21. Oktober 2021 / 15:50 Uhr

SVB-Ikone Almedin Civa kehrt mit Lok Leipzig zurück ins "Karli"

SVB-Ikone Almedin Civa kehrt mit Lok Leipzig zurück ins "Karli"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Almedin Civa war als Spieler, Sportlicher Leiter und Trainer viele Jahre eine prägende Figur am Babelsberger Park.
Almedin Civa war als Spieler, Sportlicher Leiter und Trainer viele Jahre eine prägende Figur am Babelsberger Park. © Frick/Kuppert
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Regionalliga Nordost: Der 49 Jahre alte Bosnier prägte den SV Babelsberg 03 von 1999 bis 2019 als Spieler, Sportlicher Leiter und Trainer wie kein Zweiter. Bei der Rückkehr nach Potsdam will er mit dem 1. FC Lok Leipzig die jüngste Erfolgsserie trotzdem unbedingt fortschreiben.

Der Geist von Almedin Civa schwebt noch immer über dem Karl-Liebknecht-Stadion. Sichtbar wird das schon am Eingangsbereich der Heimspielstätte des Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03. Dort sind an der Seite zwei Tafeln angebracht. „Almedin-Civa-Kampfbahn“ steht auf der einen. „Wir sind eine Einheit – das ist unsere Stärke. Almedin Civa, 1999 – 2019 und für immer!“ auf der anderen. Es sagt alles über das Ansehen, das der 49-Jährige beim Kiezverein genießt. Als er 1999 erstmals als Spieler an den Babelsberger Park kam, war seine Tochter erst ein paar Monate alt, sein Sohn kam wenig später auf die Welt. „Sie sind im ,Karli’ groß geworden und haben dort mehr Zeit auf dem Rasen verbracht als viele Spieler“, zeigt er auf, welche Rolle der Verein in seinem Leben einnimmt.

Am Freitag (19 Uhr) kehrt er erstmals nach seinem Abschied nach der Saison 2018/19 mit einem anderen Club zurück. Daran, dass er als Trainer und Sportlicher Leiter des 1. FC Lok Leipzig den richtigen Weg in die Kabine und auf die Bank der Gäste findet, hat er keine Zweifel. „Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass es eine normale Partie ist.“ Das ist es für Spieler und Funktionäre gegen ehemalige Arbeitgeber selten. „Aber Nulldrei ist mehr als ein Ex-Verein. Viele Leute aus meiner Zeit von damals sind Freunde, sind Familie“, sagt der Bosnier. In den ersten beiden Jahren im Babelsberger Trikot hatte er im Mittelfeld maßgeblichen Anteil daran, dass der historische Durchmarsch in die 2. Bundesliga gelang.

In Bildern: Der 47-Jährige beendete am Ende der Saison 2018/19 seine Tätigkeit als Trainer und Sportlicher Leiter beim Regionalligisten.

Klickt euch durch die Galerie der Karriere von Almedin Civa beim SV Babelsberg 03. Zur Galerie
Klickt euch durch die Galerie der Karriere von Almedin Civa beim SV Babelsberg 03. ©

In zwei Jahrzehnten – mit einer Unterbrechung von viereinhalb Jahren – zunächst weiter als Aktiver, später als sportlicher Leiter (ab 2013) sowie Trainer der ersten Mannschaft (ab 2017) prägte er den Verein wie kein Zweiter. In guten wie in schlechten Zeiten. Er feierte Aufstiege und trauerte nach Abstiegen. „Wir haben viel zusammen erlebt“, weiß das Vorbild an Einsatz und Leidenschaft. Sich selbst hat er nie zu wichtig genommen. Ein Satz, den jeder, der mit Civa zu tun hatte, sicher oft gehört hat: „Niemand ist wichtiger als der Verein, er steht über allem.“ Und diesen Leitspruch hat er Spielern und Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle stets vorgelebt. „Er war der Hauptgrund, warum ich damals zu Nulldrei gekommen bin“, erinnert sich sein ehemaliger Schützling Philip Saalbach. „Er war immer offen und ehrlich, hat keine Luftschlösser gebaut. Er konnte Leute begeistern und wie kein Zweiter vermitteln, was das für ein geiler Verein ist.“

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Zum Ende der Saison 2018/19 entschied er, der eigentlich immer der Erste im Stadion war und als Letzter ging, sich trotzdem zum Abschied vom Babelsberger Park. „Ich bin diesen Schritt bewusst gegangen und bereue ihn nicht“, sagt Civa. Nach einem Jahr Pause heuerte er zur Spielzeit 2020/21 bei Lok Leipzig an. Mit dem Selbstvertrauen von sechs Punktspielsiegen in Serie reisen die Messestädter am Freitagabend als Tabellendritter nach Babelsberg. Mit Mike Eglseder, Farid Abderrahmane, Bogdan Rangelov und Tom Nattermann steht ein Quartett mit SVB-Vergangenheit im Kader. „Die Jungs freuen sich drauf, aber das ist bei uns kein großes Thema. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgabe und wollen als Lok Leipzig erfolgreich sein, das zählt und das können wir trennen“, sagt Civa, der aber auch betont: „Ich bin froh, dass ich fast 50 bin und das mit einer gewissen Erfahrung gut hinbekomme.“

Schweres Erbe nach Civa

Sein Ex-Spieler Pieter-Marvin Wolf, der im Sommer vom SVB zum Rostocker FC in die Oberliga gewechselt war, sagte jüngst, dass nach Civas Abgang bei Nulldrei viel weggebrochen sei. Weder unter Marco Vorbeck noch unter Predrag Uzelac lief es in den kommenden beiden Jahren sportlich und menschlich wie zuvor. In Gesprächen mit Spielern war Civa oft Thema. Gerade sein direkter Nachfolger Vorbeck wurde oft mit ihm verglichen. Nach dessen Entlassung im November 2019 wurden einige Kicker sogar bei Civa vorstellig und baten ihn um seine Rückkehr – ohne Erfolg. Es hätte auch nicht wirklich gepasst zu diesem kommunikativen und mit einem unfassbar großen Fußballwissen ausgestatteten Mann, der seine Prinzipien hat. Er selbst war nach seinem Abschied bislang nur ein einziges Mal als Zuschauer im „Karli“ und hält sich bewusst zurück.

Am Freitag wird er nach dem Spiel mit seiner Lok-Mannschaft die Heimreise antreten und nicht etwa bei der Familie im Potsdamer Stadtteil Groß Glienicke bleiben. „Die räumliche Trennung ist für mich als Familienmensch sicherlich die größte Herausforderung, aber das hat sich inzwischen gut eingespielt“, sagt er. Während die Abläufe in diesem Punkt bereits Routine haben, wird sich Civa trotz aller Erfahrung bei der Anreise in Potsdam-Babelsberg von den Gefühlen selbst ein wenig überraschen lassen müssen, wenn er seinen Geist im Stadion mit Leben füllt.


Vom Trainingsplatz in den Kreißsaal

aterfreuden bei SVB-Co-Trainer Lars Simon: Der 30-Jährige wurde am Mittwochnachmittag zum zweiten Mal Papa und kann sich mit seiner Frau Katrin über die kleine Marie freuen. Während Simon gegen Lok Leipzig wieder neben Chefcoach Jörg Buder auf der Bank Platz nehmen wird, bleibt Mateo Kastrati nach seiner Roten Karte gegen Altglienicke nur die Zuschauerrolle auf der Tribüne. Der NOFV-Spielausschuss hat seine Entscheidung zum Verbot des Abdrucks „Toleranz seit 1685“ auf den Hosen der Babelsberger Regionalliga-Mannschaft derweil revidiert. Der SVB darf damit gegen Lok die Zusammenarbeit mit dem Verein „Neues Potsdamer Toleranzedikt“ und den damit verbundenen Werten offen präsentieren.