06. Dezember 2020 / 17:49 Uhr

Nach Kritik: SVB-Präsident Archibald Horlitz hat Klarstellungsbedarf

Nach Kritik: SVB-Präsident Archibald Horlitz hat Klarstellungsbedarf

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Babelsberg 03-Vorsitzender Archibald Horlitz.
Archibald Horlitz ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender des SV Babelsberg 03. © Jan Kuppert
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Regionalliga Nordost: Am Freitagabend veranstaltete der SV Babelsberg 03 einen virtuellen Mitglieder-Informationsabend, in dem es unter anderem um das Ausbleiben einer ordentlichen Mitgliederversammlung in 2020 ging.

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Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 veranstaltete am Freitag einen fast dreistündigen Mitglieder-Informationsabend, an dem rund 100 Personen teilnahmen und Fragen an den Fanbeirat, Aufsichtsrat und Vorstand stellen konnten.

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Kritik des Fanbeirats: An der Spitze des Vorstands steht bereits seit 2013 Archibald Horlitz. Der 62-Jährige war es auch, der nach der Einleitung von Vorstandsmitglied und Moderator Wolfgang Hadlich als erster das Wort ergriff und zunächst auf einen offenen Brief des Fanbeirats einging, der am Donnerstag unter dem Titel „Was ist die Mitgliedschaft beim SV Babelsberg 03 noch wert?“ veröffentlicht wurde. In diesem kritisierte das Anfang Oktober gewählte Gremium in Horlitz’ Augen in einem „bedenklich und rüden Ton“ die Entscheidung des Kiezvereins, in 2020 keine Mitgliederversammlung abzuhalten. Dem Fanbeirat seien die erschwerten Umstände durch die Corona-Pandemie durchaus bewusst heißt es in dem Schreiben, in welchem aber auch auf die Möglichkeit einer Präsenzveranstaltung in den Sommermonaten unter gebotenen Hygienemaßnahmen oder eine digitale Variante hingewiesen. „Wer diese Bedeutung einer Mitgliederversammlung nicht erkennt, sollte sich fragen, ob er an der Spitze eines Vereins richtig aufgehoben ist“, hieß es in dem Schreiben.

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Horlitz erläuterte, dass eine ordentliche Mitgliederversammlung, die in der Regel immer im zweiten Quartal eines Kalenderjahres stattfindet, für den 9. November in der MBS-Arena geplant und durch den erneuten Lockdown verhindert wurde. Eine Online-Variante, die den nötigen Ansprüchen bei etwaigen Abstimmungen gerecht geworden wäre, hätte die finanziellen Mittel des Vereins – Horlitz sprach von Kosten im sechsstelligen Bereich – bei weitem überstiegen. Notwendige Unterlagen wie die Bilanz für das Geschäftsjahr 2019 hätten dem Verein zudem erst im Oktober zur Verfügung gestanden. Mit Blick auf die Umstände in diesem Corona-Jahr sei es zudem „absolut zulässig“ auf eine physische Mitgliederversammlung zu verzichten. Katharina Dahme, Vorsitzende des Aufsichtsrats, hätte sich ebenfalls eine Online-Veranstaltung gewünscht und hofft, dass dieses zeitnah nachgeholt wird, „sollte weiterhin kein Treffen in Präsenz möglich sein“.

Kritik an Kommunikation: Unter der Woche hatte der Aufsichtsrat eine ausführliche „Halbzeitbilanz“ veröffentlicht. Dabei wurde unter anderem angemerkt, dass während der Coronakrise „erneut die Defizite bei der Kommunikation mit den Mitgliedern und Fans des Vereins offengelegt“ wurden. Dass der Aufsichtsrat zudem bemängelte, dass vor der Saison vom Verein nicht klar genug kommuniziert worden sei, was die sportliche Zielsetzung für die aktuell unterbrochene Spielzeit 2020/21 sei, fand Horlitz „bedauerlich“, sah „Klarstellungsbedarf“ und machte beim vor eineinhalb Jahren auf neun Leuten aufgestockten Aufsichtsrat durchaus „interne Koordinierungsprobleme“ aus. Demnach habe man klar gesagt, dass man nach einer schweren vergangenen Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben, einen Platz im Mittelfeld belegen und eine Mannschaft für die Zukunft entwickeln wolle. Mit dieser soll im Idealfall bereits in der kommenden Spielzeit oben angegriffen werden.


Vier Anträge für eine Satzungsänderung


Finanzen: Vorstandsmitglied Peter Könnicke („Stand heute sehe ich einen Aufstieg in die 3. Liga in den nächsten zwei, drei Jahren nicht als realistisch an“) machte bei seinen Ausführungen zum sportlichen Bereich allerdings deutlich, dass man trotz eines erhöhten Etats für die erste Mannschaft keine unverantwortlichen finanziellen Risiken eingehen, sondern den „Babelsberger Weg“ weitergehen werde. Dieser soll eine gesunde Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern sein. Zudem verriet er, dass die Aufbesserung des Kaders im vergangenen Winter, als das Team mit nur einem Sieg unter dem zu diesem Zeitpunkt bereits entlassenen Trainer Marco Vorbeck tief im Tabellenkeller steckte, nur aufgrund eines „sehr, sehr großzügigen Unterstützers“ möglich gewesen sei.

Schatzmeister Kristian Kreyes präsentierte ein „ausgeglichenes Ergebnis“ für die Saison 2019/20. Dafür hätten nach dem ersten Lockdown aber auch die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, Mehreinnahmen im Sponsoring sowie die große Unterstützung von Fans und Sympathisanten des Verein gesorgt. So konnte man im Sommer trotz aller Unwägbarkeiten einen konkurrenzfähigen Kader auf die Beine stellen, der bei der Brutto-Gesamtkostenauflistung von 1,5 Millionen Euro für 2020/21 mit 800 000 Euro aufgeführt wird. Dazu würden Personalkosten, Prämien, Sozialversicherungsabgaben und Abgaben an die Berufsgenossenschaft (rund 100 000 Euro) zählen.

Satzungsänderung: Für die nächste Mitgliederversammlung liegen bislang vier Anträge für eine Satzungsänderung vor. Dazu zählt unter anderem ein Antrag des Aufsichtsrates, der durchaus brisant ist und von diesem schon in seiner Halbzeitbilanz thematisiert wurde. Der Antrag gehe „auf eine längere Diskussion in unserem Gremium und die Ankündigung des Vorstandsvorsitzenden zurück, im Laufe der aktuellen Legislatur eine personelle Übergabe vollziehen zu wollen“. Nach einer daraufhin gebildeten Arbeitsgruppe und einem erstellten Aufgabenprofil spreche man sich für „eine quotierte Doppelspitze aus zwei Personen“ aus. Für Horlitz keine „erstrebenswerte Lösung“, wie der 62-Jährige zum Abschluss der Veranstaltung klarstellte. Bei einem geeigneten Nachfolger übergebe er den Staffelstab gerne, werde sich in der Situation im Zuge der Corona-Pandemie aber „nicht vom Acker“ machen.