30. September 2021 / 16:11 Uhr

"Kühe, Schweine, Dorfvereine": Wie ein Hamburger Landesligist zu diesem Motto kommt

"Kühe, Schweine, Dorfvereine": Wie ein Hamburger Landesligist zu diesem Motto kommt

Timm Ottenberg
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dorfklub und stolz darauf: Der SV Altengamme geht offensiv mit seinem Image um. Marcel Mohr (von links), Jonas Buck und Abteilungsleiter Philipp Mohr posieren vor der Tribüne.
Dorfklub und stolz darauf: Der SV Altengamme geht offensiv mit seinem Image um. Marcel Mohr (von links), Jonas Buck und Abteilungsleiter Philipp Mohr posieren vor der Tribüne. © imago images/Hanno Bode
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Der SV Altengamme aus Hamburg macht mit seinem selbstironischen Motto auf sich aufmerksam. Der Verein sieht sich auch als Gegenentwurf zu Entwicklungen im Hamburger Amateurfußball. 

Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen auf gabfaf.de.

Gehälter und Prämien für Siege oder Tore: Auch im Amateurfußball gewinnen finanzstärkere Vereine immer mehr die Oberhand. Ein Verein, der sich gegen diese Entwicklung stellt, ist der kleine Dorfverein SV Altengamme aus der Hamburger Landesliga. "Wir sehen uns selbst als das 'gallische Dorf' des Hamburger Amateurfußballs", sagt Philipp Mohr, Abteilungsleiter für Herrenfußball im Verein.

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Bei dem kleinen Verein aus dem Vier-Marsch-Landen im Osten Hamburgs gibt es keine Prämien oder Gehälter. "Wir versuchen den finanzstarken Vereinen mit Zusammenhalt, Gemeinschaft und Freundschaft entgegen zu halten", sagt Mohr. Einen anderen Weg geht der Verein auch bei seinem Vereinsmotto. Statt eines starken oder einschüchternden Spruches lautet das Vereinsmotto in Altengamme selbstironisch: Kühe, Schweine, Dorfvereine.

Mohr: "Sich selbst nicht zu ernst nehmen"

Mit dem Motto nimmt der Verein zum einem die abwertenden Bemerkungen von Gegenspielern auf. "Von diesen werden wir in hitzigen Situationen oft als 'Bauern' bezeichnet", sagt Mohr. Die Bemerkungen hätten mit dem zweiten Grund für das Motto zu tun: Der Platz des Vereins liegt inmitten von bewirtschafteten Feldern. "Man darf sich nicht immer zu ernst nehmen, deswegen haben wir uns für dieses Motto entschieden", sagt Mohr.

Das der Verein sehr stolz auf sein Motto ist, zeigt sich auch auf der Bande des Hauptplatzes. Wo man bei vielen Vereinen an der Mittellinie den Stadionnamen findet, hat der Verein eine Bande angebracht, welche ebenfalls mit dem Schriftzug "Kühe, Schweine, Dorfvereine" versehen ist. Auch vor und nach den Spielen nutzt der Verein sein außergewöhnliches Motto als Schlachtruf. Man wolle sich damit von den gewöhnlichen Schlachtrufen anderer Vereine abgrenzen, sagt Mohr.

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Zustimmung intern als auch extern

Die Reaktionen auf das Motto seien laut Mohr durchweg positiv. Intern komme der Spruch sehr gut an: "Viele Mitglieder finden den Spruch sehr cool. Ablehnung erfahren wir intern nicht für das Motto", erzählt Mohr. Auch die Gegner würden das Motto des Vereins gut aufnehmen. "Viele wundern sich im ersten Moment, aber am Ende müssen die meisten dann doch schmunzeln." Negative Stimmen habe der Verein auch von außen noch nicht über sein Motto gehört. Auch die Landwirte der umliegenden Betriebe würden das Motto begrüßen und sich nicht angegriffen fühlen.

Das Team des SV Altengamme posiert mit Strohballen, (Plastik-)Kühen und landwirtschaftlichem Gerät.
Das Team des SV Altengamme posiert mit Strohballen, (Plastik-)Kühen und landwirtschaftlichem Gerät. © imago images/Hanno Bode

Oberes Tabellendrittel als Saisonziel

Auch in Altengamme ist die Amateurfußball-Saison mittlerweile gestartet. Der Verein ist gut in die Saison gekommen. Nach vier Spielen steht der SV mit sieben Punkten auf dem vierten Tabellenplatz. Eine klare Aussage über die sportlichen Ziele fällt Mohr dennoch schwer. "Auf Grund von Corona war es in den letzten Jahren auch für uns nicht ganz einfach." Die Finanzstärke anderer Vereine in der Liga sei ein Stein im Weg, auch wenn sich der Verein in den letzten Jahren sehr vernünftig entwickelt habe. Deshalb seien zumindest zwei Ziele formulierbar: "Wir wollen in das obere Tabellendrittel und uns immer weiter entwickeln - sowohl als Mannschaft, als auch als einzelne Spieler."