26. Juni 2019 / 18:20 Uhr

SV Osloß in der Relegation: Das sagen die Beteiligten zum Sportgerichts-Urteil

SV Osloß in der Relegation: Das sagen die Beteiligten zum Sportgerichts-Urteil

Yannik Haustein
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Spielt Relegation: Osloß (l.) ist nach dem Sportgerichts-Urteil Vizemeister, die Partie in Meine (r.) wird mit 5:0 für den SVO gewertet.
Spielt Relegation: Osloß (l.) ist nach dem Sportgerichts-Urteil Vizemeister, die Partie in Meine (r.) wird mit 5:0 für den SVO gewertet.
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Der Abbruch der Partie des TSV Meine gegen den SV Osloß in der 1. Fußball-Kreisklasse 2 hat mit der 5:0-Wertung des Sportgerichts für Osloß am Dienstagabend ihr Ende gefunden. Der SVO wird dadurch Vizemeister, spielt in der Relegation gegen den SV Tülau/Voitze um den Aufstieg in die Kreisliga. Ein Urteil, das die Meinungen auseinander gehen lässt und größtenteils für Unverständnis sorgt.

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Was war passiert? Am letzten Spieltag vor zwei Wochen hatte Osloß kurz vor Schluss 1:2 hinten gelegen, durch ihren Erfolg gegen den TuS Seershausen/Ohof am selben Tag wäre damit die FSV Adenbüttel/Rethen II Zweiter geworden, wenn es dabei geblieben wäre. Stattdessen wurde die Partie nach einer diskriminierenden Beleidigung eines Meiner Zuschauers gegen einen Osloßer Spieler abgebrochen, durch die Wertung zieht der SVO wieder an der FSV-Reserve vorbei, hat so weiterhin eine Aufstiegschance.

Die FSV Adenbüttel/Rethen II, durch die Wertung von Platz zwei auf drei abgerutscht und damit das leidtragende Team in der Angelegenheit, bereitet einen offenen Brief vor, in dem der Verein seinen Standpunkt klar machen will, der Vorsitzende des Vereins, Detlev Katenhusen, äußerte sich aber bereits im Vorfeld. In den Kommentaren auf den Facebook-Seiten des SPORTBUZZER und des NFV-Kreises Gifhorn herrscht vor allem eine Meinung vor: Es könne nicht sein, dass ein Fan mit einer diskriminierenden Äußerung ein Spiel und in diesem Fall noch mehr entscheidet.

Die Stimmen zum Urteil

Detlev Katenhusen, 1. Vorsitzender der FSV Adenbüttel/Rethen: "Das ist ein sportliches Desaster. Für mich hat der Schiedsrichter falsch gehandelt. Er hätte das Spiel abpfeifen, aber nicht abbrechen sollen. Wir akzeptieren das Urteil und wollen keinen Stunk machen. Das Sportgericht hat nach den Paragrafen gehandelt." Über den schuldigen Zuschauer sagte er: "Solche Äußerungen gehen gar nicht, das ist doch klar – ein No-Go! Aber dass sich Osloß durch eine Hintertür in die Relegation schleicht, das hinterlässt schon ein Geschmäckle.“

Jürgen Fricke, Sportgerichts-Vorsitzender des Fußball-Kreises Gifhorn: "Aufgrund der Paragraphen hatten wir keine andere Wahl. Es ist eben ein Spielabbruch, und wir mussten anhand der Fakten urteilen. Es war der schwerste Fall, den ich je hatte, und ich bin seit 30 Jahren dabei. Wir versuchen immer, eine gerechte Lösung zu finden - dass das in diesem Fall leider nicht gelingen kann, war uns klar. Aber: Wenn es beispielsweise am zwölften Spieltag passiert wäre, hätte es niemanden interessiert."

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Ralf Thomas, Vorsitzender des Fußball-Kreises Gifhorn: "Es ist schade, dass wir überhaupt so ein Thema behandeln müssen. Dass wir dabei als Fußball-Kreis schlecht wegkommen, war mir von Anfang an klar. Deshalb war ich auch bei der Sportgerichts-Verhandlung dabei und habe schon dort in meinem Schlussplädoyer gesagt, dass der Verlierer ganz klar der Fußball ist. Ich kann aber versichern, dass das Sportgericht ungewöhnlich lange zusammengesessen hat, um den Grund für den Spielabbruch und die Folgen aller möglichen Urteile ganz genau zu ergründen. Es ärgert mich persönlich, dass dieses Thema die gute Arbeit der letzten Jahre, die wir im Fußball-Kreis Gifhorn geleistet haben, überdeckt."

Pino Epifani, Sprecher des SV Osloß: "Dem Urteil und dem Bericht des NFV-Kreises ist von unserer Seite aus nichts hinzuzufügen, es ist alles gesagt."

Marcus Ohk, Trainer des TSV Meine: "Ich finde, es ist eine klare Niederlage für den Sport. Für uns gab es nur eine Möglichkeit: Die sportliche Wertung für uns, plus eine Geldstrafe gegen uns. Es ging nicht um Leib und Leben, und bei Profi-Spielen passiert in solchen Fällen gar nichts - so hat das Relegationsspiel einen faden Beigeschmack. Das ist nun ein Präzedenzfall, mit dem der NFV-Kreis keinen Spaß haben wird. Aber damit müssen jetzt alle leben."

Sebastian Ludwig, Trainer des SSV Kästorf II (Meister 1. Kreisklasse 2): "Ich habe die Kommentare gelesen, auch mit meinen Jungs und dem Verein darüber gesprochen. Der SSV Kästorf spricht da eine Sprache: Das 5:0 für Osloß können wir nicht nachvollziehen. Das ist Adenbüttel gegenüber einfach schade, ein Fan kann das Spiel nicht entscheiden. Die FSV hätte es verdient gehabt, hat uns als Meister zweimal geschlagen. Hätte das Spiel Adenbüttel gegen Osloß geheißen und ein FSV-Fan hätte sich die Beleidigung geleistet, hätte ich das Urteil unterschrieben. Aber dass der SVO so kurz vor Schluss gegen die beste Liga-Abwehr noch zwei Tore gemacht hätte, halte ich für unwahrscheinlich - so hat Osloß nach dem letzten Strohhalm gegriffen."

Sören Henke, Trainer des FC Germania Parsau (Er gewann im letzten Jahr als Trainer des SV Rühen ein ähnliches Entscheidungsspiel um den Aufstieg am letzten Spieltag gegen den SV Osloß): "Ich kann es nur anhand der Fakten beurteilen, die man zu lesen bekommen hat, aber sportlich ist es eine katastrophale Entscheidung. Für mich hätte es nur eine Bestätigung des 2:1 oder ein Wiederholungsspiel geben können, denn das Vergehen hat mit dem Sportlichen ja nichts zu tun - es wäre anders, wenn ein Trainer oder Betreuer die Beleidigung geäußert hätte. Die Geldstrafe gegen den Verein finde ich aber absolut richtig, einen Punktabzug würde ich auch noch in Betracht ziehen, denn mit den vielen Fair-Play-Kampagnen geht das Verhalten nicht konform. Dass der Osloßer Spieler in der Situation nicht weiterspielen wollte, finde ich nur legitim, aber man muss das Sportliche vom Vergehen lösen! Man darf auch Tülau nicht vergessen: Weil der SV Jembke am letzten Spieltag nicht angetreten ist, geht Tülau nach drei Wochen ohne Spielpraxis in sein wichtigstes Spiel des Jahres. Ein feiner Zug von Osloß wäre es zu sagen 'Es ist unsauber gelaufen, wir sind sportlich nicht ins Relegationsspiel eingezogen - wir treten deshalb nicht an'. Ich glaube aber, dass der SVO die Gelegenheit nutzen wollen wird."

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