30. Juli 2020 / 13:10 Uhr

SVG-Neuzugang Lukas Presch spielte beim FC Bayern und hat hohe Ziele

SVG-Neuzugang Lukas Presch spielte beim FC Bayern und hat hohe Ziele

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Lukas Presch ist einer der Neuzugänge bei der SVG. Der 20-Jährige spielte in der Jugend für vier Jahre beim FC Bayern München.
Lukas Presch ist einer der Neuzugänge bei der SVG. Der 20-Jährige spielte in der Jugend für vier Jahre beim FC Bayern München. © Brömsen
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20 Jahre, stark am Ball und eine gute Übersicht: Lukas Presch ist einer von acht neuen Spielern beim Fußball-Oberligisten SVG. Im Gespräch mit Tageblatt-Mitarbeiter Jan-Philipp Brömsen äußert sich der Neuzugang über die Zeit beim FC Bayern, seine ehrgeizigen Ziele und seine neue Heimat am Sandweg.

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Fußball-Oberligist SVG Göttingen hat sich für die neue Saison die Dienste von Lukas Presch gesichert: Der 20-jährige Münchener kann auf eine Jugendzeit beim FC Bayern München zurückblicken und hat noch ehrgeizige Ziele – auch mit seinem neuen Klub vom Sandweg.

Es ist ein gewöhnlicher Freitagnachmittag am Sandweg – Training der Oberligamannschaft der SVG steht an. Kurz nach 16 Uhr fährt ein Auto mit Gandersheimer Kennzeichen vor. Es ist Neuzugang Lukas Presch, der rund eine Stunde vor Trainingsbeginn ankommt. „Er hat eine sehr professionelle Einstellung. Lukas kommt immer so früh“, sagt Trainer Dennis Erkner über seinen neuen kreativen Spieler, der in der vergangenen Saison beim Landesligisten TuSpo Petershütte kickte. „Ich habe ihn im Winter schon einmal angesprochen. Da wollte er noch nicht so recht. Umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt einen Spieler bekommen haben, der Dinge kann, die andere Spieler nicht können“, lobt Erkner.

SVG als neue Herausforderung

Der intelligente kleine Dribbler aus Bayern kommt im ersten Moment ein wenig schüchtern daher, doch schnell wird klar, dass Presch ein aufgeschlossener junger Fußballer ist, der zudem extrem gut kicken kann. Der gebürtige Münchner spielt seit dem sechsten Lebensjahr Fußball. „Die SVG ist eine neue Herausforderung. Es ist mein zweites Herrenjahr“, freut sich der 20-Jährige auf seine neue Aufgabe. Sportlich sei bei seinem neuen Klub „ordentlich Zug dahinter“ und vor allem menschlich mache das Team einen guten Eindruck.

„Das sind alles nette Typen. Ich komme mit denen gut klar“, so Presch, der in diesem Jahr sein Fachabitur absolviert hat und jetzt in seinem Wohnort Bad Gandersheim, der rund 50 Kilometer vom SVG-Trainingsgelände entfernt liegt, ein halbjähriges Praktikum beginnt. Mit der vergangenen Saison war der Neuzugang nicht so zufrieden: „Es lief nicht so gut. Eigentlich waren wir auf einem Abstiegsplatz. Aber es hat ja letztlich gereicht. Die Gegebenheiten bei der SVG sind allerdings deutlich besser“, betont er.

Zeit beim FCB hat geprägt

Der Weg an den Sandweg erfolgte nicht auf dem üblichen Weg – Presch brachte sich bei Coach Erkner selbst ins Gespräch. Ein Angebot von Ligakonkurrent FC Eintracht Northeim schlug der Bayer aus. „Die Gespräche mit Dennis haben mich überzeugt. Die Ziele haben gut zu meinem Profil gepasst.“ Rund 14 Jahre tritt Presch bereits gegen das runde Leder – und hat dabei schon einiges erlebt. Nicht zuletzt die Jugendzeit am FC Bayern Campus blieb SVG-Neuzugang besonders in Erinnerung. „Die Zeit beim FC Bayern hat mich fußballerisch und menschlich sehr geprägt. Man ist auch um die Welt gekommen“, schwelgt Presch ein wenig in Erinnerungen. Ein Turnier in den USA werde er sein ganzes Leben nicht vergessen.

Nach insgesamt vier Jahren war beim deutschen Vorzeigeklub Schluss. Den Sprung in die U19 schaffte Presch nicht. So blieb die U17-Bundesliga als letzte Station am FCB-Campus. Einige Erfolge hatte der 20-Jährige zu verzeichnen, doch viel wichtiger sei die Erfahrung bei den Bayern gewesen. Einige ehemalige Mitspieler aus der damaligen B-Jugendzeit spielen mittlerweile bei prominenten Klubs im Profibereich, doch viele der Teamkollegen haben den Sprung nicht geschafft. „Ich habe zu vielen Spielern noch Kontakt. Beispielsweise habe ich einen sehr guten Draht zu Adrian Fein. Einige Spieler sind auch ins Ausland gewechselt“, erzählt der Münchner. Aus dem Jahrgang habe es jedoch kein Spieler in den Profikader des FCB geschafft.

Anschauungsunterricht bei den Profis konnte sich Presch dennoch holen, denn der Trainingszeit war damals direkt vor der Kabine der Nachwuchsspieler. „Da konnte man sich schon was abgucken.“ Der ehemalige Braunschweiger, spätere Bundesligaprofi und Nationalspieler Wolfgang Dremmler gehörte zu den prominenten Trainern in Preschs Jugendzeit. Mit Tim Walther und Tobias Schweinsteiger wurde der 20-Jährige von weiteren bekannten Namen gecoacht.

Thiago als Vorbild

„Mein Herz ist rot“, antwortet Presch auf die Frage, ob man als Münchner nicht auch Fan von 1860 sei. Im Stadion die Heimspiele des FCB schauen, gehörten früher zum Alltag. Durch die Entfernung sei das nur noch selten möglich. Der im zentralen Mittelfeld beheimatete Presch hat Bayern-Spieler Thiago Alcántara als großes Vorbild. „Ich mag seine Art und Weise, wie er Fußball spielt. Thiago ist technisch stark und spielt oft die tödlichen Pässe. Ich versuche, mir vieles abzuschauen“, sagt der Neuzugang.

Das Ziel, Profifußballer zu werden, hat Presch noch nicht ganz aufgegeben, doch der Dribbler ist in den vergangenen Jahren gereift, und hat gelernt, sich realistisch einzuschätzen. „Ich bin vom Kopf her weiter und muss eigene Entscheidungen treffen. Meine Ziele sind kleiner geworden. Letztes Jahr Landesliga, dieses Jahr Oberliga“, erzählt der Bayer, der schon gern zeitnah in der Regionalliga Fuß fassen würde. Presch betont, dass die SVG keinesfalls nur eine Zwischenstation sei. Vielmehr sei eine gute Saison mit der Mannschaft wichtig.

Presch verspricht den Fans guten Fußball

Mit 20 Jahren kommt Presch schon ziemlich perfekt daher, dennoch sieht er selbst noch ein paar Schwächen: Mehr Ruhe am Ball und ab und zu die richtige Entscheidung treffen – daran müsse er noch arbeiten. „Ich habe ein gutes Spielverständnis und spiele gute Pässe“, so der Youngster zu seinen Stärken. Seinem Team traut er in der kommenden Oberligasaison einiges zu: „Wir brauchen uns auf gar keinen Fall verstecken – die Qualität, auch der Neuzugänge, ist richtig gut.“ Dass Presch sogar die Regionalliga auf längere Sicht für möglich hält, dürfte den Fans am Sandweg sicherlich gefallen. „Wir werden guten Fußball zeigen. Den kann man sich immer anschauen“, wirbt der SVG-Neuzugang für einen guten Zuschauer-Support.

Neben der intensiven Vorbereitung mit der SVG schaltet der 20-Jährige oftmals im Fitnessstudio ab – und hält sich zudem dort fit. Mit Freunden etwas unternehmen oder einfach an der Northeimer Seenplatte chillen gehören aber ebenso zum Alltag.

Mehr vom Sport in der Region

Viel „Wir-Gefühl“ im Team der SVG

Oberliga-Aufsteiger SVG Göttingen startet am Freitagabend bei der SG Lenglern in die Testspielphase. Anpfiff ist um 19 Uhr auf dem Sportplatz an der Brandenburger Straße. Die gastgebende SGL bittet die Zuschauer, eigene Stühle mitzubringen, da bei mehr als 50 Zuschauern jeder Besucher einen Sitzplatz haben muss.

Die beiden Trainer haben sich darauf geeinigt, dass die Sandweg-Elf 15 Spieler einsetzen darf, die SG Lenglern 14. „Wir haben einen 23er Kader, da spielt ein Teil am Freitag in Lenglern und der andere dann am Sonntag gegen Lengede“, sagt SVG-Trainer Dennis Erkner. „Ich erwarte noch nicht viel. Wir sind die Mannschaft in der Region, die bislang am längsten im Training ist. Die Spieler sind schon alle ziemlich fit“, blickt der Coach auf die Partie gegen den Bezirksligisten. Er vermutet, dass man es sehen werde, dass die Fußballer viele Monate ohne Spielpraxis sind. „Es wird mindestens eine Halbzeit dauern, bis es wieder richtig läuft.“ Zufrieden ist Erkner mit den Zugängen. „Die Stimmung im Team begeistert mich, alle verstehen sich gut. Da ist viel Wir-Gefühl.“