03. Mai 2021 / 17:28 Uhr

Super-Grizzlys zu müde zum Feiern, Hupkonzert auf der A 2, Versprechen an die Fans

Super-Grizzlys zu müde zum Feiern, Hupkonzert auf der A 2, Versprechen an die Fans

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Grizzlys Wolfsburg Fans vor dem Spiel zwischen den Grizzlys Wolfsburg und den EHC Red Bull München am 31.10.2019 in Wolfsburg, Deutschland. (Foto von Marco Leipold/City-Press GmbH)
Verspricht Fan-Event, egal, wie die Finalserie ausgeht: Grizzlys Manager Charly Fliegauf. © Grizzlys Wolfsburg/City-Press GmbH
Anzeige

Die Helden waren matt, einige Fans empfingen die Eishockey-Profis der Grizzlys Wolfsburg nach dem Triumph im ersten Play-Off-Finale in Berlin am Sonntag mit einem Hupkonzert auf der Autobahn, Manager Charly Fliegauf singt ein Loblied und macht ein Versprechen.

Anzeige

Der eine oder andere Profi der Grizzlys Wolfsburg schreckte am Sonntag gegen 21.30 Uhr aus dem Schlaf im Mannschaftsbus hoch. Unüberhörbares Hupen hatte sie auf der Autobahn kurz vor Wolfsburg geweckt. "Erst habe ich mich gewundert, dann war mir klar, die meinen uns", so Charly Fliegauf, Manager des Eishockey-Erstligisten. Es waren einige Anhänger, die den aus Berlin zurückkommenden Bus abgefangen und ein Stück begleitet hatten, um mit den Signalen ihrer Freude über den tollen Finalauftakt (3:2-Sieg) bei den Eisbären kundzutun.

Anzeige

Die Helden waren verdammt erschöpft gewesen. Fliegauf: "Nach den vorherigen Auswärtssiegen war es immer recht laut gewesen in der Kabine, aber diesmal war die Mannschaft fast zu müde." Dafür hat sie nun mal einen Tag länger Pause als es zuletzt der Fall war. Am Montag war frei, ab Dienstag bereitet sich das Team auf Spiel zwei (Mittwoch, 19.30 Uhr) in eigener Halle vor. Ein Erfolg aus maximal noch zwei Partien fehlt den Grizzlys - um doppelt Geschichte zu schreiben. Denn es wird der 100. deutsche Eishockey-Meister gesucht. Und: Wolfsburg darf mal wieder von seinem ersten Titel träumen. Dreimal hatte das Team bereits im Finale gestanden. Zweimal gegen München und erstmals 2011 - damals hieß der Gegner auch Berlin. Das erste Spiel der jeweiligen Serien konnten die Grizzlys dabei damals nie gewinnen, in der Hauptstadt gelang das jetzt am Sonntag, zudem war es der erste Play-Off-Erfolg in Berlin im nun vierten Duell.

Bedingungen schwierig wie nie, Fliegauf lobt gesamte Organisation

Die Bedingungen waren noch nie so schwierig. Fliegauf: "Was die Mannschaft in den vergangenen Wochen geleistet hat, ist unglaublich. Allein die ganzen langen Bus-Touren mit Maske." Die Gegner hatten in den Play-Offs je eine Tour weniger. Fliegauf: "Auch was unsere Betreuer leisten ist enorm, so kümmern sich etwa Peter Kruse und Tom Wörlen alle zwei, drei Tage um die Testungen."

Am vergangenen Freitag war Planungs-Achterbahn. Mit dem Finaleinzug in Mannheim mussten Proben in die Heimat, der Manager selbst und der Pressesprecher traten in der Nacht die Tour an, zuvor mussten noch Unterkunft und Reiseplan fürs Team gestrickt werden. Fliegauf: "Wir wussten ja nicht nur nicht, ob wir es schaffen. Es war ja auch erst mit Ende des anderen Spiels klar, ob wir in Berlin oder Ingolstadt starten."

Stress, Anstrengungen, Emotionen - "extrem war es für alle, aber das gehört dazu", so Fliegauf. Und: "Wenn die Spiele laufen, ist das alles vergessen, da ist jeder fokussiert, auf das, was in dem Moment zu tun ist."

Das klappt bei den Grizzlys perfekt. Deshalb sind sie als großer Außenseiter (nur Dritter der ursprünglich von vielen Experten als schwächer eingeschätzten Nordgruppe) nun nur noch einen Sieg vom Titel entfernt. Der Manager weiß zwar auch, dass noch nichts entschieden ist, doch er sieht eine gefestigte Mannschaft, in der "jeder immer sicherer wird, sich was traut. Der Glaube ist da, wir werden bereit sein." Und er fügt hinzu, was auch wie ein Herzenswunsch klingt: "Mit einem Titel die Karriere zu beenden, das wäre doch ein Traum für unseren Jeff Likens."

Den Titel kann der Manager nicht versprechen, aber er verspricht den Fans: "Egal, wie die Serie ausgeht, es wird coronakonform ein Event mit ihnen geben." Womöglich auch wieder mit Hupkonzert.

Mehr zu den Grizzlys Wolfsburg

Die Lage in Berlin

Berlin ist jetzt unter Druck. Nach der nervenaufreibenden 2:3-Niederlage gegen die Grizzlys Wolfsburg gewährte Eisbären-Chefcoach Serge Aubin seinen Berlinern am Montag einen freien Tag. Aubin haderte nach der Partie mit den vergebenen Chancen zur Führung der Serie. "Wir hatten in der Overtime zwei erstklassige Chancen, um das Spiel zu beenden, aber wir konnten sie nicht nutzen." In der 18. Minute der Verlängerung hatte das auf dem Eis stehende Quintett um Kapitän Frank Hördler zu lange keine Gelegenheit zum Wechseln bekommen, Grizzlys-Verteidiger Julian Melchiori umkurvte die Berliner Defensive und traf zum Sieg für die Wolfsburger. "Wir haben den Puck nicht wegbekommen und die Jungs waren ein wenig müde", fasste Aubin die spielentscheidende Szene zusammen.

Torschütze Marcel Noebels bemängelte, dass die beste Mannschaft der Hauptrunde bis zum Schluss-Drittel nicht an ihre gewohnte Form anknüpfen konnten. „In den ersten vierzig Minuten haben wir nicht unser Eishockey gespielt.“ Noebels war - wie im Vorjahr - zum Spieler der Saison gewählt worden. An der Wahl beteiligten sich Trainer, Manager und Kapitäne der 14 DEL-Klubs sowie Experten und sie bewertet nur die Hauptrunde.

Eisbären-Verteidiger Kai Wissmann und die Berliner kennen die Situation, in den Play-Offs mit dem Rücken zur Wand zu stehen. "Wir lagen schon zwei Mal in den Serien 0:1 hinten, und es ist noch nichts verloren. Wir glauben weiter fest daran, dass wir jetzt die nächsten beiden Spiele gewinnen." Die passenden Mittel für den Ausgleich der Finalserie sind die üblichen Ansagen: „Am Mittwoch müssen wir hart arbeiten, die Zweikämpfe annehmen und diese auch gewinnen. Wir müssen die Pucks zum Tor bringen und dem Torhüter die Sicht nehmen.“