13. Juni 2021 / 15:57 Uhr

Tabea Kemme will Präsidentin von Turbine Potsdam werden: „Man hat den Moment verpasst“

Tabea Kemme will Präsidentin von Turbine Potsdam werden: „Man hat den Moment verpasst“

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Die aktuell verletzte Nationalspielerin Tabea Kemme wurde vor dem letzten Saisonspiel des 1. FFC Turbine Potsdam gegen den SC Sand verabschiedet.
Will das Amt als Präsidentin von Turbine Potsdam: Tabea Kemme. © Jan Kuppert
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Frauen-Bundesliga: Die Herausforderin Tabea Kemme spricht im SPORTBUZZER-Interview über ihren Plan für Turbine und Gegenwind aus dem Club.

Was ist Ihre Motivation, am 18. Juni als Präsidentin von Turbine Potsdam zu kandidieren?

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Potsdam ist mein Zuhause, was den Sport angeht. Ich durfte zwölf Jahre miterleben, wie es ist, erfolgreich bei Turbine zu sein. Die ganze Struktur von Sportschule und dualer Karriere durfte ich von klein an durchlaufen. Die Grundlagen sind da, aber an den Wandel, der gerade auch den Frauenfußball überrennt, muss man anknüpfen.

Wo liegen denn in Ihren Augen die Versäumnisse bei Turbine?

Man hat viel erreicht, das darf man nicht vergessen. Ich erinnere mich gern an die erfolgreichen Zeiten – aber seitdem sind neun Jahre vergangen. Man hat den Moment verpasst, das Altbewährte mit Neuem zu verbinden. Man hat mit der ersten Mannschaft als Aushängeschild des Vereins 25 Frauen, die das Gesicht von Turbine Potsdam sind. Die Verantwortung des Vereins ist: Was habe ich zu tun, um die maximale Leistung der Spielerinnen zu gewährleisten? Die Leistung ist heutzutage messbar, aber aus den Daten muss man auch die richtigen Schlüsse ziehen. Man muss in einen Austausch gehen, die Kommunikation muss besser werden.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. Zur Galerie
Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. ©

Sie streben Professionalisierung an, das ist auch eine Frage des Geldes.

Die Argumentation, dass es immer am Finanziellen scheitert, ist mir zu einfach. Vorher muss ich genau wissen, was ich brauche. Und das ist genau die Expertise, die ich einbringen kann.


War es eine Option, zunächst in anderer Position im Verein mitzuarbeiten?

Ich habe angeboten, als Kommunikationsmanagerin zu vermitteln. Bei der Polizei habe ich meine Stunden reduziert, um bei Turbine mitzumachen. Es kam aber kein Angebot vom Verein. Deswegen habe ich mich dafür entschieden, diesen Weg zu gehen. Wir saßen nach Bekanntwerden der Kandidatur noch einmal bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung an einem Tisch. Die haben wir beendet mit dem Ergebnis, das hier kein gemeinsamer Weg möglich ist.

Könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen, wenn Rolf Kutzmutz Präsident bleibt?

Vorher kam das Angebot nicht, ich weiß nicht, ob es danach kommen würde. Ich weiß aber: Mit meiner Kompetenz, was man als Spielerin braucht, was ein Verein leisten muss, um oben mitzuspielen, sehe ich mich in der Pflicht, etwas zu machen. Wenn das hier nicht angenommen wird, werde ich meinen Weg weitergehen.

Sie haben von „Gegenwind“ für Ihre Kandidatur gesprochen.

Intern wird ordentlich nach mir getreten. Aber wenn ich etwas gelernt habe, ist es, durchzuhalten und auszuhalten. Von der Idee, wo wir hin müssen, bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Dass es hier und da auch persönlich wird, erschüttert mich gar nicht, darauf war ich vorbereitet.

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Wie sehen Sie die Kooperation mit Hertha BSC?

Es gibt einen Kooperationsvertrag, der auf einer gewissen finanziellen Basis beruht, aber es gibt kaum Inhalte. Da liegt so viel Potenzial.

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Sie treten nicht allein an, sondern haben ein Kompetenzteam zusammengestellt. Wer gehört dazu?

Claudia Höfling ist Projektmanagerin beim RBB und Jörg Müller Kommunikationsexperte, Matthias Rudolph mit dem Durchblick im Sportsystem, dazu die beiden aktuellen Vorstandsmitglieder Timo Jacob und Jörn Bucksch, außerdem mein langjähriger Berater Henner Janzen sowie Felix Kropp als Branch Manager und Christian-W. Otto.

Wo sehen Sie Turbine in fünf Jahren?

Auf jeden Fall international.