18. Januar 2020 / 19:29 Uhr

Ex-Turbine Tabea Kemme: "Ich habe mit dem Fußball abgeschlossen"

Ex-Turbine Tabea Kemme: "Ich habe mit dem Fußball abgeschlossen"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Tabea Kemme (r.) besuchte mit Anja Mittag den 8. Internationalen AOK Turbine Hallencup. 
Tabea Kemme (r.) besuchte mit Anja Mittag den 8. Internationalen AOK Turbine Hallencup.  © Stephan Henke
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Fußball-Olympiasiegerin Tabea Kemme, die mit Turbine Potsdam und Arsenal London Meisterin wurde, spricht über die Beweggründe für ihr Karriereende mit 28 Jahren und ihre Pläne für die Zukunft.

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Viel Zeit, um in Ruhe Fußball zu schauen, hatte Tabea Kemme nur bedingt. Die Autogrammwünsche an die 28-Jährige waren beim 8. Internationalen AOK Turbine Hallencup am Sonnabend so zahlreich wie zu ihrer aktiven Karriere. Am Dienstag hatte die ehemalige Turbine-Spielerin, die vor eineinhalb Jahren zum FC Arsenal gewechselt war, ihr Karriereende verkündet. „Der Tag war noch einmal sehr emotional, gerade weil viele ehemalige Teamkolleginnen Videoschnipsel hochgeladen und man sich selbst noch einmal spielen gesehen hat“, erzählte Kemme am Rande des Turniers.

Nur drei Einsätze für Arsenal

Ein hartnäckiger Knorpelschaden setzte Tabea Kemme fast zwei Jahre außer Gefecht, insgesamt nur drei Kurzeinsätze absolvierte sie in der Meistersaison von Arsenal, in dieser Saison kam sie für den englischen Tabellenführer gar nicht zum Einsatz. „Für den Aufwand, den ich betrieben habe, habe ich einfach viel zu wenig zurück bekommen“, sagt Kemme über die vielen Monate Reha, die sie für ihr mögliches Comeback investiert hat.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. Zur Galerie
Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. ©
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Schon im November hatte sie für sich die Entscheidung getroffen, ihre überaus erfolgreiche Karriere vergleichsweise früh zu beenden, sagte sie. Ihre Mitspielerinnen informierte sie damals mit einer Ansprache in der Kabine. „Die zwei, drei Tage davor waren schon sehr doll, aber danach hat es sich angefühlt, als sei ein ganz großer Rucksack plötzlich leer“, erzählt sie. Die Ungewissheit hatte mit der Entscheidung ein Ende. „Es geht mir sehr gut, ich habe jetzt endlich Klarheit“, sagt Kemme.

Kemme wohnt wieder in WG in Potsdam

Zum 31. Dezember 2019 wurde der Vertrag mit Arsenal aufgelöst, den Verein lobt sie in höchsten Tönen für sein faires Verhalten in all den schweren Monaten. Und Kemme, die im niedersächsischen Stade geboren wurde, zog zurück in eine Wohngemeinschaft nach Potsdam. „Back to the roots“, wie sie es nennt, zurück zu den Wurzeln. Eine Rückkehr in ihre Wahlheimat hatte sie schon angekündigt, die Stadt ist ihr in den zwölf Jahren bei Turbine ans Herz gewachsen, auch wenn sie durch die Erfahrungen aus London auch Berlin inzwischen sehr schätzt.

Mehr zu Tabea Kemme

Doch ihr neues Leben in Deutschland ist ein ganz anderes als noch zu Profisportzeiten. „Ich bin jetzt völlig selbstbestimmt. Sonst war die Wochenendplanung bestimmt durch die Spieltage“, erzählt Kemme von der neuen Freiheit. „Ich sprühe vor Energie, ich spüre eine riesige Vorfreude auf alles, was kommt. Ich bin 28, ich habe noch ein kunterbuntes Leben vor mir“, sagt sie mit spürbarer Vorfreude.

Zukunft als Polizistin

Ehe das Knie noch mehr geschädigt werde, wollte sie die „Reißleine“ ziehen. Schließlich hängt auch ihre berufliche Zukunft davon ab. Ihr Studium bei der Brandenburger Landespolizei hat sie 2018 abgeschlossen, der Wiedereinstieg hängt vom Heilungsverlauf ab. Aktuell ist sie krankgeschrieben, viermal die Woche ist sie weiter in der Reha und trainiert nach 14 Jahren Sport auf höchstem Niveau ab.

Mehr zu Tabea Kemme

Trotzdem sagt Kemme: „Ich werde dem Sport treu bleiben, ich brauche ihn.“ In ihrer Freizeit fährt sie gerne Skateboard und Longboard, auch Kitesurfen macht sie, „alles was mit Wasser zu tun hat“. Radsport als Breitensport will sie auch ausprobieren, „ich bin ein absoluter Wettkampftyp, vielleicht melde ich mich mal bei einem Straßenrennen an“. Dazu kommt ihr VW Bulli, den sie selbst ausbaut.

In Bildern: Tabea Kemme und ihr Olympia-Bulli.


Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. Zur Galerie
Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. © Christoph Brandhorst

Den hat sie sich von der Prämie für den Olympiasieg 2016 mit der deutschen Nationalmannschaft gekauft. Ihr Olympiasieg 2016 stehe über allen Erfolgen, die überaus zahlreich waren. Champions-League-Siegerin, viermal deusche Meisterin und U17-Weltmeisterin. „Olympia war das Highlight. Schon alleine dabei zu sein – und dann auch noch Gold zu gewinnen“.

Und Fußball? „Ich habe völlig mit dem Fußball abgeschlossen. Wenn mich jemand fragt: Gehen wir zum Volleyball, dann bin ich sofort dabei. Ein bisschen zu bolzen, darauf hab ich weniger Lust. Es gibt inzwischen so viel wichtigeres als Fußball“, sagt Kemme.

In Bildern: Das war der 1. Tag des 8. Internationalen Turbine-Cups 2020.

Die besten Bilder vom ersten Turniertag des 8. Internationalen AOK Turbine Hallencups 2020. Zur Galerie
Die besten Bilder vom ersten Turniertag des 8. Internationalen AOK Turbine Hallencups 2020. © Renè Teichmann/Jan Kuppert

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