18. Juli 2019 / 16:23 Uhr

Svenja Huth vom VfL Wolfsburg: Wechsel war "keine einfache Entscheidung"

Svenja Huth vom VfL Wolfsburg: Wechsel war "keine einfache Entscheidung"

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
War bei der WM am Ball: Svenja Huth (l.) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
War bei der WM am Ball: Svenja Huth (l.) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. © dpa
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Bei der WM blieb sie für Deutschland ohne Tor - beim VfL Wolfsburg soll das deutlich besser laufen. Neuzugang Svenja Huth stand im SPORTBUZZER-Interview Rede und Antwort. Die Neu-VfLerin sprach über die erfolglose WM, die Probleme im deutschen Frauenfußball und ihren Wechsel nach Wolfsburg.

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Frau Huth, fühlen Sie sich nach zwei Wochen Urlaub denn schon gut genug erholt?

Nachdem wir aus Frankreich zurückgekommen waren, habe ich die erste Woche mit meiner Familie verbracht und war danach eine Woche in Griechenland. Da hat man dann doch etwas mehr Abstand und kann die Sonne genießen. Zwei Wochen sind zwar nicht lang für eine Sommerpause, doch da ich hier eine neue Aufgabe in Wolfsburg habe, hat die Zeit auch gereicht. Jetzt bin ich hier und freue mich, dass es so langsam losgeht.

Seit der WM ist nun etwas Zeit vergangen: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Turnier zurück?

Natürlich sind wir total enttäuscht und traurig, dass wir bereits im Viertelfinale ausgeschieden sind. Es wäre gegen Schweden nicht unmöglich gewesen, da wir gut begonnen haben. Doch auch die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele schmerzt. Es qualifizieren sich nur die drei besten Mannschaften aus Europa, aber wenn man sieht, dass es ganze sieben Teams aus Europa ins Viertelfinale geschafft haben, merkt man, dass der europäische Frauenfußball sich extrem entwickelt hat. Da wäre es schön, wenn sich mehr Mannschaften qualifizieren könnten.

Neue Kluft beim neuen Verein: Svenja Huth 
Neue Kluft beim neuen Verein: Svenja Huth  © Jasmina Schweimler
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Wie zufrieden waren Sie mit Ihrer eigenen Leistung?

Ich wurde während des Turniers schon das ein oder andere Mal gefragt, weil mir kein Tor gelungen ist. Aber das steht für mich nicht im Vordergrund. Ich habe auch gesagt, wenn ein Tor fällt, geht es schon ein paar Pässe vor dem Tor los. Die Torschützin steht dann im Endeffekt im Fokus, und das ist auch gut - aber die Trainer sehen auch deine Lauf-/Passwege und bewerten deinen Einsatz. Wir haben aber alle Luft nach oben, das ist uns bewusst. Wir haben das auch nach Siegen angesprochen. Das sind diese typisch deutschen Tugenden, dass wir nie mit unserer Leistung zufrieden sind.

Es gab zur WM einen vielbeachteten Werbeclip von der Commerzbank. In dem hieß es unter anderem, man spiele für "eine Nation, die unsere Namen nicht kennt“. Welche Bedeutung hat das Ganze jetzt nach dem frühen WM-Aus?

Wir stehen nach wie vor total hinter diesem Clip, da wir genau das sehen, was wir auch verkörpern: Dass wir authentisch und humorvoll sind - auch mit dem kleinen Seitenhieb Richtung Außenwelt, die die Frauen-Nationalmannschaft nie so wirklich wahrnimmt oder uns nur bei Turnieren verfolgt. Das sieht man jetzt teilweise auch wieder in den Medien. Drei bis vier Wochen vor dem Turnier und währenddessen gibt’s unheimlich viel Werbung für den Frauenfußball, doch danach flacht es wieder total ab. Der Frauenfußball hier muss allgemein da hinkommen, dass man generell das Interesse hochhält und darüber berichtet. Alle Menschen, die vielleicht alle zwei bis vier Jahre ein Turnier sehen, denken, dass es noch so läuft wie vor 15 Jahren, wo es nur Deutschland und die USA gab.

Die WM hat aber bewiesen, dass dem nicht mehr so ist…

Es gibt so viele starke Nationen. Wir haben im Vorfeld schon gesagt, dass neun bis zehn Nationen Weltmeister werden können. Natürlich brauchst du auch ein wenig Glück auf deiner Seite und eine gute Tagesform. England hat sich gut präsentiert, doch auch Spanien hat bewiesen, dass es immer mehr Nationen gibt, die es draufhaben.

Ist das ein Nachteil für die Frauen-Bundesliga?

Andere legen ganz klar vor und wir müssen schauen, dass wir den Anschluss nicht verlieren. Wir müssen weiter reizvoll für ausländische Spielerinnen bleiben, aber auch die deutschen Top-Spielerinnen müssen gehalten werden.

Welche Verbesserungen schlagen Sie vor, damit der Frauenfußball präsenter wird und bleibt?

Wir sind als Mannschaftsrat der Nationalmannschaft stets mit dem DFB im Austausch, weil wir als Spielerinnen natürlich unseren Standpunkt und unsere Wünsche mitteilen. Klar, das ist immer einfacher, wenn Erfolg da ist, aber wir haben jetzt auch viele Länderspiele in Deutschland. Da muss man gucken, dass man die Stadien voll bekommt. Eine passende Anstoßzeit wäre da beispielsweise ein Anfang. Mitten in der Woche um 16 Uhr können ja oft noch nicht einmal die vor Ort wohnenden Fans kommen, weil sie arbeiten müssen.

Deutschland in Noten: Die Einzelkritik zur Niederlage der DFB-Frauen gegen Schweden

Die Frauen scheitern bei der WM in Frankreich im Viertelfinale. Die Einzelkritik zum letzten Spiel von Deutschland gegen Schweden. Zur Galerie
Die Frauen scheitern bei der WM in Frankreich im Viertelfinale. Die Einzelkritik zum letzten Spiel von Deutschland gegen Schweden. ©

Es wäre ja auch ein Anfang, wenn es mehrere Spiele der Frauen-Bundesliga im TV zu sehen gibt.

Es wäre ein großer Schritt und eine gute Entwicklung, wenn man auch mal Highlights ausstrahlt. Für die Sender hat Frauenfußball erst einmal keine Priorität, weil die Menschen aber vielleicht auch einfach gar nicht wissen, dass es so etwas gibt. Wenn man aber anfängt und merkt, es kommt gut an, dann schalten sie vielleicht öfter ein. Der erste Schritt muss getan werden.

Wenn man schaut, wie viele Spielerinnen es ins Ausland zieht, ist es umso interessanter, dass Sie der Liga treu bleiben.

Ich fühle mich in Deutschland einfach unheimlich wohl. Ich weiß, wie schön es ist, die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal zu gewinnen. Die Aufgabe, das jetzt auch mit dem VfL zu schaffen, ist unglaublich reizvoll. Mir war ganz wichtig, dass ich die Sichtweise des Trainers kenne und wie er mich sieht. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Stephan Lerch. Doch auch Ralf Kellermann ist jemand, der gemeinsam mit Leuten wie Bernd Schröder oder Siggi Dietrich den Frauenfußball sehr geprägt hat. Ich hatte auch Anfragen aus dem Ausland, doch das kommt für mich im Moment nicht in Frage. Ich bin froh, jetzt erst einmal drei Jahre hier zu sein.

Haben Sie lange gebraucht, um sich zu entscheiden?

Ich hatte in Potsdam vier tolle Jahre, konnte mich gut weiterentwickeln und war letzte Saison Spielführerin. Ich hatte da sozusagen alles, was einen als Fußballerin glücklich macht. Aber der letzte Punkt, Titel zu gewinnen und die Champions League zu erreichen, hat zum Schluss gefehlt. Es war keine einfache Entscheidung. Es war ein lachendes und ein weinendes Auge dabei.

Stets bemüht: Bei der WM blieb Svenja Huth (l.) ohne Tor.
Stets bemüht: Bei der WM blieb Svenja Huth (l.) ohne Tor. © dpa

Von Frankfurt nach Potsdam und von Potsdam nach Wolfsburg zu wechseln, ist allerdings ziemlich mutig.

Allerdings (lacht). Die Fans haben das aber toll aufgenommen und konnten die sportlichen Gründe verstehen, auch wenn ich eine gewisse Enttäuschung nachvollziehen kann. Ich war zehn Jahre in Frankfurt, bin mit 16 in die Profi-Mannschaft gekommen und wurde an die Bundesliga rangeführt. Da haben Birgit Prinz, Nia Künzer, Kerstin Garefrekes und Steffi Jones noch gespielt. Das war als junge Spielerin ganz aufregend. Ich hatte aber das Gefühl, da ich aus der Jugend kam, dass ich dieses Bild der „kleinen Sveni“ nicht wegbekomme. Deswegen war es für mich dann an der Zeit, mich neu zu beweisen. Da kam Potsdam ins Spiel und es hat gut gepasst. Das erste Jahr war unter Bernd Schröder, mit dem ich gut klargekommen bin. Matthias Rudolph hat mich zuletzt zur Kapitänin gemacht – es war die beste Entscheidung für mich, damals nach Potsdam zu gehen. Ich habe als Spielerin schon ganz viele Facetten des Sports erlebt. Mittlerweile bin ich 28 und habe schon alles durchgemacht. Das kann ich auch in Wolfsburg gut einbringen.

Sie haben schon alles gespielt - auf welcher Position spielen Sie denn am liebsten?

Offensiv. Heutzutage ist es auch einfach wichtig, dass man unberechenbarer für den Gegner ist und variabel spielen kann. Ich kann als Stürmerin, hängende Spitze oder auf den Außen spielen, rechts sowie links. Ich gebe mir keine feste Position.

Kein Angst vorm Konkurrenzkampf in Wolfsburg?

Durch die ganzen Nationalspielerinnen und den qualitativ hochwertigen Kader allein gibt es schon ein sehr hohes Trainingsniveau, wo man sich persönlich immer weiterentwickeln kann. Ich sage immer, man lernt nie aus, egal in welcher Lebenslage. Ich will mich auch hier noch weiterentwickeln und das dann aufs Spiel übertragen.

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