20. Juni 2019 / 17:34 Uhr

Turbines Svenja Huth und die Sehnsucht nach dem Pizzastück

Turbines Svenja Huth und die Sehnsucht nach dem Pizzastück

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Svenja Huth ist bei der WM Stammspielerin im deutschen Team, genau wie zwischen 2015 und 2019 bei Turbine, wo sie in der vergangenen Saison auch Kapitänin war. Ab diesem Sommer geht Huth dann für den VfL Wolfsburg auf Torejagd.
Turbines Svenja Huth (l.) stand bislang in allen drei WM-Spielen der deutschen Nationalmannschaft in der Startelf. © Maja Hitij/Getty Images
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Frauen-WM: Bei der Weltmeisterschaft in Frankreich hat Svenja Huth von Turbine Potsdam bislang noch keinen Treffer erzielt. Aber den Stellenwert der Vizekapitänin schmälert das nicht.

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Es ist nicht zu behaupten, dass deutsche Fußballerinnen ihre medialen Pflichten mit Unwillen erledigen. Meistens verhalten sich die Spielerinnen wie wohlerzogene Schwiegertöchter, die auf alle Fragen ausführlich antworten – selbst wenn sich diese bei einer einen Monat währenden Frauen-WM naturgemäß irgendwann wiederholen. Zwei Tage vor dem WM-Achtelfinale in Grenoble (Samstag 17.30 Uhr/ ZDF) erschien nun Svenja Huth zum Verhör in einem Anbau direkt am Trainingsplatz am Paul-Bourgeat-Komplex in den Ausläufern von Grenoble. Ein kleiner Raum mit schlechter Luft.

Ab dem 1. Juli beim VfL Wolfsburg

Aber für die Frohnatur aus dem bayrischen Alzenau, die beim Turnier noch als Spielerin von Turbine Potsdam geführt wird, aber ab 1. Juli beim VfL Wolfsburg unter Vertrag steht, kein Grund, schlechte Laune zu verbreiten. Oder sich über das lange Warten auf den Achtelfinalgegner zu beschweren. „Wir wollen uns ohnehin mehr auf unser Spiel fokussieren“, versicherte die 28-Jährige. „Ich finde, dass wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert haben.“ Sie steht schon typbedingt für eine Sichtweise, ein Glas eher als halbvoll denn als halbleer zu betrachten.

Diese zwölf ehemalige oder aktuelle Turbine-Spielerinnen sind bei der WM dabei.

Insgesamt zwölf aktuelle oder ehemalige Spielerinnen von Turbine Potsdam spielen bei der WM für ihr Land. Zur Galerie
Insgesamt zwölf aktuelle oder ehemalige Spielerinnen von Turbine Potsdam spielen bei der WM für ihr Land. ©
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Der deutschen Nummer neun wäre beispielsweise vorzuhalten, dass sie noch an keinem der sechs deutschen Tore als Vollstreckerin oder Vorlagengeberin beteiligt war, obwohl sie dreimal in der Startelf stand. Immerhin: Sie schlug gegen Spanien die Flanke, woraufhin Alexandra Popp köpfte und Sara Däbritz abstaubte. Mehr war noch nicht, was sie aber nicht weiter stört, wie sie sagte: „Ich gehe gut damit um. Weil es nicht nur darauf ankommt, Tore zu schießen.“ Die 47-fache-Nationalspielerin (sieben Tore) bringt Einsatz, Kampfgeist und Laufbereitschaft ein. Die typischen Wesensmerkmale einer DFB-Auswahl, die fußballerische Akzente nur sehr selten setzte.

Huth sicherte das direkte WM-Ticket

Ohne Huth wäre Deutschland vielleicht nur über Umwege nach Frankreich gekommen: Erst ihr Doppelpack im wegweisenden Qualifikationsspiel auf Island sicherte das direkte WM-Ticket. Dass damals über dem Nationalstadion von Reykjavik ein Regenbogen erschien, passte zur persönlichen Entwicklung der Offensivallrounderin. Sie hatte für die neue Saison auch Anfragen vom FC Bayern und aus dem Ausland vorliegen, entschied sich aber „bewusst“ für den Wechsel zum Doublesieger Wolfsburg.

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Mit der Ernennung zur Vizekapitänin steht Huth inzwischen auch in der Hierarchie beim DFB-Team weit oben. Sie weiß beispielsweise genau, wie Ersatzspielerinnen angefasst werden müssen, weil sie diese Rolle vor ihrem Wechsel nach Potsdam viele Jahre beim 1. FFC Frankfurt, aber auch bei der Nationalmannschaft erlebte. „Es ist für die Spielerinnen, die nicht zum Einsatz kommen, immer schwierig. Ich kenne das ja selbst noch. Man muss einfach sensibel auf die anderen zugehen.“

Zimmerpartnerin von Dzenifer Marozsan

Als mentale Stütze fungiert sie derzeit für ihre Zimmerpartnerin Dzsenifer Marozsan, die nach ihrer gebrochenen Mittelzehe des linken Fußes jeden Tag ein Stück näher ans Team rückt. Zuletzt trainierte die Spielmacherin in Turnschuhen ohne Ball. Während Marozsan öffentlich nicht reden mag, sprach Huth über sie. „Ihr geht es gut, sie ist kämpferisch. Dzseni ist positiv und wir sind positiv.“ Im Achtelfinale wird ohne Marozsan gehen müssen. Huth wird sich also wieder die Lunge aus dem Leib rennen. Erstmals werden die Laufdaten bei einer Frauen-WM veröffentlicht, aber Huth ist von Werten wie den 112 Kilometern im Gruppenspiel gegen Spanien nicht überrascht. Auch in Potsdam würde man ja mit dem GPS-Tracker arbeiten.

In Bildern: Die Sommer-Transfers von Turbine Potsdam.

Die Sommer-Transfers von Turbine Potsdam im Überblick. Zur Galerie
Die Sommer-Transfers von Turbine Potsdam im Überblick. ©

Vor jeder Einheit bringen die Nationalspielerinnen sich die Geräte gegenseitig am Trainingsshirt an. Huth hatte noch eine Empfehlung, wie es in der K.o.-Phase noch besser laufen könnte: „Wir haben bisher eine unglaubliche Willensleistung gezeigt. Nur dürfen wir die Bälle, die wir uns erobern, nicht so leicht wieder hergeben. Wir haben noch Luft nach oben.“ Auf Dauer darf es aber auch bei ihr noch ein bisschen mehr sein. Gerade in Sachen Torabschluss. Huth verriet am Donnerstag nämlich: „Wenn ich treffe oder vorbereite sind das die schönsten Glücksgefühle. Ich sage immer: wie ein leckeres Stückchen Pizza.“ War da in den französischen Alpen sogar Heißhunger herauszuhören?

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