24. April 2021 / 11:35 Uhr

Nach dem Super-League-Debakel: die Folgen für Liverpool, Chelsea, Manchester City und Co.

Nach dem Super-League-Debakel: die Folgen für Liverpool, Chelsea, Manchester City und Co.

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Das Super-League-Chaos könnte auch Auswirkungen auf die inzwischen ausgestiegenen englischen Klubs um Arsenal und Co. haben.
Das Super-League-Chaos könnte auch Auswirkungen auf die inzwischen ausgestiegenen englischen Klubs um Arsenal und Co. haben. © IMAGO/PA Images
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Mit dem Beitritt zur Super League und dem nur wenige Tage später erfolgten Rückzug haben der FC Liverpool, der FC Chelsea, Manchester City und weitere englische Top-Klubs für ein Beben auf der Insel gesorgt. SPORTBUZZER-Autor Hendrik Buchheister beleuchtet den Kampf um Englands Fußball.

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Um eine Beziehung zu retten, die nicht mehr zu retten zu sein scheint, tat John W. Henry etwas Ungewöhnliches: Er wandte sich persönlich an sein Publikum. Der Chef der Fenway Sports Group mit Sitz in Boston und Eigentümer des FC Liverpool bat die Fans des englischen Meisters per Videobotschaft um Entschuldigung für die "Zerrüttungen", die er verursacht habe mit dem Versuch, den Verein in die Super League zu führen. Damit dürfte es ihm nicht gelingen, das Umfeld zu beschwichtigen. Liverpool-Fans kritisieren das Statement als halbherzigen Versuch, einen irreparablen Schaden zu beheben. Prominente Stimmen wie Ex-Profi Jamie Carragher glauben, dass die Gruppe nach dem Super-League-Debakel keine Zukunft bei Liverpool habe.

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Die Verwerfungen zwischen Besitzern und Basis sind groß, auch bei den anderen fünf englischen Klubs, die an dem Elitewettbewerb teilnehmen wollten. Manchester Uniteds Eigentümer Joel Glazer richtete ebenfalls persönlich Worte an die Anhänger, kann aber keine Gegenliebe erwarten. Seit der Übernahme des Vereins vor 16 Jahren ist die in Florida beheimatete Glazer-Familie bei vielen United-Fans verhasst. Dass Vizepräsident Ed Woodward im Zuge der jüngsten Entwicklungen seinen Rücktritt angekündigt hat, ist aus Sicht des Publikums nur der Beginn dringend nötiger Aufräumarbeiten beim Rekordmeister.

Auch beim FC Arsenal vertieften sich die Gräben zwischen dem US-amerikanischen Besitzer Stan Kroenke und den Fans. Am Mittwoch hatten Tottenham-Anhänger gegen Klubbesitzer Joe Lewis demonstriert. Selbst beim FC Chelsea und bei Manchester City, wo die Eigentümer Roman Abramowitsch und Scheich Mansour aus Mittelklasseklubs internationale Spitzenvereine gemacht haben, regt sich Unmut. Die sogenannten Big Six des englischen Fußballs brachten mit ihrer erzwungenen Abkehr von der Super League das ganze Projekt zum Einsturz – doch der Zorn, den sie mit ihrem Plan verursacht haben, der wird bleiben.

Die Premier League, 1992 selbst als Abspaltung der Eliteklubs von der klassischen „football pyramid“ entstanden, hat Investoren und Oligarchen aus dem Ausland stets mit offenen Armen empfangen, nach der Farce um die Super League wachsen allerdings plötzlich Zweifel am Turbokapitalismus auf der Insel. Britische Medien verurteilen das Machtstreben und die Gier der großen Vereine, die Regierung um Boris Johnson inszeniert sich als Bewahrer des Sports. Sie hat umfassende Reformen für den englischen Profifußball in Aussicht gestellt, sogar die Einführung der 50+1-Regel nach deutschem Vorbild wird diskutiert.

Ob (und, wenn ja: wie) die großen sechs für ihren Alleingang bestraft werden, ist übrigens noch unklar. Die 14 übrigen Premier-League-Klubs sind vereint in ihrem Zorn, doch ihnen ist auch bewusst, dass sie auf die Topvereine angewiesen sind. "Sie sind die Fahnenträger unserer Liga", sagt Crystal-Palace-Vorstand Parish. Diese Fahnenträger sollten nicht zu sehr verärgert werden, schließlich muss als sicher gelten, dass die Idee der Super League mittelfristig wieder diskutiert wird. Oder, wie es Southamptons Ex-Bundesliga-Trainer Ralph Hasenhüttl formuliert: "Wir sind froh, dass die erste Schlacht gewonnen wurde, aber es ist noch nicht vorbei." Es – das ist der Kampf um den englischen Fußball.