21. Juli 2020 / 09:42 Uhr

SV Todesfelde blickt mit Wehmut auf die Fußball-Regionalliga

SV Todesfelde blickt mit Wehmut auf die Fußball-Regionalliga

Jürgen Brumshagen
Kieler Nachrichten
Das Lächeln wirkt gequält: Holger Böhm, Vorsitzender des SV Todesfelde.
Das Lächeln wirkt gequält: Holger Böhm, Vorsitzender des SV Todesfelde. © Christian Detlof
Anzeige

Dieses Szenario hätte wohl nicht einmal ein Hellseher vorhergesagt: In der kommenden Saison gibt es im norddeutschen Amateurfußball eine verkappte Spielklasse Hamburg / Schleswig-Holstein. In der Vorrunde der Regionalliga-Nordstaffel tummeln sich bis auf die niedersächsischen Elbe-Vereine Lüneburger SK und SV Drochtersen/Assel ausschließlich Klubs aus diesen beiden Bundesländern – und der SV Todesfelde sieht mit einer dicken Träne im Auge zu.

Anzeige
Anzeige

„Wenn ich den Schalter umlegen könnte, würde ich sofort mit Phönix Lübeck tauschen“, sagt Todesfeldes Vereinschef Holger Böhm. Weil sich sein Verein hinsichtlich der baulichen Veränderungen im Stadionbereich sowie der administrativen Infrastruktur noch nicht reif für den Sprung nach oben fühlte, wurde im März auf die Meldung für die 4. Liga verzichtet. Statt Oberliga-Staffelsieger Todesfelde kletterte der Tabellenzweite Phönix nach oben. Die Todesfelder, die gestern mit der Vorbereitung begannen, finden sich im Süden einer regional geteilten Oberliga Schleswig-Holstein wieder, die Böhm augenzwinkernd eine Premium-Landesliga Holstein nennt.

Mehr Fußball aus der Region

„Wir haben nichts falsch gemacht, gucken nun aber trotzdem irgendwie blöd aus der Wäsche“, meint Böhm. „Als die Lizenz beantragt werden musste, konnte niemand ahnen, wie sehr Corona den Spielbetrieb durcheinander wirbelt.“ In der Regionalliga-Nordstaffel mit Altona 93, SV Drochtersen/Assel, SC Weiche Flensburg 08, Hamburger SV II, Heider SV, Holstein Kiel II, Lüneburger SK, FC Eintracht Norderstedt, FC St. Pauli II und FC Teutonia 05 Hamburg hätte Böhm seine Mannschaft gern gesehen. „Tolle Gegner, kurze Wege und wir hätten eine echte sportliche Chance, in der Vorrunde den Grundstein zum Klassenerhalt zu legen.“

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zur Saison 2015/16 wechselte Rafael Czichos vom damaligen Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt zum Ligakonkurrenten Holstein Kiel. Nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga am Ende der Spielzeit 2017/18 schloss er sich dem 1. FC Köln an. Seine Bilanz bei Holstein Kiel: 111 Spiele (16 Tore). Zur Galerie
Zur Saison 2015/16 wechselte Rafael Czichos vom damaligen Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt zum Ligakonkurrenten Holstein Kiel. Nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga am Ende der Spielzeit 2017/18 schloss er sich dem 1. FC Köln an. Seine Bilanz bei Holstein Kiel: 111 Spiele (16 Tore). ©

Beweisen kann das die Elf von Teamchef Sven Tramm und Trainer Bastian Holdorf nicht. Mitte März brachte die Corona-Pandemie den Fußball-Spielbetrieb zum Erliegen. Am 27. März gab der SV Todesfelde nach intensiven internen Diskussionen bekannt, nicht für die Aufstiegsrunde zur Regionalliga mit Hamburg, Niedersachsen und Bremen zu melden. Im April wurde die bis dahin ausgesetzte Oberliga-Saison abgebrochen. Nach nur 19 von 30 geplanten Partien wurden die Todesfelder zum Staffelsieger erklärt. Der Quotient der Elf von Teamchef Sven Tramm und Trainer Bastian Holdorf war besser als der von Phönix Lübeck. Die Lübecker stiegen aber in der weiteren Entwicklung ohne Relegation in die 4. Liga auf, die ab Mitte September in einer Nord- und Südgruppe gestartet werden soll.

Für eine ähnliche Aufteilung stimmte auch die Mehrheit der Vereine aus der schleswig-holsteinischen Oberliga. In der Südgruppe trifft der SV Todesfelde auf Eutin 08, Oldenburger SV, PSV Neumünster, SV Eichede, SV Preußen Reinfeld, VfB Lübeck II, FC Dornbreite Lübeck und den TSV Pansdorf. Die Todesfelder präferierten den mit sechs gegen zwölf Stimmen gescheiterten Vorschlag, alle 18 Oberligisten erst einmal eine einfache Punktrunde austragen zu lassen, bevor Meister und Absteiger ermittelt werden.

„Nun ist es, wie es ist“, sagt Böhm, dessen Team erneut zum Angriff auf den Oberliga-Titel blasen will. Mit dem Ziel, im Frühjahr 2021 in die Regionalliga aufzusteigen. Die in der Saison 2021/22 aber wieder eingleisig und damit für „Deathfield“ weit weniger maßgeschneidert sein dürfte.