19. April 2021 / 22:36 Uhr

"Ekelhaft, unfair": DFL, DFB, Spieler, Bundesliga-Vereine und Klubchefs kritisieren Super League scharf

"Ekelhaft, unfair": DFL, DFB, Spieler, Bundesliga-Vereine und Klubchefs kritisieren Super League scharf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Pläne einer Super League stoßen in der Fußballwelt auf viel Gegenwind.
Die Pläne einer Super League stoßen in der Fußballwelt auf viel Gegenwind. © IMAGO/motivio/PA Images (Montage)
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Mit teilweise scharfen Worten und emotionalen Stellungnahmen haben sich der DFB, die DFL, Spieler, Bundesliga-Klubs und Funktionäre gegen die Gründung einer europäischen Super League positioniert. Der SPORTBUZZER fasst die wichtigsten Aussagen zusammen.

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Die von zwölf europäischen Topklubs aus England, Spanien und Italien ins Leben gerufene Super League hat emotionale Reaktionen von Spielern, Trainern und Klubfunktionären aus nicht daran beteiligten Vereinen hervorgerufen. Der SPORTBUZZER bündelt die wichtigsten Aussagen.

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DFL und DFB

„Mit großer Erschütterung“ haben die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund auf die Gründung der Super League reagiert. „Wir stehen in Solidarität zur UEFA und Präsident Aleksander Ceferin. Gleichzeitig unterstützen wir sämtliche angekündigten Gegenmaßnahmen von FIFA und UEFA, aber auch der betroffenen nationalen Ligen und Verbände“, teilten DFL und DFB in einer gemeinsamen Erklärung am Montag mit und ergänzten: „Dass hiervon auch die Berufung deutscher, bei Super-League-Klubs unter Vertrag stehender Nationalspieler betroffen sein kann, ist uns bewusst.“

Man dürfe nicht zulassen, so die DFL als Dachorganisation der 36 deutschen Profiklubs und der DFB, dass die finanziellen Interessen einiger weniger Topvereine aus England, Italien und Spanien die Abschaffung bewährter Strukturen bewirken. „Es geht um die Zukunft des Volkssports Fußball – und um eine Weichenstellung, wie wir sie noch nicht erlebt haben“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

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Lukas Podolski und Mesut Özil (deutsche Ex-Nationalspieler)

Mit deutlichen Worten haben die früheren Nationalspieler Lukas Podolski und Mesut Özil die Pläne scharf kritisiert. „Dieses Projekt ist ekelhaft, unfair, und ich bin enttäuscht, dass Klubs dabei sind, die ich repräsentiert habe“, schrieb „Poldi“ am Montag im Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Stürmer, der derzeit bei Antalyaspor in der Türkei unter Vertrag steht, spielte für den FC Arsenal und Inter Mailand. Beide Klubs gehören zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Super League. Die Initiative sei eine „Beleidigung für das, woran ich glaube: Fußball ist Glück, Freiheit, Leidenschaft, Fans und für Jedermann“, schrieb der 35-Jährige.

Özil befürchtet eine Verwässerung beim Wert von wichtigen Fußballspielen. „Kinder wachsen mit dem Traum auf, die Weltmeisterschaft und die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League. Die Freude an großen Spielen besteht darin, dass sie nur ein- oder zweimal im Jahr stattfinden, nicht jede Woche“, schrieb der 32-Jährige, der Anfang des Jahres vom FC Arsenal zu Fenerbahce Istanbul gewechselt war.

Robin Gosens (deutscher Nationalspieler)

Der aktuelle DFB-Profi Robin Gosens sprach sich ebenfalls deutlich gegen die Liga aus. "Dass sich ein kleiner Underdog durchsetzt, das war immer die Basis des Fußballs. Wenn es jetzt eine Super League gibt, in der sich Arsenal oder Tottenham ohne sportliche Leistung für immer qualifizieren, dann wird dem Fußball das Fundament genommen", sagte der Spieler von Atalanta Bergamo. "Jedem muss bewusst sein, dass sich der Fußball dann für immer verändern wird und nie wieder so sein wird, wie er aktuell ist."

Der 26-Jährige empfindet die Pläne als Schlag ins Gesicht. "Es sterben weltweit noch immer Menschen, es fehlt vorne und hinten am Geld. Diese zwölf Vereine gründen eine eigene Liga und kriegen dafür 100 oder 150 Millionen in den Popo gedrückt. Das muss man auch mal ethisch hinterfragen", schimpfte er.

Ander Herrera (Paris Saint-Germain)

Der bei Frankreichs Serienmeister Paris Saint-Germain unter Vertrag stehende Spanier Ander Herrera hat sich ebenfalls gegen die Super League ausgesprochen. Bei Twitter veröffentlichte Herrera eine emotionale Stellungnahme, in der es unter anderem heißt: "Ich verliebte mich in den Fußball, den Fußball der Fans, den Traum, mein Team gegen die Besten antreten zu sehen. Wenn diese europäische Super League sich durchsetzt, sind diese Träume vorbei. Die Illusionen der Fans jener Teams, die keine Riesen sind, auf dem Feld in den größten Wettbewerben in der Lage zu sein, zu gewinnen, wird enden." Er glaube zwar an eine verbesserte Champions League, womit Herrera offenbar seine Zustimmung zu der von der UEFA beschlossenen Reform ausdrückte. "Aber ich glaube nicht an die Reichen, die stehlen, was die Menschen erschaffen haben, was nichts anderes als der schönste Sport der Welt ist."

Thomas Tuchel (Trainer FC Chelsea)

Thomas Tuchel will sich als Trainer des FC Chelsea vorerst nicht persönlich zur umstrittenen Super League äußern, deren Bestandteil sein Verein ist. „Ich vertraue meinem Klub, die richtige Entscheidung zu treffen“, sagte Tuchel am Montag auf einer Online-Pressekonferenz. Er sei ein Angestellter des Vereins. „Meine Aufgabe ist eindeutig.“ Jeder habe eine Rolle, die er einnimmt. „Meine Rolle ist die des Trainers und die, fokussiert zu bleiben.“

Er habe erst am Sonntag von den Plänen seines Klubs erfahren, sagte Tuchel. Er verstehe, dass es viele und emotionale Reaktionen gebe, es sei aber noch zu früh für eine Wertung. „Ich bin hierhergekommen, um mich im schwierigsten Wettbewerb zu messen.“ Die Super League sei eine Sache zwischen den Vereinen, sagte der Ex-Coach von Mainz 05, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain. Er wolle dafür sorgen, dass Chelsea diese Saison seine Ziele erreicht.

Rudi Völler (Geschäftsführer Sport Bayer Leverkusen)

Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler hat die Pläne mit deutlichen Worten kritisiert. „Eine geschlossene Gesellschaft ist ein Verbrechen am Fußball“, sagte der Weltmeister von 1990 der Bild und Sport Bild und kritisierte vor allem den von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool: „Für einen Klub, bei dem die Fans 'You’ll never walk alone' singen, ist das beschämend.“

Das Verhalten der deutschen Vereine in diesem Konflikt sei dagegen vorbildlich. „Dass Bayern München und Borussia Dortmund da nicht mitmachen, zeigt, dass sie Rückgrat haben“, sagte Völler und forderte für die zwölf Vereine aus England, Spanien und Italien, die sich den Plänen bisher anschließen: „Wer ins dieser Liga mitspielen will, muss aus allen nationalen Ligen aussortiert werden. Mit allen Mannschaften. Die Jugend, die Frauen – alle müssen dann raus!“

SC Freiburg und VfB Stuttgart

Die Bundesligisten VfB Stuttgart und SC Freiburg sehen die Pläne einiger Topklubs zur Gründung der Super League äußerst kritisch. „Die Einführung einer sogenannten Super League ist die egoistische Idee von ein paar wenigen, dem Sport völlig entrückten Klubs“, teilte Freiburgs Vorstand am Montag mit. Auch der VfB kritisierte das Vorhaben. „Wer glaubt, bei der Suche nach weltweiten Wachstumsmöglichkeiten auf die Akzeptanz der europäischen Fußballfans verzichten zu können, begibt sich auf einen Irrweg“, hieß es in einer Mitteilung.