19. Februar 2020 / 11:58 Uhr

Keine Besserung in Sicht: SV Croatia weiterhin ganz unten in der Fairness-Tabelle

Keine Besserung in Sicht: SV Croatia weiterhin ganz unten in der Fairness-Tabelle

Jannik Meyer
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ziehen gerne mal am Trikot: Der SV Croatia Hannover bleibt auch in der Saison 2019/2020 ganz unten in der Fairness Tabelle.
Ziehen gerne mal am Trikot: Der SV Croatia Hannover bleibt auch in der Saison 2019/2020 ganz unten in der Fairness Tabelle. © Rico Person
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Bezirksligist SV Croatia Hannover bleibt beim VGH-Fairness-Cup weiter ganz unten. Auch in der abgeschlossenen Hinrunde platziert sich die Mannschaft aus Anderten im Fairplay-Ranking unter den zehn unfairsten Mannschaften. Croatia-Trainer Nikola Butigan sieht Probleme im Bewertungssystem.

Schon im vergangenen Sommer berichtete der SPORTBUZZER darüber, dass der SV Croatia in der Saison 2018/2019 das unfairste Team der Bezirksliga Staffel 2 war. Und damit nicht genug: In dem VGH-Fairness-Cup belegten die Kroaten zum Ende der Saison den vorletzten Platz. Damit war die Mannschaft, die damals unter der Leitung von Ex-Coach Kristian Vladic stand, die zweitunfairste Mannschaft in ganz Niedersachsen. In dem Ranking werden alle Teams des Bundeslandes von der Kreisliga bis hin zur Oberliga gewertet.

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Mannschaft bleibt Schlusslicht

„Da werden wir sicherlich dran arbeiten. Wir müssen den Jungs klar machen, dass sie mit unfairem Verhalten nicht nur sich selbst, sondern auch dem Verein schaden“, sagte der damals neue Kroaten-Trainer Nikola Butigan. Doch wie die Werte zeigen, hat sich das Verhalten der Spieler noch nicht wirklich gebessert. Mit 47 Gelben Karten und vier Gelb-Roten sowie glatt Roten Karten nach 16 Spieltagen ist die Bilanz nur unwesentlich besser als im Vorjahr – und der SV Croatia steht erneut mit weitem Abstand auf dem letzten Platz der Fairness-Tabelle seiner Liga.

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TSV Krähenwinkel/Kaltenweide II (Kreisliga 4): 43 gelb, 3 gelb-rot, 2 rot (Quote: 3,87)  Zur Galerie
TSV Krähenwinkel/Kaltenweide II (Kreisliga 4): 43 gelb, 3 gelb-rot, 2 rot (Quote: 3,87)  ©

Trainer kritisiert Bewertungsgrundlagen

Einen Großteil der Karten kassiert der SV Croatia wegen Foulspiels, oftmals wird ihnen aber auch das Meckern zum Verhängnis. Coach Butigan sieht ein grundlegendes Problem. „Grundlegend möchte ich keinen Schiedsrichter kritisieren. Vielmehr ist es das Bewertungssystem, was ich nicht okay finde“, so der Trainer. Der Kroate geht sogar noch weiter: „Die Fairness-Tabelle sagt nichts darüber aus, ob ein Team fair ist oder nicht.“ Neben dem SV Croatia stehen der FC Lehrte, SV Iraklis Hellas und der TSV Stelingen ganz unten in der Fairplay-Tabelle. Butigan meint: „Ich finde nicht, dass meine Mannschaft unfair spielt. Das trifft auch auf die anderen Teams zu, die unten in der Fairness-Tabelle stehen. In den Spielen gegen uns habe ich diese Mannschaften nicht als unfair wahrgenommen“, erzählt Butigan.

„Die Fairness-Tabelle sagt nichts darüber aus, ob ein Team fair ist oder nicht."

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Ruf eile der Mannschaft vorraus

Laut Butigan hat der SV Croatia, wie auch die anderen untenstehenden Teams, ein Problem mit dem Bewertungssystem, welches auf einer subjektiven Einschätzung der Schiedsrichter beruhe. „Menschen tendieren grundlegend dazu, schnell vorgefertigte Meinungen anzunehmen. Das kann man auch keinem vorwerfen. Das ist normal“, so Butigan. „Kroaten sind heißblütig, Deutsche zuverlässig – das sind Vorurteile, die viele Menschen annehmen, ohne sie zu hinterfragen“, fährt der Kroate fort.

Mit dem Beispiel möchte er hervorheben, dass einige Unparteiische eventuell vor den Spielen auf die Fairness-Tabelle schauen und sehen, dass der SV Croatia ganz unten steht. Allein aufgrund dieser Tatsache würden seine Spieler schneller mit Gelben oder Roten Karten bestraft werden als Spieler anderer Vereine. Der Coach bestreitet nicht, dass die Mannschaft eine harte Gangart pflegt. Häufig würden seine Spieler auch zu viel diskutieren. Grob unfair spielten und verhielten sie sich aber nicht.

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18 Tore ©

Forderung nach mehr Dialog

Butigan hat zwei Lösungsvorschläge, mit denen das Verhältnis zwischen Spielern und Schiedsrichtern besser werden könnte. „Ich glaube, es macht Sinn, wenn Schiedsrichter mehr mit den Spielern in den Dialog treten. Man kann doch einen Spieler auch erst einmal ermahnen und ihm sagen, dass es beim nächsten Vergehen sofort die Gelbe Karte gibt“, schlägt der Trainer vor.


Trainer wünscht sich neue Bewertungsmethoden

Der Coach hat noch einen weiteren Vorschlag zur Besserung. Momentan bekommen Schiedsrichter ihr Feedback durch Schiedsrichter-Beobachter. Auch dort schlägt Butigan eine Revolution vor. Der Trainer ist dafür, dass auch die Mannschaften die Schiedsrichter mit ihren Linienrichtern bewerten dürfen. „Vielleicht könnte der Schiedsrichter-Ausschuss dort ja mal ein Formular anfertigen. Dann könnten wir beispielsweise das Verhalten und die Spielleitung der Schiris bewerten – das wäre auch für sie selbst ein sehr gutes Feedback“, ist sich der Coach sicher.

Strärkere Bestrafung bereitet Butigan Kopfschmerzen

Nach der neuen Regelung seit dem Winter werden abfällige Gesten oder das Meckern noch stärker bestraft. Doch das sieht der Coach des SV Croatia in unteren Ligen als problematisch an. Hilfsmittel wie den Videobeweis oder mehrere Kamerabilder wie in den oberen Ligen gibt es in den unteren Bereichen nicht. In oberen Ligen können Entscheidungen durch eine Kontrolle zurückgenommen werden. Von daher beruht viel auf der subjektiven Wahrnehmung eines Referees. Was der Schiedsrichter als eine unpassende Geste wahrnimmt, könne jedoch auf einen anderen Menschen ganz anders wirken. Von daher erscheint es für Butigan fraglich, ob man diese Regelung auch in den unteren Ligen anwenden kann.