10. Dezember 2020 / 20:58 Uhr

SV Todesfelde: Lebenslänglich für Keeper Fabian Landvoigt

SV Todesfelde: Lebenslänglich für Keeper Fabian Landvoigt

Finn Hofmann
Lübecker Nachrichten
Fabian Landvoigt ist die unumstrittene Nummer Eins Im Kasten der Segeberger.
Fabian Landvoigt ist die unumstrittene Nummer Eins Im Kasten der Segeberger. © Agentur 54°
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7 Zentimeter haben gefehlt, um beim FC Bayern München berücksichtigt zu werden - statt beim VfB Lübeck zu bleiben ging es zu Eutin 08 - beim SV Todesfelde ist Landvoigt laut Trainer Sven Tramm der aktuell beste Torwart der Oberliga

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Fabian Landvoigt spielt seit 2016 für den SV Todesfelde. Und verlängerte im Frühjahr 2020 nicht wie sonst für ein weiteres Jahr, sondern gab seinem SVT ein Eheversprechen – lebenslänglich Todesfelde für den 1,80 Meter großen Schlussmann!

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Probetraining beim FC Bayern München

Dass Landvoigt (ehemals Oeser) überhaupt beim SV Todesfelde unter Vertrag steht, ist auch seiner für einen Torhüter geringen Körpergröße zuzuschreiben. „Wenn er acht Zentimeter größer wäre, würde er sicherlich im Profibereich spielen und nicht bei uns“, vermutet Teamchef Sven Tramm. Als C-Jugendlicher überzeugte Landvoigt beim Probetraining des FC Bayern München, wurde lediglich aufgrund seiner Körpergröße nicht weiter berücksichtigt. „Die haben gesagt, es liege nicht an der Qualität, sondern einzig und allein an der Größe. Die gucken erst ab 1,87 Metern aufwärts. Ich habe extra einen Knochentest machen lassen, um meine Endgröße zu erfahren. Aber damals hieß es schon, dass bei 1,80 Meter Schluss ist“, erzählt der 26-Jährige, der auch die Möglichkeiten hatte, beim VfL Wolfsburg oder Hansa Rostock im Internat anzuheuern.

Von VfB Lübeck zu Eutin 08

Allerdings seien ihm seine Freunde damals wichtiger gewesen, weshalb er sich dem VfB Lübeck anschloss, wo er die U17 und U19 durchlief. „Ich hätte dann auch in den Herrenbereich gehen können, mich aber hinten anstellen müssen und das wollte ich nicht. Als junger Torwart muss man spielen“, findet er. Da kam das Angebot vom ambitionierten Verbandsligisten Eutin 08 gerade recht. Landvoigt setzte sich sofort durch und stieg mit dem Verein die Schleswig-Holstein-Liga auf.

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Ehefrau über die Hallenmasters kennengelernt

Erst das Hallenmasters 2015 brachten Landvoigt und Todesfelde ein Stück näher zusammen. Denn der damalige Eutin-Goalie Fabian Oeser fiel einer gewissen Rieke Landvoigt ins Auge, die im Nachgang nicht zögerte, eben jenen zu kontaktieren. „Eine Zeit später sind wir dann zusammengekommen und dann war Todesfelde in Sichtweite“, erzählt er. Denn der eigentlich gelernte Maurer bekam vom Schwiegervater in spe das Angebot, bei dessen in Bark ansässiger Firma (rund zwei Kilometer vom Joda-Sportpark entfernt) in die zweijährige Lehre zum Zimmerer zu gehen. Im August 2015 begann Landvoigt die Ausbildung, besucht seit August 2019 die Meisterschule und erwartet in Kürze die Prüfungsergebnisse. Seine Frau Rieke Landvoigt heiratete er im Sommer 2019 und soll auf lange Sicht die Firma des Schwiegervaters übernehmen.

Kurze Zeit Stürmer in der Kreisliga

Im Sommer 2016 wechselte Landvoigt „um zu verschnaufen“ kurzzeitig zum MTV Ahrensbök in die Kreisliga und wollte als Stürmer auf Torejagd gehen. Nach wenigen Wochen brach er die Zelte jedoch wieder ab – der Reiz habe gefehlt. Und das Angebot vom SV Todesfelde flatterte ins Haus. „Dass wir Fabian dann bekommen haben, war ein Glücksgriff. Und er hat seitdem eine richtige Verwandlung durchgemacht. Anfangs war er immer der letzte, der kam und der erste, der ging. Mittlerweile ist es anders herum“, erzählt Tramm und sagt: „Es war schön mit anzusehen, wie er erwachsen wurde.“

Lukas Benner kam nicht an Landvoigt vorbei

Zwischen den Pfosten bewies Landvoigt gleich seine Wichtigkeit, wechselte sich anfangs mit Danny Schramm ab und ist bis heute die unumstrittene Nummer Eins des Vereins. Und das trotz namhafter Konkurrenz wie zuletzt Lukas Benner, über den Tramm bei dessen Weggang folgendes sagte: „Er wäre in jedem anderen Oberliga-Team die Nummer Eins“. An Landvoigt kam der 24-Jährige allerdings nie so recht vorbei, weshalb Benner im letzten Sommer in die Oberliga Hamburg zu Barmbek-Uhlenhorst wechselte. „Wir sind immer noch befreundet und haben viel Kontakt“, verrät Landvoigt über seinen Ex-Mitspieler.

"Er ist ein echter Kerl, ist straight und korrekt, labert nicht drum herum."

Gegenüber dem LN-Sportbuzzer erzählt Benner, der für BU in der laufenden Saison noch kein Pflichtspiel bestritt: „Fabi ist ein sehr guter Freund mit dem du jeden Mist machen, aber auch sehr seriöse Gespräche führen kannst. Er ist ein echter Kerl, ist straight und korrekt, labert nicht drum herum. Er hat eine klare Kante und man weiß immer, woran man bei ihm ist. Sportlich gesehen ist er eine Maschine und total athletisch. Dafür tut er aber auch viel und ernährt sich entsprechend.“ Zwei Jahre lang versuchte Benner vergeblich, an Landvoigt vorbei zu kommen. „Das fiel mir nicht leicht und trotzdem gab es deshalb nie Streit. Ich durfte dafür in den Pokalspielen ran und weiß noch genau, wie sehr sich Fabi für mich gefreut hat, als wir im Landespokal-Halbfinale SC Weiche Flensburg besiegt haben. Er kam direkt zu mir und hat sich mit mir gefreut!“

SHFV-Pokalfinale 2019/2020: SV Todesfelde gegen VfB Lübeck (3:2)

Ein gemeinsames Statement, das wohl alle Spieler als Botschaft an die Fans unterstützen würden: Ihr fehlt!.  Zur Galerie
Ein gemeinsames Statement, das wohl alle Spieler als Botschaft an die Fans unterstützen würden: "Ihr fehlt!".  ©

Witzige Anekdote von Benner

Während des Gesprächs gibt Benner eine Anekdote zum besten und fängt beim Erzählen immer wieder an zu lachen: „Wir wussten immer um unser Standing und haben das nie ausgenutzt“, beginnt er. Aber: „Manchmal haben wir uns nicht so warmgemacht, wie es sich für zwei Torhüter im Konkurrenzkampf gehört. Und als es mal eine Torschussübung gab, von der wir nichts hielten, haben wir einen Wettbewerb gemacht, wessen Kleidung am Ende der Übung am saubersten ist und wer es schafft, sich am wenigsten hinzuschmeißen. Da schauten wir uns immer schelmisch an und lachten, wenn dann doch jemand am Boden lag.“

Bester Torhüter der Oberliga

Für Sven Tramm ist Landvoigt der beste Torwart der Oberliga. „Wie er sich bewegt, ist phänomenal. Es ist Wahnsinn, was er alles herausfischt wenn wir im Training auf die Kiste knallen. Dazu strahlt er eine große Ruhe aus, sodass man nie das Gefühl hat, dass etwas schiefgehen könnte.“ Das Lob freue Landvoigt zwar, über seine eigenen Stärken zu sprechen widerstrebt ihm allerdings. „Eigenlob stinkt“, so der Torwart, der seine Körpergröße zwar als Schwäche auslegt – wegen der er sich jedoch auch Iker Casillas (1,82 Meter) zum Vorbild nahm, weil er ähnliche Bewegungsabläufe wie der spanische Welt- und Europameister an den Tag zu legen hat.

Aufstieg in die Regionalliga fehlt

Hinter einigen seiner sportlichen Ziele konnte Landvoigt in der erfolgreichen letzten Saison schon einen Haken machen. Was noch fehlt, ist der Aufstieg in die Regionalliga, der letzte Saison sportlich zwar möglich war. Der Verein wollte sich infrastrukturell und finanziell jedoch zunächst besser wappnen, um nicht Gefahr zu laufen, gleich wieder abzusteigen. „Wir Spieler hätten alle Bock gehabt und waren bereit. Die Argumente dagegen waren aber auch verständlich.“

Für immer dem SVT treu!

Für ihn sei der zusätzliche Aufwand händelbar. „Dann muss ich eben künftig aufs samstägliche Arbeiten verzichten“, scherzt Landvoigt, der in Bark Tür an Tür mit Stürmer Morten Liebert wohnt. Das sportliche Ziel ist mit dem Aufstieg in die Regionalliga Nord also klar definiert. Doch selbst wenn das nicht klappen sollte – den SVT zu verlassen kommt für ihn nicht mehr in Frage. „Ich kann mir keinen besseren Verein vorstellen, bei dem es sowohl sportlich, als auch persönlich passt. Dass man mal den Verein wechselt, ist normal. Aber ich finde, man sollte seinem Verein ab einem gewissen Zeitpunkt auch treu bleiben.“