24. Dezember 2020 / 15:25 Uhr

FCE meets SVW: Christian Rauhut, Tim Barten, Boban Aleric und die Prise Eldagsen in Bremen

FCE meets SVW: Christian Rauhut, Tim Barten, Boban Aleric und die Prise Eldagsen in Bremen

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Christian Rauhut (von links), Tim Barten, Boban Aleric transportieren etwas Eldagser Landesliga-Atmosphäre zum SV Werder Bremen.
Christian Rauhut (von links), Tim Barten, Boban Aleric transportieren etwas Eldagser Landesliga-Atmosphäre zum SV Werder Bremen. © imago images/Nordphoto
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Für sie ist das DFB-Pokalspiel zwischen 96 und Werder Bremen eine ganz besondere Sache gewesen: Christian Rauhut, Tim Barten und Boban Aleric kommen aus der Region, sind Ex-Spieler und noch immer Mitglieder des FC Eldagsen - und arbeiten für den Bundesligisten aus der Hansestadt.

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In Werder Bremen steckt eine Menge Hannover. Niclas Füllkrugs Faible für seine Geburtsstadt hat sich mittlerweile herumgesprochen. Auch dass Maximilian Eggestein als Sohn des früheren Zweitligaspielers Karl Eggestein in Havelse fußballerisch sozialisiert wurde, wissen Sportexperten. Und mit Leonardo Bittencourt steht noch ein dritter Spieler mit 96-Vergangenheit im Kader der Hanseaten.

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Doch das war es noch lange nicht mit den hannoverschen Genen im grün-weißen Lager. Denn mit Tim Barten, Boban Aleric und Christian Rauhut gehörte am Mittwoch ein weiteres Trio aus dem Umland der niedersächsischen Hauptstadt zum Bremer Team, das Abend vor Heiligabend in der 2. Runde des DFB-Pokals in der HDI-Arena antrat - und sich mit 3:0 durchsetzte. Alle drei wuchsen in Eldag­sen auf und spielten lange für den dortigen FCE, aktuell in der Landesliga Süd am Ball.

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Heute ist Barten Teammanager der Norddeutschen und Aleric als Zeugwart tätig, während Rauhut als Vertriebsdirektor hinter den Kulissen wirkt. Die Eldagser Enklave an der Weser ist zwar kein Programm gewesen. Purer Zufall ist es aber auch nicht, dass dort drei frühere Fußballweggefährten zu Arbeitskollegen wurden. Manchmal hilft ein kleiner Tipp ja schon aus. Eine Prise Vitamin B schadet nie.

Wichtig: Tim ist nicht der Bruder von Mike Barten

Schon seit 2009 ist Barten an der Weser fest angestellt. Zu Beginn noch in der Sponsoring- und Marketingabteilung, rückte er 2013 ganz nah an die Mannschaft heran und ist in seiner aktuellen Position nach eigener Aussage für „alles, was nicht auf dem Fußballplatz stattfindet“, zuständig. Die Aufstellung des Teams hinter dem Team, die sportmedizinische Abteilung oder die Organisation von Reisen fallen in das Ressort des ­44-Jährigen.

Barten und Werder – da war doch mal was ... „Mit Mike Barten bin ich nicht verwandt“, stellt Tim aber direkt klar. „Auch wenn das meistens die erste Frage ist, wenn ich mich hier irgendwo vorstelle.“

Geschenkt also, dass auch SVW-Trainerikone Thomas Schaaf anfänglich ein wenig ins Schlingern kam. „Wundere dich nicht, wenn ich manchmal Mike zu dir sage“, habe Schaaf, unter dem Mike Barten 34-mal in der Bundesliga für die Grün-Weißen auflief, ihn zur Begrüßung vorgewarnt. Bei Wikipedia werden die beiden Gleichnamigen fälschlicherweise als Brüder tituliert. „Aber das hat mir in Gesprächen als Opener häufig sehr geholfen“, sagt Tim Barten und lacht.

Bilder vom Spiel der 2. Runde des DFB-Pokals zwischen Hannover 96 und Werder Bremen

Hannovers Hendrik Weydandt (Mitte) springt höher als Christian Groß (links) und Niklas Moisander. Zur Galerie
Hannovers Hendrik Weydandt (Mitte) springt höher als Christian Groß (links) und Niklas Moisander. ©

Als Defensivspieler hielt er früher die Gegner vom Eldagser Tor fern. „Typ aggressiver Wadenbeißer“, foppt ihn Aleric. Überhaupt ist der Ton innerhalb des Trios sehr flapsig. Typischer Bokerduktus; man nimmt sich auf den Arm, wo es nur geht.

Weiter vorn war Rauhut für das kreative Moment im Spiel der Gelb-Schwarzen zuständig. Ähnlich wie seit dreieinhalb Jahren im Job bei der Suche nach Sponsoren. Auch das Ticketing fällt in Rauhuts Zuständigkeitsbereich. In Bremen ist er seit 2013. Jahrelang kickten Barten und Rauhut zuvor für die Eldagser Männer, nachdem sie der FCE-Jugend entwachsen waren, wo sie aufgrund ihres Altersunterschieds – Rauhut ist zwei Jahre jünger – allerdings nicht im selben Team gestanden hatten.

Rauhut und Barten erinnern sich gern an Aufstieg 2000

Der größte Erfolg mit dem Heimatklub? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. „Der Bezirksklassenaufstieg 2000 in Degersen“, sagt Rauhut, der sich seinerzeit genau wie Barten in die Torschützenliste eintragen konnte. „So weit habe ich es sportlich leider nicht gebracht“, wirft Aleric ehrlich ein. „Ich stand immer eher an der Seitenlinie.“ In betreuender Funktion, indes auch als Kicker der zweiten und dritten Mannschaft sowie bei den Altherren.

Und nun also seit 2019 Bundesliga, wo der 38-Jährige kürzlich bundesweit Schlagzeilen schrieb, als er beim Gastspiel in München so laut durch die Allianz-Arena krakeelte, dass es selbst Bayern-Trainer Hans-Dieter Flick irgendwann zu bunt wurde. „Wir geben bei jedem Spiel Vollgas und versuchen immer, die Unterstützung aus der Landesliga in die Bundesliga zu transportieren“, sagt Aleric grinsend.

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Auf seine Aufgaben angesprochen, erläutert er: „Klar ist die Waschmaschine ein Teil meines Jobs. Aber ich bin insgesamt dafür zuständig, dass die Spieler immer die nötige Ausrüstung bekommen. Und habe ein Ohr für Sonderwünsche, damit die Jungs sich voll auf Fußball konzentrieren können.“ Zeugwart, das klingt sowieso etwas wie aus den Siebzigerjahren. Barten liefert dann auch einen zeitgemäßeren Begriff. „Sportdirektor Frank Baumann hat ,Bobo’ als Logistikmanager vorgestellt“, sagt er.

Barten ist ebenfalls Tribünendauergast. Dabei nur ruhig am Rand zu sitzen, ist auch seine Sache nicht. So sah er in der abgelaufenen Saison in der Partie beim SC Freiburg Gelb von Schiedsrichter Robert Hartmann. „Da waren die Geisterspiele noch eine Neuheit“, erklärt er schmunzelnd, „und ich habe versucht, die Fankurve zu ersetzen, so wie ich es aus Eldagsen gewohnt war.“ Und er hatte trotz der Verwarnung damit Erfolg: „Wir haben ja gewonnen. Das war die entscheidende Wende in Richtung Klassenerhalt.“

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Levestes Sascha Romaus überwindet Kirchdorfs Schlussmann Jens Trampenau und trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich. ©

Vereinsmitglieder bei ihrem FC Eldagsen sind die drei Wahlbremer übrigens bis heute – die Eltern wohnen ebenfalls allesamt noch vor Ort. „Und montags geht mein erster Blick immer direkt auf die Landesliga­tabelle“, sagt Barten, der mit der Bremer Reservemannschaft sommers häufig zum Testkick an der Hindenburgallee vorbeikommt.

Eine 96-Historie haben alle drei überdies; sportlich (Rauhut und Barten als Jugendspieler) wie beruflich (alle drei). Es war also in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Spiel am Abend vor Heiligabend. Für Füllkrug, Eggestein und Bittencourt, aber eben auch für Rauhut, Barten und Aleric.