12. Mai 2020 / 18:38 Uhr

SV Zehdenick: Oberhavels vierter Brandenburgligist

SV Zehdenick: Oberhavels vierter Brandenburgligist

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Daniel Runge (seit Juli 2015): Jürgen Bogs musste trotz der lang ersehnten Meisterschaft gehen. Mit Daniel Runge hatte der SVZ aber sofort einen Nachfolgekandidaten parat. Dieser hatte sich erst kurz zuvor beim 1. SV Oberkrämer verabschiedet. „Er war unser Wunschkandidat, freute sich Manager Ronny Erdmann. In der Landesliga schaffte Runge mit Zehdenick 2015/16 den Klassenerhalt und führt den Club ein Jahr später gar auf Rang fünf.
Daniel Runge und sein Team treten im nächsten Jahr in der Brandenburgliga an. © Christoph Brandhorst
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Landesliga Nord: Der SV Zehdenick steigt in die höchste Landesspielklasse auf – Verfolger Fortuna Glienicke gratuliert.

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Am Montagabend kam Ronny Erdmann erst spät in den Schlaf. „Bis 2 Uhr war ich sicherlich wach“, sagt der Manager des SV Zehdenick. Seine Mannschaft steigt als aktueller Spitzenreiter der Landesliga Nord – und auch unter Berücksichtigung der Quotientenregel – in die Brandenburgliga auf. „Ich war fix und fertig, als wenn ich 120 Minuten Fußball gespielt habe“, erinnert sich Erdmann an die Momente, als aus dem Traum Gewissheit wurde. Ausgerechnet im Jahr des 100-jährigen Bestehens komplettiert der SVZ künftig ein Oberhavell-Quartett in Brandenburgs höchster Spielklasse, zu dem auch TuS Sachsenhausen, der Oranienburger FC und der SV Altlüdersdorf zählen.

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Das ist die Abschlusstabelle der Brandenburgliga. © SPORTBUZZER-Grafik

„Ich hatte bestimmt 20 Minuten Gänsehaut, es sind auch Tränen geflossen“, gibt der Funktionär zu, der vor elf Jahren als Manager übernommen hatte – da waren die Havelstädter gerade in die Landesklasse abgestiegen. „Jetzt in die Brandenburgliga aufzusteigen, das ist ein Märchen!“ Gerührt hätten ihn auch die zahlreichen Gratulationen per Anruf oder Nachricht. Eine SMS freute Ronny Erdmann besonders: die von Sascha Flemming, dem Coach von Fortuna Glienicke, dem Verfolger der Zehdenicker, der in 17 Spielen drei Zähler weniger gesammelt hatte. Das Rückspiel zwischen beiden Teams hätte zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung noch ausgestanden. „Ich wünsche Glienicke, dass sie in der neuen Saison erneut angreifen können“, so Erdmann.

Auch der Aufstiegstrainer denkt in der Stunde des Triumphes an den Zweitplatzierten. „Natürlich habe ich mich zuerst gefreut, auch wenn wir das gerne sportlich ausgetragen hätten“, sagt Zehdenick-Coach Daniel Runge, „aber der zweite Gedanke ging dann auch schon nach Glienicke. So eine Situation wünscht man sich nicht.“

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Der Zehdenicker Manager hatte zwischenzeitlich selbst nicht mehr an ein Happy-End im Jubiläumsjahr geglaubt. „Wir hatten zwischendurch mehrfach Kontakt zu höheren Stellen, aber irgendwann hatte ich es ein bisschen aufgegeben“, sagt Ronny Erdmann, der nun keinen großen Umbruch plant. „Wir wollen den Jungs vertrauen, die diesen Erfolg geschafft haben. Verstärkungen wird es nur punktuell geben.“ In einer teaminternen Umfrage habe sich zuvor der Großteil der Mannschaft dafür ausgesprochen, das Abenteuer Brandenburgliga mit dem SV Zehdenick in Angriff nehmen zu wollen.

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Daniel Runge spricht von einer „großen Herausforderung“, vor der nun der gesamte Verein stehe. Man müsse sich erkundigen, was es an Auflagen für die neue Spielklasse zu erfüllen gilt. „Aber es freut mich riesig für den Verein und die Jungs“, so Runge. Sportlich habe man seit Jahren darauf hingearbeitet. „Wir sind glücklich, dass wir am Ende nicht um den Lohn unserer Arbeit gebracht wurden“, sagt der SVZ-Trainer, der sich zwischenzeitlich auch schon mit dem Szenario auseinandergesetzt hatte, dass die Saison annulliert wird und die Zehdenicker nicht aufsteigen dürfen. „So geht es meiner Meinung nach aber auch sportlich in Ordnung – zumindest bis hierher“, findet Runge. „Wir haben die meisten Tore erzielt und die wenigsten kassiert“, verweist er auf das Torverhältnis.

Auch eine zünftige Aufstiegsparty soll es noch geben. Ronny Erdmann: „Es ist schwer, so etwas jetzt zu planen. Aber wenn es soweit ist, werden wir Zehdenick abreißen“, verspricht der SVZ-Manager. Und vielleicht gibt es ja sogar einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.