14. November 2020 / 14:55 Uhr

SV Eichede: Jobsharing zwischen Fynn Rathjen und Bennet Zaske

SV Eichede: Jobsharing zwischen Fynn Rathjen und Bennet Zaske

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Eichedes Fynn Lennart Rathjen soll an der Seite von Marcello Meyer wachsen.
Eichedes Fynn Lennart Rathjen soll an der Seite von Marcello Meyer wachsen. © Agentur 54°
Anzeige

Zaske und Rathjen nehmen abwechselnd neben dem gesetzten Marcello Meyer im Mittelfeld Platz. Trotz Konkurrenzkampf wissen beiden um die Stärken des Anderen und ihre eigenen Schwächen.

Anzeige

In der vergangenen Saison 2019/20 spielten Fynn Rathjen und Bennet Zaske beim SV Eichede noch nebeneinander im zentralen Mittelfeld auf der Doppel-Sechs. Mit der Rückkehr von Routinier Marcello Meyer ist nur noch ein Platz frei – Jobsharing ist beim Fußball-Oberligisten angesagt.

Anzeige

Marcello Meyer ist als Leader gesetzt

An Meyer führt kein Weg vorbei. Der 30-Jährige ist bei den Stormarnern gesetzt. „Sein Vorteil ist, dass er über viel Erfahrung verfügt und relativ konstant spielt“, sagt Trainer Denny Skwierczynski, der mit „Cello“ früher schon beim VfB Lübeck II zusammengearbeitet hat. Meyer hat bereits einige Stationen in seiner Karriere hinter sich (VfB Lübeck, ETSV Weiche Flensburg, NTSV Strand 08, 1. FC Phönix Lübeck) und 125 Mal in der Regionalliga (15 Tore, 14 Torvorlagen) gespielt. „Diese Erfahrung ist bei Fynn und Zakko aufgrund des Alters noch nicht gegeben. Selbst wenn Cello keinen guten Tag erwischt, spielt er Note 3. Daran arbeiten wir mit beiden Jungs. Sie können an der Seite von Cello eine Menge mitnehmen und sind auf einem guten Weg“, so Skwierczynski weiter.

Mehr vom SV Eichede

Stellt sich die Frage, wann der 46-jährige Coach eher Rathjen und wann eher Zaske bringt? Die Spielanteile in der laufenden Spielzeit sind gleich verteilt. So kommt das Mittelfeld-Duo auf jeweils drei Einsätze in der Liga (225 Minuten) und zwei Einsätze im Landespokal. Lediglich im Kreispokal-Achtelfinale beim SSC Hagen Ahrensburg (3:2) durften beide von Beginn an zusammen ran – Meyer wurde geschont beziehungsweise erst zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt.

Zwei unterschiedliche Spielertypen für verschiedene Situationen

„Sie sind zwei unterschiedliche Spieler“, erklärt Skwierczynski dem LN-Sportbuzzer, „Zakko ist mehr der defensivere Mittelfeldspieler, der das Mittelfeld schließt und sich nach vorne mehr trauen könnte. Fynn ist dagegen mehr offensiv einsetzbar, hat mehr Zug nach vorne. Beide sind wichtige Spieler. Das ist nicht immer ganz einfach. Wir haben mehrere Möglichkeiten. Das ist ein offener Konkurrenzkampf. Wir wollen uns nicht festlegen.“

Meyer fördert den Konkurrenzkampf

Wer neben Meyer spielen darf, hängt laut dem Coach von der Form und dem nächsten Gegner ab. Auch wenn der Konkurrenzkampf um einen Stammplatz groß ist, begrüßen die Konkurrenten ausdrücklich die Verpflichtung von Meyer. „Das hat mich sehr gefreut, dass er zu uns gekommen ist. Ich kann viel von ihm lernen. Cello verfügt über eine gewisse Cleverness und einfach die Erfahrung. Unglaublich, was er schon alles erreicht hat“, schwärmt Rathjen. „Er ist für mein Spiel eine Bereicherung. Wir verstehen uns gut, reden viel miteinander.“

Lernfaktor neben Meyer ist groß

Auch Zaske spricht in den höchsten Tönen über den prominenten Top-Transfer. „Ich kann relativ viel von Cello lernen. Das Passspiel, Stellungsspiel, Zweikampfverhalten, Mentalität und Lautstärke auf dem Platz“, sagt der 21-Jährige. Der ganze Verein könne sich glücklich schätzen, dass „Cello bei uns ist.“

Zaske will weiter an sein Abschlusschwäche arbeiten

Sobald der Ball nach der Corona-Pause wieder rollt, werden beide wieder alles daran setzen, den begehrten Platz im Mittelfeld neben Meyer zu ergattern. „Ich habe es schlimmer erwartet, dass ich weniger spielen würde. Ich versuche im Training immer Vollgas zu geben“, erzählt der in Büchen wohnende „Zakko“, der gelernter IT-Systemkaufmann ist und zurzeit im Bereich Buchhaltung arbeitet. Vor zwei Jahren rückte er als Kapitän aus der eigenen U19 (Regionalliga) hoch. Sein Vertrag lauft noch bis 30. Juni 2021. „Wobei ich es Fynn genauso gönne, wie er es mir hoffentlich auch gönnt. Auf jeden Fall läuft es gut bei uns im Zentrum.“ Verbesserungspotential sieht er bei sich im Abschuss („Wenn ich mal vorne bin“).

Hier hat Rathjen knapp die Nase vorne. Im Spiel gegen Aufsteiger Dornbreite (6:0) erzielte er seinen ersten Saisontreffer per Kopfball – nach einem perfekten Freistoß von „Cello“ Meyer!

Rathjen ebenfalls selbstkritisch

Das Kopfballspiel ist bei Rathjen stärker ausgeprägt als bei seinem Konkurrenten. „Er profitiert von seiner Power“, sagt Skwierczynski. Der 23-Jährige, der 2018 vom SC Condor Hamburg gekommen ist und einen Vertrag bis 30. Juni 2022 besitzt, schätzt sich selbst spiel-, taktik- und laufstark ein. „Ich tue immer mein Bestes und versuche, kluge Pässe zu spielen. Was die Defensivarbeit betrifft, muss und kann ich mehr beisteuern“, gesteht der BWL-Student, der nebenbei bei einem Start-up-Unternehmen (zehn Angestellte) in Hamburg jobbt, wo er auch wohnt.

Jobsharing schmeckt Rathjen nicht

Mit Hendrik Ostermann, Tom Wittig, Michél Thomä und Lars Newrzella bildet er eine Fahrgemeinschaft. Die netten Worte von Zaske gibt er indes zurück. „Zakko macht einen guten Job. Bei ihm weiß man, was man bekommt. Ich verstehe mich mit ihm gut. Was aber nichts daran ändert, dass die Aufgabenteilung schwer hinzunehmen ist.“

Trotz Pause halten sich beide Spieler fit - Ziel ein Stammplatz neben Meyer

Eines haben die SVE-Kicker bei aller Konkurrenz gemeinsam. Sowohl Rathjen als auch Zaske können es kaum abwarten, bis der Ball endlich wieder rollt. „Ein Großteil meines Lebens ist weggebrochen“, sagt Fynn, während „Zakko“ meint: „Der Sport fehlt.“ Wer beide kennt, weiß, dass sie sich nicht auf die faule Haut legen werden – im Gegenteil. Schließlich würden beide das Jobsharing am liebsten möglichst schnell beenden, um an der Seite des gesetzten Meyer einzunehmen.