12. Oktober 2021 / 11:34 Uhr

"So viel Herzblut, beeindruckend": Willy Komnick lebt für den SV Eintracht Suttorf

"So viel Herzblut, beeindruckend": Willy Komnick lebt für den SV Eintracht Suttorf

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mein Leben besteht aus Fußball, sagt Willy Komnick. Und das ist nicht zu übersehen.
"Mein Leben besteht aus Fußball", sagt Willy Komnick. Und das ist nicht zu übersehen. © Christian Hanke
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Willy Komnick und der SV Eintracht Suttorf, das ist eine große Liebe. Der 75-Jährige lebt für den Verein, hat mit den "Suttis" einen Fanclub gegründet, betreibt einen Fanshop - und wirbt für Fairness. "So viel Herzblut, das ist wirklich beeindruckend", sagt Jan-Patrick Neumann, Trainer des Kreisligisten.

Was wäre der Amateurfußball ohne seine Fans und Ehrenamtlichen. Gerade bei den kleinen Klubs gibt es sie zum Glück vereinzelt immer noch, diese positiv Verrückten, die bei jedem Spiel inbrünstig mitfiebern, jubeln und trauern. Und sich überdies mit großer Leidenschaft für ihren Verein engagieren.

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Willy Komnick und der SV Eintracht Suttorf, das ist eine echte Liebesbeziehung. Der ­75-Jährige möchte den Namen seines Herzensklubs ein Stück weit in die Welt hinaustragen. Dafür lässt er sich eine Menge einfallen. Er betreibt einen Fanshop in Eigenregie. Sogar einen Fanclub hat Komnick gegründet, die „Suttis“. Noch ist er das einzige Mitglied, doch das soll und wird sich sicher bald ändern.

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Der Neustädter Klub SV Eintracht Suttorf ist die selbst erwählte Liebe von Komnick. Er ist weder in Suttorf aufgewachsen noch wohnt er im 1000-Seelen-Dorf, wie man es vielleicht erwarten könnte. Nein, die erste Begegnung trug sich auf dem Platz zu. „Mein Leben besteht aus Fußball“, sagt Komnick. In seiner Jugend war er einst höherklassig am Ball, aber das ist ein anderes Thema.

Der gebürtige Hannoveraner hat lange Zeit in Hamburg gelebt und gearbeitet. Parallel zur aktiven Fußballerlaufbahn entdeckte der damalige Mitarbeiter der Justizbehörde seine Passion fürs Pfeifen. Als Komnick 2013 aus der Hansestadt näher zu seiner Tochter in den Neustädter Stadtteil Eilvese zog, wollte er sich ursprünglich beim örtlichen STK engagieren. „Dort habe ich aber nicht richtig Anschluss gefunden, deshalb habe ich erst mal für den TSV Mühlenfeld gepfiffen.

Komnick gefällt es in Suttorf auf Anhieb gut

„Eines Tages hatte ich eine Schiedsrichteransetzung in Suttorf. Ich wusste bis dahin gar nicht, wo dieses Suttorf liegt. Aber es hat mir dort gleich gut gefallen: die Sportanlage, die Menschen, das ganze Umfeld“, erzählt Komnick. Man kann also tatsächlich von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Insbesondere der Kontakt zu Rainer Breuer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Fördervereins und Gönner vom SV Eintracht, sei sofort sehr gut gewesen.

Komnick zögerte nicht und schloss sich vor knapp fünf Jahren dem Dorfklub an. Anfangs leitete er noch Spiele, vor zwei Jahren hat er nach insgesamt fast drei Jahrzehnten Schiedsrichtertätigkeit mit dem Pfeifen aufgehört. Aber der Senior wollte sich weiterhin für seinen Verein engagieren; also gründete er den Fanclub.


Schaut her, wir sind vom SV Eintracht Suttorf: Willy Komnick präsentiert stolz seine neueste Kreation.
Schaut her, wir sind vom SV Eintracht Suttorf: Willy Komnick präsentiert stolz seine neueste Kreation. © Christian Hanke

„Noch bin ich alleiniges Mitglied. Wegen Corona konnte ich ja lange Zeit nichts machen und nicht werben“, sagt Komnick. Sein Fanshop hingegen läuft bereits richtig gut. Die von ihm in Auftrag gegebenen Schals in den Klubfarben Rot-Weiß-Schwarz mit dem Schriftzug Suttorf und dem Vereinswappen fanden schon 30 Abnehmer. „Ich musste nachbestellen. Natürlich gebe ich die Schals zum Selbstkostenpreis ab. Ich will doch nichts daran verdienen.“

Vor jedem Heimspiel hängt der Senior drei große Banner auf, die er ebenfalls selbst organisiert und bezahlt hat. Auf einem heißt es: „Sei fair zum 23. Mann! Ohne Schiri geht es nicht!“ Ein Appell für mehr Fair Play. „Ich möchte, dass mein Verein nicht nur sportlich, sondern auch in der Fairnesstabelle weiter nach oben rückt“, betont Komnick, den es wurmt, dass die Kreisligamannschaft nach vier Spielen schon zehn Gelbe Karten und dreimal Gelb-Rot kassiert hat: „Das ist ein Unding. Die Jungs sollen den Mund halten und nicht gegen den Schiri meckern.“

Willy, auch auf den ersten Blick unverkennbar

Auf dem neuesten Transparent, das jüngst im Heimspiel gegen den SV Resse erstmalig entrollt wurde, ist zu lesen „Der Fanclub Suttorf begrüßt alle Zuschauer und Spieler“. Komnick hofft durch diese Aktion auch mehr Mitstreiter für seinen Verein um den Verein zu gewinnen.

Der 75-Jährige trägt seine Liebe offen zur Schau. Sein Trainingsanzug ist mit dem Aufdruck „Suttorf“ versehen, ebenso sein T-Shirt. Unverkennbar der Willy – schon auf den ersten Blick wissen die Suttorfer Kicker und Fans, wer da wieder auf der Sportanlage herumwirbelt. „Ich habe auch ein Sweatshirt, da steht ,der zwölfte Mann’ drauf.“ Denn dass er kein Spiel des Herrenteams verpasst, ist selbstverständlich.

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Die Strecke aus der Kernstadt, wo Komnick mittlerweile wohnt, zum Platz nach Suttorf legt er mit dem Fahrrad zurück. Auch zu den Auswärtspartien, zuletzt nach Frielingen und Poggenhagen, radelt der 75-Jährige eisern. Außerdem bringt er jedem Spieler zum Geburtstag eine Glückwunschkarte vorbei. „Die Karten haben immer ein Fußballsymbol, und ich gebe sie persönlich an der Haustür ab.“ Selbst dafür ist ihm mit dem Rad kein Weg zu weit.

Rund um die Partien heißt er Gegner und Unparteiische herzlich willkommen und wünscht ein schönes Spiel. Komnick genießt den Kontakt zu den Eintracht-Fußballern, Trainer Jan-Patrick Neumann, den Schiedsrichtern und gegnerischen Mannschaften.

"Das ist ein gutes Gefühl"

„Alle begrüßen mich. Ich werde wahrgenommen, und das in meinem hohen Alter. Viele finden es toll, was ich mache. Das ist ein gutes Gefühl.“ Gegen Resse durfte der rührige Rentner den Spielball an Suttorfs Kapitän Dennis Ahrbecker übergeben. Ein Zeichen der Wertschätzung vonseiten des SV Eintracht.

„Willy steckt so viel Herzblut in den Verein, das ist wirklich beeindruckend. Banner, Schals, T-Shirts – toll, dass er die Initiative ergreift und uns unterstützt. Leider gibt es immer weniger Menschen wie ihn, die sich ehrenamtlich in den Vereinen engagieren“, sagt Coach Neumann. Komnick fällt ständig etwas Neues ein. Aktuell sind herzförmige Suttorf-Aufkleber in Planung, sein Herz schlägt nun mal für den kleinen Verein.

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Vor dem Heimspiel gegen Resse überreichte Komnick Kapitän Dennis Ahrbecker den Spielball. War wohl ein gutes Omen, denn die Gastgeber feierten einen 6:2-Sieg.
Vor dem Heimspiel gegen Resse überreichte Komnick Kapitän Dennis Ahrbecker den Spielball. War wohl ein gutes Omen, denn die Gastgeber feierten einen 6:2-Sieg. © Christian Hanke

Das Leben hat ihm nichts geschenkt. Komnick ist im Heim aufgewachsen und verlebte eine ziemlich trostlose Kindheit. Auch auf seinem späteren Lebensweg war nicht alles eitel Sonnenschein. Und im Laufe der letzten Jahre musste der Senior viele Krankheiten und einige schwere Operationen wegstecken.

„Mein Motto ist: Let’s go! Ich mache immer weiter und weiter. In der Vergangenheit wühle ich nicht, das stimmt mich nur traurig. Ich lebe in der Gegenwart. Ich lebe für den SV Eintracht Suttorf und meine Lebensgefährtin Anneliese. Mein großer Wunsch und meine Hoffnung ist, dass ich auch in zehn Jahren noch für den Verein aktiv sein kann. Zur Not eben mit dem Krückstock.“