19. August 2018 / 14:37 Uhr

SV Atlas Delmenhorst: Marco Prießner überragt beim 3:1-Erfolg über VfV Hildesheim

SV Atlas Delmenhorst: Marco Prießner überragt beim 3:1-Erfolg über VfV Hildesheim

Michael Kerzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marco Prießner zeichnete sich als Vorbereiter aus und zeigte immer wieder starke Läufe in die Tiefe.
Marco Prießner zeichnete sich als Vorbereiter aus und zeigte immer wieder starke Läufe in die Tiefe. © INGO MOELLERS
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Zwei Tore vorbereitet, einen Elfmeter herausgeholt - "Das war Marcos bestes Spiel für uns"

Nach 80 Minuten war der Akku von Marco Prießner leer. Der Mittelstürmer des SV Atlas konnte gerade noch stehen. Kein Wunder: Unzählige Male war er in die Tiefe gesprintet in der Oberliga-Partie gegen den VfV 06 Hildesheim. Alle drei Treffer beim 3:1 (1:1)-Sieg gegen den Regionalliga-Absteiger resultierten aus solchen Aktionen. Zwar schoss Prießner keinen Treffer selbst, bereitete zwei Tore jedoch mustergültig vor und holte einen Elfmeter heraus. Zudem beschäftigte er die Verteidigung der Hildesheimer nahezu durchgehend. Und diese hatte sowohl im Pokal gegen den MTV Gifhorn als auch am ersten Spieltag gegen den Heeslinger SC zu Null gespielt. Teammanager Bastian Fuhrken brachte es auf den Punkt: "Das war Marcos bestes Spiel für uns."

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Freilich gewann der flinke Stürmer die Partie nicht im Alleingang. Aus einer insgesamt starken Atlas-Mannschaft ragten zwei weitere Akteure heraus: Marlo Siech gewann in der Innenverteidigung nahezu jeden Zweikampf, spielte zudem kluge Aufbaupässe und brachte auch seine Kopfballabwehren häufig zum eigenen Mann. In der Zentrale dominierte Tom Schmidt das Geschehen. Bei gegnerischem Ballbesitz lief er mit Prießner die Gäste-Abwehr an, mit Ball kreierte er häufig Umschaltmomente – er war schlichtweg überall zu finden. Zudem erzielte er selbst einen Treffer und leitete einen weiteren ein. "Er hat während der Partie erst auf der Zehn, dann auf Außen und am Ende auf der Acht gespielt. Wir wollen ja variable Spieler. Er hat das sehr gut gemacht", lobte Jürgen Hahn. Der Atlas-Trainer zeigte sich ohnehin sehr zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannen, in der zweiten Hälfte noch mehr als in der ersten.

Schon nach wenigen Minuten offenbarte sich die Taktik der Blau-Gelben, als Prießner nach einem Steilpass von Patrick Degen alleine vor VfV-Schlussmann Nils Zumbeel auftauchte, den Ball jedoch an Torwart und Kasten vorbeischob (5.). "Wir wussten, dass Hildesheim extrem hoch steht und wollten daher mit langen Bällen auf Prießner agieren. In der ersten Hälfte waren es noch zu wenige Diagonalbälle, die wollten wir häufiger einsetzen", erklärte Hahn. Das 1:0 (16.) resultierte dann aus einer Einzelaktion Prießners. Er nahm einen PAss von Jannik Vollmer an der Außenlinie an und ließ zwei Gegenspieler aussteigen. Im Strafraum fiel er nach Kontakt mit Niklas Rauch, der souveräne Schiedsrichter Marco Scharf zeigte auf den Punkt – eine vertretbare Entscheidung. Leon Lingerski verwandelte sicher unten links. Die Freude über die Führung währte allerdings nur kurz, da Hildesheim quasi im Gegenzug einen Freistoß links des Strafraums zugesprochen bekam.

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Hier zeigte der ehemalige Profi Sofien Chahed seine herausragendeTechnik. Knallhart mit Zug zum Tor schlug er den Ball auf den Kopf von Rauch, der diesen ins lange Ecke unter die Latte zum 1:1 verlängerte. "Da hat man richtig Qualität gesehen", erkannte Hahn an. In Chahed hatte der Atlas-Coach jedoch auch eine Schwachstelle des Gegners ausgemacht. Chahed ist ein starker Ballverteiler, was er in der ersten Hälfte auch durchaus zeigte, auch wenn gerade Thomas Mutlu häufig ein Auge auf den Sechser der Hildesheimer hatte. Lauf- und defensivstark präsentierte er sich jedoch nicht. Die Delmenhorster hingegen scheuten keinen Meter. Hierin sah Gäste-Trainer Thomas Siegel den Grund für das Ergebnis. "Es war ein völlig verdienter Sieg. Wir haben alles vermissen lassen, was man braucht, um hier Punkte zu holen. Wir haben keine Laufbereitschaft und keinen Einsatzwillen gezeigt. Atlas war wesentlich leidenschaftlicher. In der ersten Halbzeit hat man aber auch gesehen, dass wir es spielerisch gut können", fasste der Coach zusammen. Sein Team sei jedoch noch jung und habe mit der Regionalligamannschaft der vergangenen Saison nicht viel zu tun. "Wir haben zehn Neuzugänge, das muss sich erst mal finden", sagte er.

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Atlas dominiert zweiten Durchgang

Nach dem Ausgleich verflachte die Begegnung bis zur Pause etwas.Hildesheim hatte mehr Ballbesitz, strahlte aus dem Spiel heraus jedoch keine Torgefahr aus. Lediglich nach einer Chahed-Ecke wurde es brenzlig für die Delmestädter, doch Jane Zlatkov köpfte daneben (40.). Leistungsgerecht ging es mit 1:1 in die Kabinen. Hier fand Hahn die richtigen Worte. "In der ersten Halbzeit waren wir noch etwas schwerfällig, aber der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir früher draufgehen und pressen sollen", berichtete Lingerski, der nach
einigen ungenauen Pässen in der Anfangsphase nach und nach besser ins Spiel fand. "Wir haben dann einen Zahn zugelegt, waren aggressiver und haben uns in die Zweikämpfe reingebissen und die wichtigen gewonnen", sagte der Neuzugang. Ebenfalls etwas wackelig in die Partie startete Jannik Vollmer, der den verletzten Karlis Plendiskis ersetzte. Auch er steigerte sich quasi von Minute zu Minute und gewann immer mehr Sicherheit. "Marlo war richtig stark, aber auch Jannik hat es sehr gut gemacht. Mit der Innenverteidigung bin ich sehr zufrieden", sagte Hahn. Beleg für die gute Abwehrarbeit ist, dass Hildesheim aus dem Spiel heraus nur zweimal gefährlich vor das Tor kam und dabei nur einen gefährlichen Abschluss generierte. Hier behielt Florian Urbainski im Eins-gegen-eins die Oberhand gegen Adem Avci (78.).

Zu diesem Zeitpunkt führten die Delmenhorster bereits mit zwei Toren. Atlas kam mit viel Elan aus der Kabine, eroberte häufig das Spielgerät und schickte immer wieder Prießner steil. So auch in der 51. Minute: Ein langer Ball von Linksverteidiger Dennis Mooy rutsche über den Fuß von Wlad Maslyakov, sodass Prießner auf der linken Seite durchbrach. Er zog in der Mitte an zwei Hildesheimern vorbei. Anstatt aber aus zentraler Position zu schießen, legte er klug auf den mitgelaufenen Schmidt nach rechts ab, sodass dieser das Leder zur Führung ins Tor schieben konnte (51.). 20 Minuten vor Spielschluss war es dann Schmidt, der Prießner auf die Reise schickte. Dieser sprintete mit Ball an Torwart Zumbeel vorbei. Bis er einige Meter neben dem Tor die Grundlinie erreichte. Die Chance schien vertan, doch Prießner drehte sich geschickt und passte zurück auf den eingewechselten Marvin Osei, der das Leder zum 3:1 in die Maschen jagte. Damit feierte ein dritter Neuzugang seinen Premierentreffer im blau-gelben Trikot.

Hildesheim drückte die Hausherren in der Folge in deren eigene Hälfte, teilweise standen neun Delmenhorster im und um den eigenen Strafraum. Doch wirklich gefährlich wurde es kaum. In der 88. Minute zeigte Urbainski noch eine schöne Parade nach einem Avci-Schuss. Das war es dann aber auch. Atlas holte im ersten Heimspiel der Saison so viele Punkte wie Marco Prießner Scorerpunkte sammelte: drei.

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