITRAG
Ein Kuchen als Dankeschön © Bovender SV (Daniel Vollbrecht)
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Rettet das Ehrenamt!

Man arbeitet den ganzen Tag zum Wohle anderer und am Ende wird doch nur gemeckert? Was nach einer missglückten Stellenausschreibung für eine „verantwortungsvolle“ (aber schlecht bezahlte) Tätigkeit in einem der leider sträflich unterschätzten Sozialen Berufe klingt, könnte auch für jene Millionen Ehrenamtlicher gelten, die ihre Freizeit dem Gemeinwohl opfern und dennoch maximal ein pflichtschuldiges „Danke“ zu erwarten haben. Diesen seltener werdenden Spezies sei dieser Blogeintrag gewidmet.

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Ein typischer Tag im Rahmen der Hallenturnierwoche des Bovender SV:

09.30 Uhr: SMS-Alarm auf dem Handy - der Trainer einer Mannschaft, die am Abend als Teilnehmer des Sparkassen-Pokals in der Bovender IGS-Halle an den Start gehen sollte, berichtet von Personalsorgen und der damit einhergehenden Absage. Was nun? Muss der Spielplan kurzfristig umgestaltet werden?


09.35 Uhr: Abteilungsleiter Hungerland ist nicht erreichbar, er muss noch Laugenstangen von der Bäckerei abholen. Es ist Sonntag und die Öffnungszeiten der Lieferanten knapp kalkuliert.

09.40 Uhr: In der WhatsApp-Gruppe der BSV-A Jugend wird ein Aufruf gestartet: Wer kann heute abend spontan in einer „Notelf“ auflaufen, um die Absage zu kompensieren?

09.50 Uhr: Keine Antwort, die schlafen alle noch. Schnell den eigenen Terminkalender geprüft, um 12.00 Uhr steht der eigene Einsatz als Hallensprecher zur Begleitung der ersten beiden Vorrundengruppen auf dem Plan. Hm, dann wäre abends ja noch Zeit….

10.00 Uhr: …um selbst als Torwart der improvisierten A-Jugend auf dem Parkett zu stehen. Bänderriss ist zwar noch nicht ganz verheilt, aber egal! Wird schon!

10.30 Uhr: Immerhin, zwei Spieler haben zugesagt, aber was ist das? Eine Facebook-Nachricht von einer mir unbekannten Person: „Hallo, unser Trainer hat gerade bei Euch die Teilnahme unserer Mannschaft abgesagt. Das möchte ich aber wieder rückgängig machen. Bitte um schnelle Antwort!“

10.40 Uhr: Was mache ich jetzt? Oh, Wolfgang meldet sich, hat aber nur wenig Zeit, da er noch andere Besorgungen für das Turnier machen muss, schließlich sei kein anderer Helfer aufzutreiben. Absprache: Er nimmt Kontakt zur Abteilungsleitung des fraglichen Vereins auf, ich solle abwarten.

11.00 Uhr: Jetzt steht „meine“ Mannschaft für das Turnier, aber spielen wir überhaupt? Die ersten Nachrichten von Spielern, die verspätet aufgestanden waren, nun aber ebenfalls mitspielen wollen, treffen ein: „Daniel, ich will unbedingt spielen. Regel das mal.“ Wie denn?

11.10 Uhr: Herrje, bei all der Hektik wird mir bewusst, dass die A-Jugend ja auch für den Getränkeverkauf eingeteilt war. Zwei Spieler, die im Aufgebot der Reservemannschaft stehen, sollten zeitgleich hinter der Theke stehen. Betreuer Hansi Probst wird kontaktiert, der seine Hilfe zusichert. Weitere 13 WhatsApp-Nachrichten später steht fest: Ein anderer A-Jugendspieler, der ursprünglich am 03.01. Cola ausschenken sollte, zieht seine Schicht vor - unter der Bedingung, dass in den nächsten Tagen der Plan überarbeitet und er nicht doppelt arbeiten müsse. Egal, es zählt das „Hier und Jetzt“. Abgemacht.

12.00 Uhr: Anruf von Wolfgang: Bis 14 Uhr meldet sich der Abteilungsleiter und teilt uns mit, ob sein Verein antreten kann. Diese Info gebe ich an meine A-Jugend weiter. Akku des Handys leer.

13.00 Uhr: Akku wieder aufgeladen, aber telefonieren ist nicht mehr, denn das Turnier muss moderiert werden. Plötzlich steht der angekündigte Abteilungsleiter auf der Matte: „Wir können nicht spielen, aber das Startgeld zahlen wir für Euch.“ Eine faire Geste. Sofort die Nachricht an mein Team: „Wir sind dabei.“ In der Zwischenzeit hatten sich während der Akkuladephase jedoch 2 Spieler wieder abgemeldet, da ihnen die Wartezeit zu lange war. Also die Turnierleitungspause für weitere Telefonate genutzt, bis das finale Aufgebot stand.

17.00 Uhr: Turnierleitung geschafft, in 45 Minuten treffen wir uns zum abendlichen Spontaneinsatz an der Halle. Schnell die eigenen Sportsachen zusammengerafft und bei meinen „regulären“ Torhütern Dominik und Alex um Torwartklamotten gebeten.

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17.20 Uhr: Auf dem Weg eine Portion Nudeln to go gegessen, dann der Schreck: Wir haben ja keine Trikots! Zumindest nicht im gewaschenen Zustand. Anruf bei Platzwart Pero Dugonjic: „Kannst Du den Wäscheraum aufschließen?“ - „Ja, kein Problem.“

17.30 Uhr: Die Ersatz-Helfer für den Verkauf werden von zuhause abgeholt. Alex Probst, selbst gerade zur Tür herein gekommen, wechselt die Kleidung und sprintet in sein Zimmer, um für mich seine TW-Handschuhe zu suchen.

17.35 Uhr: Der Wäscheraum am Sporthaus ist abgeschlossen. Bei Pero brennt immerhin Licht und nach dem zweiten Klingeln schließt er endlich auf. Jetzt wird es knapp.

17.45 Uhr: Zwei Anrufe auf meiner Mailbox: „Daaaaniel, wo bleibst Du?“

17.50 Uhr: Schnell werden die Spieler begrüßt, in 25 Minuten müssen wir auf dem Platz stehen. Zwischendurch erfahren, dass zwei der Theken-Verkäufer eine Stunde vor Ende des Turniers frühzeitig gehen müssen. Wie soll das denn dann laufen? Wir müssen doch spielen? Was solls…sind ja noch 3 Stunden bis dahin.

18.25 Uhr: Erstes Spiel 1:1 gespielt, hat Spaß gemacht. In den Pausen zwischen den Spielen müssen wir die Thekenkräfte unterstützen und selbst Bier / Mineralwasser ausschenken. Einige Besucher haben bereits ein paar Promille zuviel intus und pöbeln herum: „Wie scheiße hast du denn bitte eben als Torwart auf das Tor gebolzt?“ Ja, Danke auch.

19.30 Uhr: Was passiert eigentlich, wenn wir die nächste Runde erreichen? Für morgen war ein Trainingsspiel in der Soccerhalle gegen die JSG Hardegsen angesetzt. Könnten wir 2 Mannschaften parallel stellen? Drei Anrufe später steht die Antwort auf diese Frage fest: Akku erneut leer!

21.30 Uhr: Glück gehabt, mit 4 Punkten knapp ausgeschieden. Jetzt schnell duschen und weiter Getränke verkaufen. 

22.00 Uhr: Die Tribüne ist geräumt, im Eingangsbereich halten sich nur noch 7 Personen auf. Mit Wolfgang Hungerland rechne ich die Getränkekasse ab - Gutscheine müssen gezählt und das Wechselgeld gegengerechnet werden. Im Hintergrund ist ein lautes Wortgefecht zwischen den übrigen Leuten zu hören…

23.15 Uhr: …die Polizei musste anrücken, meine Zeugenaussage ist protokolliert, das Licht in der Halle geht aus.

23.30 Uhr: Bei Mc Donalds wird noch schnell ein Menü verputzt, zuhause der Akku des Handys aufgeladen.

23.45 Uhr: Ah, das Handy funktioniert wieder. 43 neue Nachrichten. 14x die Frage: „Was war denn da in Bovenden los?“ 3x: „Kannst Du mir sagen, warum Erol Saciri in der Sparkassen-Arena die Rote Karte gesehen hat?“ Und die anderen Nachrichten drehen sich um die Organisation des morgigen Trainingsspiels gegen Hardegsen.

00.45 Uhr: Alle Nachrichten sind beantwortet. Gute Nacht!

Sollte ab dem 08.01. in der Lokhalle mal die eine oder andere Sache nicht ganz perfekt laufen, denkt bitte an diesen Text, respektiert die vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort und sagt einfach mal „Danke“ für die Arbeit, die verrichtet wird, um Euch eine spektakuläre Fußballveranstaltung zu liefern. Oder engagiert Euch selbst bei einem Sportverein in Eurer Nähe. Denn geteilte Last ist halbe Last.