13. Juli 2021 / 17:16 Uhr

68 Punkte, 145:17 Tore: Als Dedensen in der Kreisklasse auf einer Welle schwamm

68 Punkte, 145:17 Tore: Als Dedensen in der Kreisklasse auf einer Welle schwamm

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit solchen Zahlen bist du ein würdiger Meister: Der SV Dedensen schoss in der Saison 2017/18 die 1. Kreisklasse 2 kurz und klein.
Mit solchen Zahlen bist du ein würdiger Meister: Der SV Dedensen schoss in der Saison 2017/18 die 1. Kreisklasse 2 kurz und klein. © Nicola Wehrbein
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Diese Zahlen sprechen für sich: In der Saison 2017/18 holte der SV Dedensen in der 1. Kreisklasse 2 in 24 Spielen 68 Punkte - bei einer Torbilanz von 145:17. "Jeder weitere Sieg hat uns auf einer Welle schwimmen lassen", erinnert sich Coach Sascha Pohle, der sich besonders auf Markus Vogel verlassen konnte.

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Das Foto mit Lothar Matthäus hat einen Sonderplatz im Klubheim des Seelzer Dorfvereins. Zu sehen ist darauf der Weltmeister inmitten der Erstvertretung des SV Dedensen – alle schauen mit strahlendem Blick in die Kamera. „Eine tolle Sache und schöne Erinnerung. Einer der vielen Höhepunkte dieser Wahnsinns-Saison“, sagt Trainer Sascha Pohle.

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Seine Kreisklassenelf aus dem rund 2200 Einwohner kleinen Dedensen war im Dezember 2017 als „Mannschaft der Stunde“ zum 100. NP-Anstoß eingeladen, als Gast bei dieser besonderen Veranstaltung saß auch Matthäus auf dem Podium. Die Dedenser hatten eine famose Hinserie gespielt und ihre Gegner in der 1. Kreisklasse 2 teils in Grund und Boden geschossen. Vor allem ein Mann traf schier nach Belieben: Neuzugang Markus Vogel. Coach Pohle hatte den Angreifer, der zuvor als Spielertrainer bei Inter Burgdorf agierte, zum SVD gelotst und damit einen Volltreffer gelandet. Wer wollte den „SV Vogel“, wie der Klub am Kanal bald scherzhaft genannt wurde, auf seinem Weg zurück in die Kreisliga noch aufhalten?

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„Gleich am ersten Spieltag haben wir mit 11:0 beim TV Mandelsloh gewonnen. So zog sich das durch die Saison“, erzählt Pohle. Die Jungs seien richtig heiß gelaufen. „Alle haben sich gegenseitig gepusht. Und jeder weitere Sieg hat uns auf einer Welle schwimmen lassen. Es gab etliche Sonntage, an denen ich mich schon nach 15 Minuten entspannt zurücklehnen und das schöne Wetter genießen konnte.“

Schwer zu knackende Marken

Zweistellige Siege in Reihe, beim 19:1 über die SG Mardorf-Schneeren erzielte Vogel satte zehn Tore. Am Ende sprangen 68 Punkte aus 24 Partien bei einem Torverhältnis von 145:17 und – natürlich – der Aufstieg heraus. Diese Marke dürfte so schnell nicht zu knacken sein. Erst recht nicht der Rekord von Vogel: Der Stürmer steuerte überragende 74 Tore bei.

Es hätten sogar noch mehr sein können, doch das letzte Saisonspiel gegen den 1. FC Wunstorf II fiel aus. Wobei nicht allein Vogel den Höhenflug bewirkte, das gesamte Team um Dennis Nebel, Timo Frercks, Henning Bär und Sebastian Reh überzeugte. „Hinzu kam, dass es eine sehr harmonische, intakte Truppe war. Die Jungs haben auch privat viel zusammen unternommen. Ein Mannschaftsabend jagte den nächsten“, sagt Pohle.

Dass Vogel maßgeblich zu dieser großartigen Saison beigetragen hat, ist unstrittig. Und zwar nicht allein ob seiner zahlreichen Tore. „Markus ist ein super Fußballer und ein guter Teamplayer. Außerdem hat er eine ganz besondere Art, die Leute zu begeistern. Er hat mit seinem Schwung alle mitgerissen“, sagt Dennis Nebel, der seit 2012 im Dress des SV Dedensen am Ball ist.

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Am finalen Spieltag wurde zwar nicht gespielt, dafür aber gefeiert. „Bei uns ist es üblich, den Aufstieg mit einer Treckerfahrt durch das Dorf zu feiern. Vor den Türen der Dedenser Urgesteine halten wir und singen ein Liedchen, dann werden Spirituosen verteilt, manchmal gibt’s auch eine Geldspende für die Mannschaftskasse“, schildert Nebel. „Den Abend oder besser die Nacht haben wir bei Musik und dem einen oder anderen Getränk in unserem Sportheim ausklingen lassen.“

Im Kreispokal erreichten die Dedenser damals leichtfüßig das Halbfinale, dann kam das Aus gegen Sparta Langenhagen. „Als Halbfinalist hatten wir uns automatisch für den Bezirkspokal der Folgesaison qualifiziert, das war ein weiteres i-Tüpfelchen“, sagt Nebel. Der SVD warf dann in der ersten Runde übrigens prompt den Landesligisten SC Hemmingen-Westerfeld aus dem Rennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

"Ein Aufstieg mit Bordmitteln"

Die Erfolge des Seelzer Dorfvereins sind eng mit Sascha Pohle verknüpft. Und das nicht nur deshalb, weil der Coach das „Wunderding mit Markus Vogel“ auf die Beine gestellte hat, wie es Spartenleiter Frank Sprehn ausdrückt. Als Pohle die Erstvertretung im Januar 2014 übernommen hat, rangierte das Team im tabellarischen Niemandsland der 1. Kreisklasse. Die Vereinsverantwortlichen peilten mittelfristig den Sprung in die Kreisliga an. Doch bereits in seiner ersten kompletten Saison schaffte der ehrgeizige Trainer mit dem Team den Aufstieg als Tabellenzweiter hinter dem SV Frielingen.

„Ein Aufstieg mit Bordmitteln, quasi aus dem eigenen Saft. Wir hatten kaum externe Zugänge dabei“, sagt Pohle. Die Rot-Weißen fassten auf Anhieb gut Fuß in der Kreisliga. Im zweiten Jahr allerdings klebte ihnen das Pech an den Füßen, eine Seuchensaison: viele Verletzte, knappe Niederlagen und ein unglücklicher Abstieg – auf den jedoch mit dem direkten Wiederaufstieg „das ganz große Ding“ mit Vogel und Co. folgte. Mittlerweile zählt der SVD zu den etablierten Top-Mannschaften der Kreisliga.

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„Sascha ist für Dedensen ein echter Glücksfall, ein Hauptgewinn“, sagt Sprehn. „Er ist ein sehr guter Trainer und verfügt über ein großes Netzwerk. Und er ist immer mit absolut vollem Einsatz dabei.“ Nach manchen Spielen sei es jedoch besser zu warten, „bis bei Sascha der Blutdruck gesunken ist, bevor man ihn anspricht. Wenn er sich so richtig aufregt, bringe ich gerne den Spruch: ,Pohle, denk dran, du hast Vertrag bis 2024 bei uns’ – wobei wir um Verträge nie ernsthaft einen Aufriss gemacht haben.“ In Dedensen wären sie froh, wenn der Trainer dem Klub noch möglichst lange treu bliebe.

Pohle kann wieder auf Vogel bauen

Pohle hat auch künftig viel vor mit seinem Team – ein kleines bisschen schielt der Dorfverein in Richtung Bezirk. In der abgebrochenen Saison führte der SV Dedensen die Kreisliga 3 als Tabellenerster an. Die Mannschaft bleibt zusammen – und ist mindestens ebenso heiß wie ihr Chefcoach: „Wir haben viele hungrige Leute im Team, natürlich wollen wir oben angreifen, ein gesunder Ehrgeiz gehört doch dazu“, sagt Dennis Nebel.

Nach einer wegen Betruges verbüßten Haftstrafe ist Markus Vogel im Oktober 2020 vorzeitig auf Bewährung entlassen worden, seither ist der Goalgetter wieder mit von der Partie – und wird auch in der kommenden Spielzeit für den SVD stürmen. Der Trainer setzt auf sein bewährtes Team und möchte den Kader überdies „punktuell verstärken. Und dann hoffen wir mal stark, dass es für mich kein verflixtes siebtes Jahr in Dedensen wird“, sagt Pohle lachend. Wer weiß, vielleicht gelingt dem Klub vom Kanal ja schon bald das nächste ganz große Ding.