17. Februar 2020 / 13:50 Uhr

"Nachhaltig und gesund": Darum verzichtet Spitzenreiter SV Rödinghausen auf die 3. Liga

"Nachhaltig und gesund": Darum verzichtet Spitzenreiter SV Rödinghausen auf die 3. Liga

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Regionalliga-Fußball läuft auch in der kommenden Saison im Häcker Wiehenstadion. Der SV Rödinghausen verzichtet auf einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga.
Regionalliga-Fußball läuft auch in der kommenden Saison im Häcker Wiehenstadion. Der SV Rödinghausen verzichtet auf einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga. © dpa/Montage
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Sieben Punkte Vorsprung in der Regionalliga West, die 3. Liga zum Greifen nah. Doch der Traum vom Aufstieg ist beim SV Rödinghausen geplatzt. Der Verein stellt keinen Antrag auf eine Drittliga-Lizenz. Das sind die Gründe.

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Bei den Spielern und Erfolgstrainer Enrico Maaßen kam diese Nachricht nicht gut an: Der SV Rödinghausen verzichtet auf einen möglichen Aufstieg aus der Regionalliga West in die 3. Liga. "Für uns alles ist das eine Riesen-Enttäuschung", sagte Maaßen gegenüber RevierSport: "Trotzdem haben wir die Entscheidung des Vereins zu akzeptieren und respektieren."

Und dieser Weg ist gut durchdacht und bestens aus Klub-Sicht überlegt.

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"Ich bin froh, dass wir alle gemeinsam rechtzeitig zu einer Entscheidung gekommen sind, die dem SV Rödinghausen eine nachhaltige und gesunde Zukunft sichern wird. Wir haben die Anforderungen des DFB bis ins letzte Detail geprüft, gerechnet, diskutiert und sind zum Entschluss gekommen: Wir werden die Lizenz für Liga 3 nicht beantragen. Ich persönlich finde diese Entscheidung, auch wenn sie unglaublich schwerfällt, richtig und gut. So kann sich der Verein weiter entwickeln. Wir haben jetzt Raum, um gesund und nachhaltig weiter zu wachsen. Und darauf freue ich mich", wird SVR-Geschäftsführer Alexander Müller in einer Pressemitteilung zitiert.

SV Rödinghausen: Stadion-Wechsel ist keine Option

Der rasante Aufstieg innerhalb von zehn Jahren aus der Kreisliga A zum Spitzenreiter der Regionalliga West wird durch diese harte Bremsung gestoppt. Zu groß seien die DFB-Auflagen für den kleinen Verein aus dem ostwestfälischen Kreis Herford. Der Verband fordert für die Drittliga-Zugehörig beispielsweise ein Stadion mit mindestens 10.001 Plätzen – das Häcker-Wiehenstadion bietet nur Platz für 2489 Zuschauer. "Die Heimspiele stattdessen in Bielefeld, Osnabrück oder Lotte auszutragen, ist für uns keine wirkliche Option, unsere Heimat ist hier in Rödinghausen und die Verbundenheit mit unserer Region und unseren Fans hier vor Ort ist uns sehr wichtig", sagt Geschäftsführer Alexander Müller.

Neben einem Stadion-Ausbau oder -Umzug hätten die Grün-Weiß-Schwarze auch weitere Projekte extrem ankurbeln müssen: eine Rasenheizung, ein TV-Studio, ein Stellplatz für die Übertragungswagen von mindestens 400 Quadratmetern, großzügige Toilettenanlagen oder auch neue Parkplätze. "Der DFB stellt die Anforderungen für die 3. Liga bei sämtlichen Vereinen auf eine Stufe, egal, ob du jetzt in Duisburg, München oder Rödinghausen spielst", sagt Müller. Ein Umbau des derzeitigen Stadions sei nicht möglich. Ein Neubau – und nur durch einen solchen wären die Bedingungen langfristig zu erfüllen – sei weder wirtschaftlich noch nachhaltig.

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Sieben Punkte Vorsprung, aber definitiv kein Aufstieg in den Profifußball: Der SV Rödinghausen verzichtet auf die 3. Liga. Grund sind die hohen Auflagen des DFB. Der rasante Aufstieg innerhalb von zehn Jahren aus der Kreisliga A zum Spitzenreiter der Regionalliga West wird durch diese harte Bremsung gestoppt. Geschäftsführer Alexander Müller sieht in dem Verzicht aber auch die Möglichkeit, nicht dem übertriebenen Leistungsdruck zu verfallen. „So kann sich der Verein weiter entwickeln. Wir haben jetzt Raum, um gesund und nachhaltig weiter zu wachsen.“ Respekt für diese Entscheidung, SV Rödinghausen! Hintergründe und Reaktionen auf 👉 sportbuzzer.de/aufstieg @sv_roedinghausen @regionalliga_west_offiziell @3.liga #GABFAF #Amateurfußball #svroedinghausen #regionalliga #regionalligawest #dritteliga #dfb ��

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In zehn Jahren aus der Kreisliga an die Regionalliga-Spitze

"Oberflächlich betrachtet kannst du das niemandem erklären. Etwas genauer betrachtet ist das jedoch die einzig richtige Entscheidung. Wenn man die Entwicklung des Vereins betrachtet, dann können alle Beteiligten einfach nur stolz sein. Der SV Rödinghausen – so wie man ihn heute kennt – sollte ursprünglich einmal eine perfekte Spielstätte zur Förderung des Nachwuchsfußballs in der Region werden. Es war nie geplant, dass man es in zehn Jahren von der Kreisliga A zum Spitzenreiter der Regionalliga West schafft. Das haben wir uns langsam erarbeitet, nachhaltig, vernünftig, und doch mit ganz viel Spaß", so Müller.

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Die Klub-Verantwortlichen informierten neben dem Trainer natürlich auch die Spieler. Und wie man sich vorstellen kann, sorgte die Entscheidung nicht gerade für Begeisterung. "Jeder verarbeitet so eine Nachricht auf seine Art und Weise. Ich habe in der Kabine große Trauer und Enttäuschung sowie Tränen gesehen. Aber auch Wut und Empörung. Ich selbst bin einfach fassungslos und enttäuscht. Ich kann das alles noch nicht so recht realisieren", sagte SVR-Kapitän Daniel Flottmann im Gespräch mit RevierSport. Auf dem Platz gab er mit seinem Team zuletzt mit einem 4:1-Sieg beim Wuppertaler SV die richtige Antwort auf die Spekulationen über eine jetzt möglicherweise unmotivierte Mannschaft.

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SVR-Geschäftsführer Müller: "Wollen jeden Spieler besser machen"

Beim SV Rödinghausen stehe jetzt die Entwicklung von neuen Talenten ganz oben auf der To-Do-Liste. Geschäftsführer Alexander Müller: "Wir wollen jeden Spieler besser machen. Wir wollen fördern, so wie bisher auch. Unser Verein darf auch in Zukunft eine Art Qualitätszentrum für den Fußball sein. Wir wollen auch in Zukunft zu den Topmannschaften der Regionalliga zählen und uns möglichst für den DFB-Pokal qualifizieren." So wie 2018, als der SVR gegen den FC Bayern München spielen durfte. Das Motto beim SV Rödinghausen lautet: "Wir sind Rödinghausen. Wir bleiben Rödinghausen. Wir bleiben Regionalliga."