23. Juli 2020 / 17:51 Uhr

SV Babelsberg 03 und Ex-Trainer Marco Vorbeck einigen sich auf Vergleich

SV Babelsberg 03 und Ex-Trainer Marco Vorbeck einigen sich auf Vergleich

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Marco Vorbeck (Trainer Babelsberg), ESV LOK Seddin - SV Babelsberg 03, Testspiel,  Saison 19/20, Potsdam, 28.06.2019, Foto: Benjamin Feller
Ex-Trainer Marco Vorbeck und Babelsberg 03 einigen sich auf einen Vergleich. © Benjamin Feller
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Regionalliga Nordost: Der Fußball-Regionalligist und sein ehemaliger Coach einigen sich bei der arbeitsgerichtlichen Kammerverhandlung auf einen Vergleich. Vorbeck war im November fristlos gekündigt worden, nachdem ihm frauenfeindliches Verhalten vorgeworfen wurde. 

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Das Kapitel Marco Vorbeck ist beim SV Babelsberg 03 endgültig geschlossen: Beide Parteien einigten sich bei einer arbeitsgerichtlichen Kammerverhandlung am Donnerstag auf einen Vergleich. Demnach endete das Vertragsverhältnis zum 30. Juni 2020, der ursprüngliche Vertrag lief ein Jahr länger. Beide einigten sich darauf, künftig über den Fall Verschwiegenheit zu wahren. Vorbeck war im November 2019 beim Fußball-Regionalligisten entlassen worden, der Ex-Profi hatte dagegen geklagt.

Dass es zu einem Vergleich kommen würde, war zu Beginn der rund dreistündigen Verhandlung am Potsdamer Arbeitsgericht allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Obwohl Richter Lutz Weide das Arbeitsgericht als "Vergleichsweltmeister" bezeichnete, konnten sich die beiden Parteien im Vorhinein auf einen solchen Vergleich noch nicht einigen. Man liege "ellenweit auseinander", sagte der SVB-Vorstandsvorsitzende Archibald Horlitz noch zu Beginn der Verhandlung. Zwei Schlichtungstermine im Vorfeld führten nicht zu einer Einigung. Zumal Vorbeck durch die Vorwürfe, die nach dem zweiten Schlichtungsverfahren im Januar öffentlich wurden, ein großer Schaden entstanden sei, so habe es unter anderem Absagen von vorliegenden Angeboten gegeben, sagte Gunnar Kempf. "Da bleibt was hängen, da bleibt ordentlich was hängen", meinte Vorbecks Anwalt.

In Bildern: Von Hermann Andreev bis Predrag Uzelac: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003.

Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. Zur Galerie
Von Hermann Andreev bis Marco Vorbeck: Die Trainer des SV Babelsberg 03 seit 2003. © Jan Kuppert

Horlitz hatte in der ersten Verhandlung berichtet, dass Vorbeck seinen Spielern "anzügliche" Fotos gezeigt und außerdem sexuelle Bemerkungen über ein weibliches Gremiumsmitglied des Vereins gemacht haben soll. Daraufhin habe sich der Mannschaftsrat an Horlitz gewandt, woraufhin der Verein im vergangenen November die fristlose Kündigung ausgesprochen hatte. Vorbeck hatte die Vorwürfe im Januar auf SPORTBUZZER-Anfrage entschieden zurückgewiesen, genau wie sein Anwalt im Januar vor Gericht.

Am Donnerstag ging es vor allem um die anzügliche Bemerkung über ein Gremiumsmitglied des Vereins. Dazu wurde als Zeuge ein Mitglied aus dem Trainerteam gehört. Ihm gegenüber habe Vorbeck bei einem privaten Gespräch über einen Trainerkollegen, dem Affären vorgeworfen wurden, im Trainerbüro gesagt, er müsse wohl erst das besagte Gremiumsmitglied "flachlegen", um beim SVB rauszufliegen. Der Zeuge sei "erschrocken und entsetzt" gewesen und habe die Äußerung "ein, zwei Tage" später Horlitz erzählt. Der Anwalt Vorbecks bestritt dies, das Wort "flachlegen" gehöre nicht zum Wortschatz seines Mandaten.

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Dabei ging es vor allem um die Frage der Lesart von Vorbecks getätigter Aussage. Der Ex-Trainer erklärte vor Gericht, dass er mit dem Vergleich sagen wollte, dass so ein Verhalten unprofessionell sei und er seine berufliche Karriere wegen so etwas niemals aufs Spiel setzen würde. Aus Sicht des SVB war es dagegen eine frauenfeindliche Aussage, die zur Folge hatte, dass der Verein Vorbeck fristlos kündigte.

Richter Weide bezeichnete es als "schwierige Entscheidung", aber "die Kammer neigt eher dazu, dem Zeugen zu glauben als dem Kläger". Vorbecks Wortwahl sei völlig unpassend sowie "zotig" und "frauenfeindlich" gewesen. Als eine Entscheidung zu Gunsten von Babelsberg abzusehen war, schlug Horlitz schließlich einen Vergleich vor, dem die Gegenseite einwilligte.