05. Juli 2019 / 06:00 Uhr

Wegen Verletzung: Ex-Turbine-Spielerin Tabea Kemme kämpft um ihre Karriere

Wegen Verletzung: Ex-Turbine-Spielerin Tabea Kemme kämpft um ihre Karriere

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei Rehatrainer Frank Kretschmar waren neben Tabea Kemme auch schon die Turbinen Caroline Siems, Nina Ehegötz und Johanna Elsig.
Bei Rehatrainer Frank Kretschmar waren neben Tabea Kemme auch schon die Turbinen Caroline Siems, Nina Ehegötz und Johanna Elsig. © Stephan Henke
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Die deutsche Nationalspielerin Tabea Kemme vom FC Arsenal hat verletzungsbedingt in knapp eineinhalb Jahren nur drei Kurzeinsätze absolviert, jetzt steht auch ein Ende ihrer Laufbahn im Raum. Für ihre Rückkehr kämpft sie in der täglichen Reha in Berlin - ein Besuch.

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Ihren Rehatrainer begrüßt Tabea Kemme mit einer Umarmung. Die beiden kennen sich inzwischen sehr gut, fünfmal die Woche setzt sich die ehemalige Turbine-Spielerin in Potsdam in den Zug und fährt bis zur Praxis in der Berliner Friedrichstraße. Bis zu zweieinhalb Stunden Training, anschließend eine Stunde Physiotherapie stehen im Plan. „Ich gebe Vollgas in der Reha, schöpfe alles aus, was geht. Es liegt jetzt wirklich am Knie, ob es noch einmal leistungssporttauglich wird“, sagt die Fußballerin des FC Arsenal.

Nur drei Kurzeinsätze seit März 2018

Tabea Kemme kämpft für ihre Karriere, die aktuell am Scheideweg steht. Im März 2018, der Wechsel von Turbine Potsdam nach London stand bereits fest, begann die lange Leidenszeit der 27-Jährigen. Ein Zweikampf im Training, eine verhängnisvolle falsche Bewegung. „Auf einmal hat es ,peng’ gemacht. Ich wusste sofort, dass etwas passiert war“, erzählt die Olympiasiegerin von 2016. Ein daumennagelgroßes Stück des Knorpels im rechten Knie war rausgerissen, es folgte eine Operation bei Oliver Miltner in Berlin und zwei Monate an Krücken.

Tabea Kemme - ihre Karriere in Bildern

Tabea Kemme, geboren in Stade, kam 2006 an die Potsdamer Sportschule. 2008 feierte sie mit Turbine die Deutsche B-Juniorinnen-Meisterschaft. Zur Galerie
Tabea Kemme, geboren in Stade, kam 2006 an die Potsdamer Sportschule. 2008 feierte sie mit Turbine die Deutsche B-Juniorinnen-Meisterschaft. © dpa
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Anschließend die erste Reha bei Frank Kretschmar. Tabea Kemme erholte sich relativ schnell, schien auf einem guten Weg. Am 4. November lief sie das erste Mal für Arsenal auf, gegen Birmingham City wurde sie in der 90. Minute eingewechselt. „Der Kurzeinsatz selbst war kein Problem, aber in der Trainingswoche danach wurde es wieder schlimmer“, erzählt Tabea Kemme, die zwischen 2008 und 2018 in 196 Pflichtspielen für Turbine auf dem Platz stand.

Wie ein Messer im Knie

Zwei Knochenödeme waren der Grund für die Schmerzen, es folgten wieder drei Monate Pause. Seither kamen nur noch zwei Kurzeinsätze für Arsenal hinzu, am 31. März und am 21. April, beide Male wurde sie in der Nachspielzeit eingewechselt – danach kamen die Schmerzen zurück. „Es fühlte sich an, als würde man mir bei jedem Schritt ein Messer ins Knie stechen.“ Die Meisterschaft ihres neuen Vereins erlebte sie auf der Tribüne. „Deshalb gab es nach der Saison meinen verzweifelten Anruf an Dr. Miltner, der sofort gesagt hat, dass ich vorbeikommen soll. Und dann haben wir einen Plan gemacht“, erzählt Kemme.

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Der Plan, den sie mit dem Berliner Arzt machte, reicht weiter als nur bis zu einem sportlichen Comeback. „Ich gebe mir die eine Chance noch, dann gibt es noch die Möglichkeit, das Knie auszuspülen und alles zu bereinigen. Und wenn es dann nicht klappen sollte, dann präpariere ich mein Knie so, dass es fit ist für das Leben nach der Karriere“, sagt Kemme, die auch in ihrer Freizeit überaus aktiv ist, Skateboard fährt und ihren alten VW-Bus ausbaut. „Ich habe ja auch ein zweites Standbein, die Polizei ist mein Arbeitgeber und ihr gegenüber habe ich auch eine Verantwortung.“

"Tabea ist ein positiv denkender Mensch"

Doch der Comeback-Plan hat noch Vorrang. „Rein fußballerisch hatte ich nie Probleme, zurückzukommen. Deshalb wäre es schon schade, wenn es nicht noch einmal klappen würde, denn ich weiß, ich kann fußballerisch noch alles abrufen“, sagt die Offensivspielerin. Seit knapp drei Wochen schuftet sie in der Berliner Rehapraxis Ortho Train für ihr Comeback. „Sie ist ein sehr positiv denkender Mensch, das ist von Vorteil“, sagt Kretschmar über seine Patientin.

In Bildern: Tabea Kemme und ihr Olympia-Bulli.


Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. Zur Galerie
Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. © Christoph Brandhorst

Der Schwerpunkt liegt auf Stabilisationsübungen und Muskelaufbau. Kemme geht davon aus, dass die Trainingssteuerung bei Arsenal zu den Rückschlägen geführt hat. „In England wird ein anderes Krafttraining gemacht, da wird viel mit Langhanteln gearbeitet, das habe ich früher nie gemacht, sondern immer mit meinem eigenen Körpergewicht gearbeitet“, erzählt Tabea Kemme. Diese Trainingsformen will sie jetzt wieder konstant einbauen und hofft dadurch auf einen Fortschritt. Denn die Ungewissheit zehrt selbst an der sonst so optimistisch denkenden Sportlerin. „Ich habe drei Wochen im Urlaub gebraucht, um zu sagen: jetzt bin ich im erholten Zustand.“

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Arsenal startet in knapp zwei Wochen ins Training

In knapp zwei Wochen startet Arsenal ins Training. „Für mich persönlich ist es das entscheidende Jahr, ob ich noch weiterspielen kann, oder ob ich 2020 sage: Ende Gelände. Ich befasse mich schon länger mit dem Karriereende.“ Die 47-fache Nationalspielerin sagt das nüchtern und in der ihr eigenen Lockerheit, mit der sie in Potsdam zum Publikumsliebling wurde. „Man muss lernen, damit umzugehen. Aber wenn Tag X kommen sollte, dann wird das ein richtiger Schlag ins Gesicht.“ Dass es nicht soweit kommt, dafür kämpft sie täglich beim Training.

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Die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn, Dzsenifer Marozsan und Alexandra Popp können nicht allein vom Fußball leben.  Zur Galerie
Die Nationalspielerinnen Giulia Gwinn, Dzsenifer Marozsan und Alexandra Popp können nicht allein vom Fußball leben.  ©

Kemme bei der WM als TV-Expertin

Während der Frauenfußball-WM war Tabea Kemme als TV-Expertin beim ZDF und als Co-Kommentatorin bei DAZN. Zum Ausscheiden der DFB-Elf im Viertelfinale gegen Schweden sagt Kemme: „Was mir aufgefallen ist, dass die Überzeugung gefehlt hat. Die ersten 20 Minuten gegen Schweden haben richtig Spaß gemacht. Aber sobald Schweden das 1:1 gemacht hatte, gab es ohne Grund einen Knick.“

Enttäuschend sei auch die verpasste Qualifikation für die Olympischen Spiele. „An sich hat man aber gesehen, dass die Mannschaft im Prozess ist. Schade ist, dass der Prozess jetzt so nicht weitergeht. Jetzt stehen die EM-Qualispiele an mit Gegnern, die nicht das WM-Niveau haben. Denn daran müssen wir uns konstant messen, damit wir uns weiterentwickeln.“

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