24. Mai 2020 / 13:00 Uhr

Großer Krach in Hannover: "Verhalten des SV Odin von Unsportlichkeit geprägt"

Großer Krach in Hannover: "Verhalten des SV Odin von Unsportlichkeit geprägt"

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Foto aus besseren Zeiten: Die SG Odin/VfR feiert 2019 den Aufstieg in die 1. Bundesliga. 
Foto aus besseren Zeiten: Die SG Odin/VfR feiert 2019 den Aufstieg in die 1. Bundesliga.  © Debbie Jayne Kinsey
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Die Trennung zwischen den Rugby-Klubs VfR 06 Döhren und SV Odin gerät zu einer schmerzhaften Kraftprobe. Der VfR kündigte die Spielgemeinschaft und will weiter in der 1. Bundesliga spielen, Odin ist zum Neuaufbau gezwungen. Die Herrenhäuser lehnen es allerdings ab, dem Ex-Partner das Einverständnis zu geben, das nach den Regularien notwendig wäre. 

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Stattliche 13 Jahre hat diese Verbindung gehalten. Die Rugbyspieler des VfR 06 Döhren und des SV Odin haben viel miteinander erreicht und überwunden. Wie in einem Ge­drän­ge standen sie dicht an dicht zusammen in dieser Spielgemeinschaft, verkeilten sich gar miteinander. Da fällt es schwer, sich wieder zu lösen. Und tatsächlich gerät die Trennung zu einer schmerzhaften Kraftprobe. Der VfR kündigte die SG und will weiter in der 1. Bundesliga spielen, Odin ist zum Neuaufbau gezwungen. Nach den Regularien muss Odin dem Ex-Partner aber sein Einverständnis dafür geben, oben zu bleiben. Das lehnen die Herrenhäuser jedoch ab. Nun droht auch dem VfR der Sturz in die unterste Klasse.

"Eine gute Kooperation nach so langer Zeit einseitig und ohne Rücksprache zu beenden, das ist intransparent und kein guter Stil."

„Leider ist das Verhalten des SV Odin von Unsportlichkeit und Missgunst geprägt, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt der VfR-Vorsitzende Stefan Dörner. Die Waldheimer verstehen nicht, warum sich die Odiner querstellen. „Eine gute Kooperation nach so langer Zeit einseitig und ohne Rücksprache zu beenden, das ist intransparent und kein guter Stil“, betont Odins Spartenleiter und Ex-SG-Kapitän Julian de Riva. „Der VfR kam damals auf uns zu, als es ihm nicht gut ging, und geht jetzt, ohne an uns zu denken.“

Geht eine Rugby-Spielgemeinschaft auseinander, muss eine Vereinbarung darüber getroffen werden, wo die Teams künftig spielen. Gibt es diese nicht, gelten die Mannschaften als neu gemeldet und beginnen in der untersten Klasse, der Verbandsliga. Bis zum 31. Mai bliebe Zeit, eine Übereinkunft zu treffen. „Es gibt nichts mehr zu besprechen“, so de Riva.

Bilder zum Rugby-Bundesligaspiel zwischen Hannover 78 und der SG SV Odin/VfR 06 Döhren (November 2019):

Das Rugby-Stadtduell zwischen Hannover 78 und der SG SV Odin/VfR 06 Döhren. Zur Galerie
Das Rugby-Stadtduell zwischen Hannover 78 und der SG SV Odin/VfR 06 Döhren. ©

Odins Befürchtungen...

Im Januar hatte der VfR beim Deutschen Rugby-Verband (DRV) angefragt, ob er im Fall einer Trennung ausnahmsweise eine Bundesligalizenz er­hal­ten könne. „In der Antwort steht, der DRV wolle das sehr wohlwollend prüfen“, sagt Dörner. Anfang April teilte der VfR dann mit, die SG nach der Saison zu beenden. Die erste gemeinsame Mannschaft stand in der 1. Liga Nord/Ost auf dem Abstiegsplatz. Dann kam Corona, die Spielzeit wurde abgebrochen. Ab- und Aufsteiger sollte es keine geben. Laut Reglement könnte das Oberhaus mit nur sieben statt acht Vereinen starten, sagt Herbert Lütge, Vorstandsmitglied des Bundesliga-Ausschusses – wenn sich VfR und Odin nicht einigen.

Sein Verein wolle keinen Ärger, unterstreicht Dörner. Die Ankündigung des SV Odin, in die Verbandsliga gehen zu wollen, habe für ihn das Einverständnis bedeutet, sich dem VfR nicht in den Weg zu stellen. Odin jedoch befürchtet, dass sich etliche Spieler dem VfR anschließen könnten, wenn der den Platz in der Bundesliga einnimmt. „Es ist ja immer noch wie eine Mannschaft, das wäre gefühlt nicht mal ein Vereinswechsel. Und wo blieben wir dann?“, sagt de Riva.

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"Wenn der DRV nicht zustimmt, nimmt ein weiterer Verein in Hannover Schaden."

Dörner und der VfR hoffen, dass der Verband die Lizenz für die Bundesliga erteilt. „Wenn der DRV nicht zustimmt, nimmt ein weiterer Verein in Hannover Schaden. Das kann nicht im Sinn der Sache sein.“ Der VfR 06 Döhren sei in seiner Entwicklung auf Bundesliga programmiert. Anfang Juni dürfte der Bundesliga-Ausschuss entscheiden. „Wir sehen dem ge­las­sen entgegen, es gibt immer einen Weg“, so Dörner.

De Riva will nach vorn schauen, mit dem Heidelberger Jo­han­nes Augspurger ist ein Coach für den Neustart gefunden: „Wir waren geschockt und hatten Existenzängste. Nun se­hen wir wieder einen klaren Weg vor uns.“