20. April 2020 / 08:59 Uhr

SV Chemie Böhlen: Zborala übernimmt die Schaltzentrale der Fußballer

SV Chemie Böhlen: Zborala übernimmt die Schaltzentrale der Fußballer

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Sören Zborala ist nach einem Jahr im sportlichen Ruhestand zu Chemie Böhlen zurückgekehrt.
Sören Zborala ist nach einem Jahr im sportlichen Ruhestand zu Chemie Böhlen zurückgekehrt. © Andreas Döring
Anzeige

Sören Zborala ist aus dem sportlichen Ruhestand an der Jahnbaude zurückgekehrt. Der ehemalige Assistenz- und Chefcoach der Männer ist neuer Abteilungsleiter Fußball des traditionsreichen Sportvereins.

Anzeige

Böhlen. Der Neue ist gar nicht so neu, eigentlich ist er der alte Neue. Sören Zborala hat vor kurzem das Amt als Abteilungsleiter Fußball und damit nach einem ausgedehnten Sabbat-Jahr eine neue Position beim SV Chemie Böhlen übernommen. Die Eingewöhnung ging schnell und die Einarbeitung schritt rasch voran, schließlich ist ihm das Terrain Stadion an der Jahnbaude bestens vertraut. Reichlich Erfahrungen sammelte der Anfang März 50 Jahre alt (Pardon, jung) gewordene Sportenthusiast bei den Grün-Weißen als Co-Trainer und zuletzt von Januar 2017 bis Juni 2018 als Chef(Interims)-Coach im Männerbereich. Anschließend zog er sich zurück, um mehr Zeit für Familie und Beruf zu haben.

Allerdings hatte der vermeintliche Rückzug aufs Altenteil nur ein begrenztes Haltbarkeitsdatum. Denn lange hielt es der aus Pegau stammende gelernte Chemiefacharbeiter zu Hause nicht aus, weil das runde Leder fehlte. Als vor wenigen Monaten beim Verein aus der Pleißestadt eine Umstrukturierung im Vorstand ins Haus stand, setzte er sich abermals einer der berühmten Hüte auf. Seitdem steht er der Sektion der Kicker vor, zusammen mit den Vorsitzenden der Abteilungen Schach (Siegfried Göbel) und Kegeln (Gabriele Barkowski) bildet er die Schaltzentrale der Chemiker.

Durchklicken: Das war das Kreisoberligaspiel der Böhlener gegen Ostrau im Dezember 2019

Der SV Ostrau feierte einen 11:3-Kantersieg beim SV Chemie Böhlen. Zur Galerie
Der SV Ostrau feierte einen 11:3-Kantersieg beim SV Chemie Böhlen. ©

Das funktionale Herzstück wird ergänzt durch Uwe Labitzke (technischer Leiter), Carsten Trebs (Verantwortlicher für Sponsoring und Finanzen) sowie Mike Lohse (Kassierer). Weitere fleißige Hände wirken im Hintergrund, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. So wird zum Beispiel auf die Öffentlichkeitsarbeit ein stärkeres Augenmerk gelegt, um der Vorstandschaft die Konzentration aufs Kerngeschäft zu ermöglichen und somit den Rücken für das Wesentliche frei zu halten. Die bisherigen Präsidiumsmitglieder Hans-Jürgen Hiller und Manuela Funke haben den Club verlassen, Olaf Arnold beschränkt sich künftig auf sein Engagement als aktiver Kegler.

Ein Chemiefacharbeiter bei Chemie Böhlen

Zborala möchte es jedoch nicht versäumen, den ausgeschiedenen Sportfreunden ein großes Dankeschön für ihren Einsatz auszusprechen: „Sie haben in den letzten vier Jahren unwahrscheinlich viel geleistet, es war wirklich keine einfache Zeit. Gerade weil sich in der Vergangenheit die eine oder andere Abteilung wegen verschiedener Unstimmigkeiten selbstständig gemacht hat und die Verantwortung daher auf weniger Schultern verteilt werden musste.“

Eine günstigere Lastenverteilung dürfte erhöhte Bedeutung erlangen, denn die aktuelle Corona-Krise ist laut Zborala „eine äußerst schwierige Zeit für uns alle“. Er appelliert mit Nachdruck an die Chemie-Mitglieder, ihre der Bringe-Pflicht unterliegenden Beiträge pünktlich und in gewohntem Umfang zu entrichten. Der Verein müsse schließlich seine regelmäßigen Ausgaben ungeachtet der Nichtbenutzung der Sportstätten weiter bestreiten. Für viele Gemeinschaften gehe es jetzt ums nackte Überleben und noch weiß keiner genau, welche Unterstützung es von den Dachverbänden beziehungsweise der Politik geben wird.

Weitere Meldungen vom SV Chemie Böhlen

Zudem ruft der Böhlener Sektionsleiter alle Beteiligten hinsichtlich der verhängten Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote zur Vernunft auf: „Wir können die gegenwärtige Situation nur mit vereinten Kräften bewältigen, um uns hoffentlich bald wieder mit voller Energie dem liebgewonnenen sportlichen Treiben widmen zu können.“ Hinsichtlich des laufenden Fußballjahres gibt sich Zborala frei von Illusionen: „Im Grunde genommen habe ich das Ding bereits abgehakt. Jetzt irgendetwas auf Biegen und Brechen durchzupeitschen, hat aus meiner Sicht keinen Zweck. Man sollte die Saison annullieren, Aufsteiger und Absteiger gibt es dann halt nicht.“

Was dann eben den Nachwuchs betreffen würde. Die diesbezüglich größte Baustelle der Chemiker vor und in der kommenden Spielserie wird der Aufbau einer schlagkräftigen B-Juniorenmannschaft sein. Die einen erheblichen Altersunterschied aufweisende A-Jugend wurde vor einigen Wochen schweren Herzens aus dem Spielbetrieb zurückgezogen, nachdem die volljährigen Akteure schon verstärkt in das Herrenteam integriert worden waren. In allen anderen Altersklassen wolle der SV seine Position festigen, deshalb sei man ständig auf der Suche nach Übungsleitern und Spielern. Gerade die entsprechende Ausbildung der Trainer sei eminent wichtig, weil sie angesichts der Rechtslage bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen eine mächtige Verantwortung trügen.

„Bitte den Beitrag pünktlich bezahlen“

Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass im Amateurbereich anders als bei den Profis alles auf freiwilliger Basis sowie in der Freizeit nach der Arbeit geschehe. Was das Schiedsrichterwesen angeht, brennt Zborala ebenfalls manches auf den Nägeln. Auch die Böhlener haben durch Sanktionen seitens des Verbandes bereits negative Erfahrungen gemacht und achten daher mittlerweile noch penibler auf die Erfüllung des Limits. Denn man habe in Betrachtung vieler älterer Sportfreunde beileibe Verständnis für gewisse Maßnahmen, den Nachschub zielgerichtet zu steuern: „Aber die übergeordneten Organe sind durchaus aufgerufen, bei der Verhängung von Strafen mit Fingerspitzengefühl und Augenmaß vorzugehen. Wir sind hier nicht beim bezahlten Fußball.“

Aber das liebe Geld spiele halt trotzdem nicht nur eine Nebenrolle. So pflegt Chemie zum Beispiel die Rasenflächen in Eigenregie und die dafür benötigten Mittel fallen leider Gottes nicht vom Himmel. Umso wertvoller sei es, den Eigentümer als Verbündeten in der Hinterhand zu wissen: „Die Kommune tut definitiv ihr Machbares für den Erhalt der Vereine. Mit der Stadtverwaltung können wir immer reden, wenn irgendwo der Schuh drückt. Gemeinsam suchen wir dann nach realistischen Lösungen im Interesse der Sache.“

Sören Zborala und seine Mitstreiter vom SV Chemie Böhlen sind sich nicht zu schade, stets und überall anzupacken. Und sie sind voller Optimismus, den Corona-Spuk möglichst ungeschoren zu überstehen. Wohl nie zuvor war für die Menschen gesund bleiben wertvoller als heute. Sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinn.