17. November 2020 / 19:33 Uhr

SV Leipzig Nordwest: „Wir nehmen alles mit, außer den Abstieg“

SV Leipzig Nordwest: „Wir nehmen alles mit, außer den Abstieg“

Stephanie Riedel
Leipziger Volkszeitung
Heizen bei den Männern und der Jugend ein: die Trainer Philipp Becker (l.) und Tobias Kramer.
Heizen bei den Männern und der Jugend ein: die Trainer Philipp Becker (l.) und Tobias Kramer. © Stephanie Riedel
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Kreativ und sportlich durch den Lockdown: Beim SV Leipzig Nordwest sind seit zwei Wochen Tor und Tür für alle Vereinsmitglieder verriegelt. Deshalb hat sich der Fußballverein eine Challenge einfallen lassen und lockt mit Preisen.

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Leipzig. „Lauft so viel ihr könnt!“ – so lautet das Motto der vom SV Leipzig Nordwest ins Leben gerufenen Lockdown-Challenge. Die Fußballer – nun joggend unterwegs– haben innerhalb der vergangenen zwei Wochen schon über 740 km in den Beinen. Dazu winken den Kickern auch tolle Preise aus der Vereinskollektion, und im Kinderbereich wartet sogar ein Fußballhüpfburg-Tag. Motivation in einer schwierigen Zeit.

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Seit 40 Jahren im Verein: Torwartlegende Heine

Vom traditionellen Hallenfußballturnier Ur-Krostitzer-Masters ist der SV Nordwest, der versteckt im Westen der Stadt liegt, dem einen oder anderen Fußballer bekannt. Im vergangenen Jahr wurde das 70-jährige Vereinsjubiläum begangen. Die kleine Gemeinschaft mit 200 Mitgliedern baut auf ihre nimmermüden Routiniers.

DURCHKLICKEN: Bilder von den Finalspielen beim Ur-Krostitzer-Masters

Die Ur-Krostitzer-Masters 2020: Die Finalspiele in Bildern. Zur Galerie
Die Ur-Krostitzer-Masters 2020: Die Finalspiele in Bildern. © Alexander Prautzsch

„Die Säulen des Vereins sind die Spieler, die schon lange hier sind. Wir können auf sie zählen“, sagte Präsident René Kahl. Zahnrad des Vereins sei der ehemalige DDR-Fußballer und die Torwartlegende Ralf Heine. Er gehört zu den Alteingesessenen, hält seit 40 Jahren dem SV die Treue, ob als Keeper oder Trainer. Gleichermaßen hat Chef Kahl als Spieler von der Bezirks- bis zur Kreisliga alles erlebt. „Der Männerbereich ist mittlerweile ausgedünnt, aber die laufen von allein.“ Ziel des Kreisklasse-Teams? „Wir wollen höher, machen aber keinen Druck. Wir nehmen alles mit, außer den Abstieg." Kahl und die Männer seien nicht böse, wenn dabei die ersten drei Plätze nicht rausspringen.

Der Vorsitzende geht einem Fulltime-Job in Berlin nach und managt seit 2008 den Stahl-Verein. Dabei hat er innerhalb der vergangenen sechs Jahre stark auf die Nachwuchsarbeit gesetzt. „Unser Nachwuchs ist bis zur D-Jugend gut aufgestellt“, berichtet der 49-Jährige stolz. Er wisse um die infrastrukturelle Herausforderung: „Wir haben eine schlechte Anbindung. Die Anfahrt mit dem Bus ist für die Kids nicht möglich." Zudem gebe es viel Konkurrenz im Leipziger Westen. „Aber die Herausforderung hatten wir schon immer auf engem Raum.“ Kahl setzt auf sportliche Begeisterung und Motivation durch seine Trainer sowie auf Wettkampferfahrung. „Der Spieler ist nicht nur Fußballer, es geht um Gemeinschaft.“ Und die wird im Verein großgeschrieben.


Rund­um-sorg­los-Pa­ket beim SV

Erfolgsgarant im Nachwuchs (D-Jugend) und Trainer der ersten Männer-Mannschaft ist Philipp Becker. Der 30-Jährige steht 20 Stunden in der Woche auf dem Bolzplatz – neben seiner Tätigkeit als Erzieher in der Grundschule. An seiner Seite: Tobias Kramer (33), Coach der C-Junioren und seit 2008 im Verein. Das Duo kennt sich schon aus Schulzeiten. Beide coachen seit drei Jahren zusammen im Willie-Kühn-Sportpark. Ziel der Stahler: eine etablierte A- oder B-Jugend.

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Die sieben SV-Teams trainieren auf zwei bespielbaren Fußballplätzen. Geplant ist, einen stillgelegten Tennisplatz zum Kicken umzufunktionieren. Die entsprechenden Unterlagen sollen bei Stadt und Land eingereicht werden. Auch eine Sporthalle steht den Fußballern zur Verfügung. Nach dem Training kann in der Sauna entspannt werden. Andernfalls gibt es etwas auf die Hüften – beim amerikanischen Dinner oder dem Siegerbier für durstige Kehlen.