07. Dezember 2021 / 18:23 Uhr

Kein Platz für große Egos: Halil Büyüktopuk mit strenger Hand beim SV Ihme-Roloven

Kein Platz für große Egos: Halil Büyüktopuk mit strenger Hand beim SV Ihme-Roloven

Tobias Kurz
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Adris Jankir (links) ist ein Torgarant für den SV Ihme-Roloven.
Adris Jankir (links) ist ein Torgarant für den SV Ihme-Roloven. © Dennis Michelmann
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Viele Beobachter der Szene sind überrascht, wie gut der SV Ihme-Roloven unter dem neuen Trainer Halil Büyüktopuk dasteht. Als Erster der Bezirksliga 7 geht das Team in die Aufstiegsrunde.

Er ist von einigen Kollegen gewarnt worden, verrät Halil Büyüktopuk. Untrainierbar sei der SV Ihme-Roloven. Der 45-Jährige, der zuvor den BV Werder Hannover in der Kreisliga gecoacht hatte, nahm das Angebot des Bezirksligisten im Sommer dennoch an.

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Dass die Ihmer hervorragende Einzelspieler in ihren Reihen haben, steht außer Frage. Im Kollektiv erfolgreich war die Mannschaft in der jüngeren Vergangenheit aber zu selten, pendelte als Fahrstuhlmannschaft zwischen Kreis- und Bezirksliga.

Bilder vom Spiel der Bezirksliga 7 zwischen dem SV Ihme-Roloven und SV Iraklis Hellas

Ihmes Alex Bittner (rechts) diskutiert nach einem Zweikampf mit Ergün Adigüzel von Iraklis Hellas. Zur Galerie
Ihmes Alex Bittner (rechts) diskutiert nach einem Zweikampf mit Ergün Adigüzel von Iraklis Hellas. ©

Unter Büyüktopuk ging es nun überraschend steil bergauf. Die Vorrunde beendeten die Ihmer als Tabellenerster der Staffel 7 und qualifizierten sich für die Aufstiegsrunde zur Landesliga.


„Das hätte ich mir niemals so erträumt“, blickt der Chefcoach zurück. Potenzial sah er in der individuell stark besetzten Mannschaft definitiv. Mit Adris und Delchad Jankir kam im Sommer noch einmal absolute Ausnahmequalität in der Offensive dazu. Aber: „Dass es so schnell so erfolgreich läuft, hätte ich nicht erwartet. Es werden auch schlechtere Tage kommen, auf jeden Fall.“

"Nicht immer alles so supergeil, wie es aussieht"

Büyüktopuk gibt ohne Umschweife zu: „Es ist nicht immer alles so supergeil, wie es aussieht.“ Dass die Warnungen vor schwierigen Charakteren nicht von ungefähr kamen, hat Büyüktopuk schon bemerkt. Einigen Spielern musste er Undiszipliniertheiten austreiben, immer wieder blitzte das Image der heißblütigen Individualistentruppe auf.

„Es gab zwei, drei Jungs, die in ihrer Komfortzone waren und ihr Ego über die Mannschaft gestellt haben“, sagt der Übungsleiter. Büyüktopuk griff konsequent durch, suspendierte beispielsweise Sergio Pulido León für fünf Spiele. Nach dem 2:5 bei der Egestorfer Reserve kam der Stürmer nicht mehr zum Einsatz. Was konkret vorgefallen ist, verrät der Trainer nicht. Nur so viel: „Er hat eine rote Linie überschritten.“

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Der sportlich wichtige Offensivakteur, der immerhin in acht Spielen viermal traf, könnte zur Rückrunde aber in den Kader zurückkehren. „Ich werde mit ihm noch ein Gespräch führen“, sagt Büyüktopuk. „Er muss sich an ein paar Regeln halten, wenn wir ihn zurücknehmen. Die Tür ist nicht zu.“ Sergio Pulido León signalisierte schon Bereitschaft. Er fühlt sich in der Mannschaft, in der ja auch sein Bruder Francisco Javier spielt, pudelwohl.

Leistung und Disziplin zahlen sich aus

Büyüktopuks Strenge scheint eine positive Wirkung zu haben. „Ich will das Beste für die Mannschaft und den Verein. Das haben alle kapiert“, sagt er. Leistung und Disziplin zahlen sich bei ihm aus. Ein Beispiel: Muhammed Maslamani. Der Verteidiger war zum Vorbereitungsbeginn etwas hintendran. „Ich hätte gedacht, dass er der zwölfte Mann wird“, gesteht Büyüktopuk. „Aber er hat von Anfang an Vollgas gegeben und sich durchgesetzt.“

In zwölf von 14 Partien stand Maslamani auf dem Platz, meist in der Anfangself. Auch Erkam Esen, den der Trainer von Werder Hannover mitgebracht hatte, spielte sich eine Liga höher erstaunlich schnell fest. „Bei ihm habe ich schon damit gerechnet, aber für viele war das sicher überraschend.“

Bis zum 16. Januar schickt Büyüktopuk seine Spieler in die Winterpause, dann soll die Vorbereitung auf die Aufstiegsrunde starten – ohne jeglichen Druck. „Wenn wir bis kurz vor Saisonende noch die Chance haben aufzusteigen, wäre das ein Traum.“