23. Februar 2018 / 14:42 Uhr

Tabea Kemme und ihr Zuhause auf vier Rädern

Tabea Kemme und ihr Zuhause auf vier Rädern

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Tabea Kemme und ihr Gin Toni.
Tabea Kemme und ihr "Gin Toni". © Christoph Brandhorst
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Fußball-Nationalspielerin vom 1. FFC Turbine Potsdam hat sich nach dem Olympiasieg 2016 den Traum vom VW-Oldtimer erfüllt.

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Der Traum vom rollenden Zuhause, er wurde fernab der Heimat geboren. „Wir waren in Sao Paulo auf dem Weg zum Training, als ich aus dem Fenster geschaut habe – da war jeder Zweite mit so einem T 2-Bus unterwegs“, sagt Fußballerin Tabea Kemme. Das war im Sommer 2016, während der Olympischen Spiele von Rio. „Da habe ich mir in den Kopf gesetzt: Wenn wir das Ding gewinnen, setze ich die Prämie auf so einen Bus“, erinnert sich die Nationalspielerin von Turbine Potsdam. Ein paar Tage später jubelten die deutschen Kickerinnen mit der Goldmedaille. Und Tabea Kemme erfüllte sich den Wunsch von ihrem eigenen Bulli.

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Tabea Kemme: "Ich hatte ganz klare Vorstellungen"


„Ich bin gern am Wasser, eine Naturliebhaberin. Da habe ich schon oft solche Busse gesehen und immer mal überlegt, wie es wäre, sich selbst so einen zu leisten“, sagt die 26-Jährige. Doch bis zu diesem Moment in Brasilien blieb das nur eine Idee. Jetzt glänzt das Auto aus dem Baujahr 1976 in der Potsdamer Sonne, mit ozeanblauem Bauch und weißem Dach. Zur Erinnerung prangen auf der Rückscheibe die Olympischen Ringe.

„Ich hatte ganz klare Vorstellungen, wie der Bulli aussehen sollte. Ich wollte keine Rostlaube“, sagt Tabea Kemme. Ihr Berater stellte den Kontakt zu den Jungs von „Old Bulli Berlin“ her, einer Werkstatt, die sich auf die alten VW-Transporter spezialisiert hat. Schnell hatte sich die Fußballerin für das passende Modell entschieden. Ihr Bulli, den Kemme auf den Namen „Gin Toni“ getauft hat, weil sie so gerne Gin Tonic trinkt, wurde kurz zuvor nach Deutschland eingeschifft. Vorher brauste er an der kalifornischen Pazifikküste entlang. „Es gab nur einen Vorbesitzer“, sagt sie stolz. „Das ist ein Glücksfang.“



In Bildern: Tabea Kemme und ihr Olympia-Bulli.


Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. Zur Galerie
Nach dem Olympiasieg 2016 mit der Frauen-Nationalmannschaft kaufte sich Tabea Kemmen ihren VW Transporter. © Christoph Brandhorst

Die Experten brachten den gut 40 Jahre alten Bus auf Vordermann, übernahmen die Innenausstattung. Ein Sattler kümmerte sich um neue Polster. 10 000 Euro hatte Tabea Kemme für ihr Traumauto auf den Tisch gelegt, weitere 12 000 Euro steckte sie noch in den Ausbau. „Ich hatte vorher absolut keine Ahnung von Autos“, gibt die Turbine-Stürmerin zu. Das hat sich inzwischen geändert. „Die Jungs haben mir vieles erklärt, Fans haben mir sogar Bücher zum Thema geschenkt, da habe ich mir einiges angeeignet.“

Kleinere Reparaturen kann sie allein durchführen, sagt die Polizeikommissarin, während sie fachmännisch in den Motorraum blickt. „Der ist noch original“, sagt sie. Auch drinnen sorgt die 45-fache Nationalspielerin für den letzten Schliff. Gardinen, Dekoration, Ausstattung – das übernimmt die Fahrerin selbst. „Es ist ein Hobby“, sagt sie. Perfekt geeignet, um vom stressigen Fußballgeschäft einmal abzuschalten.

Im niedersächsischen Stade geboren


Und der Bulli gibt Tabea Kemme ein Gefühl von Freiheit. Das Gefühl, einfach losfahren zu können, ohne das Ziel genau zu kennen – weil das Zuhause auf vier Rädern immer dabei ist. „Nach einem Testspiel bin ich mal direkt an die Ostsee gefahren“, erinnert sie sich. Da habe sie die bislang einzige Nacht in ihrem T 2 verbracht. „Es war noch ziemlich frisch draußen und mir war arschkalt“, sagt sie lachend. „Das ist eher was für die warmen Tage.“

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Für so einen richtigen Roadtrip fehlt ihr noch die Zeit. „Das wird wohl erst nach der Fußballkarriere etwas“, sagt die Frau, die im niedersächsischen Stade geboren wurde, aber seit 2006 in Brandenburg heimisch ist. Da wechselte sie an die Potsdamer Sportschule. Noch bis zum Sommer spielt sie bei Turbine, dann läuft ihr Vertrag aus. Ein Wechsel ins Ausland steht bevor. Wenn die Zeit dann einmal da ist, weiß Tabea Kemme schon genau, wohin es gehen soll: „An die Atlantikküste möchte ich gerne. Von Frankreich über Spanien nach Portugal.“ Ein Traumziel.

Bis dahin geht es zum Training an den Luftschiffhafen und in der Freizeit an die Seen der Umgebung. Die Grundausstattung für einen zünftigen Grillabend ist immer an Bord. „Essen mache ich mir lieber über offenem Feuer“, sagt Kemme, „auf eine Einbauküche habe ich verzichtet“. Den Platz nutzt sie lieber zum Schlafen. Und ist das große Bett eingeklappt, bietet der Bus bequem Raum für fünf Personen. Es gibt sogar einen Tisch zum Essen und Kartenspielen.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern.

Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. Zur Galerie
Vom 1. FFC Turbine Potsdam zu Arsenal: Die Karriere von Tabea Kemme in Bildern. ©

Nur einmal hat „Gin Toni“ seine Besitzerin im Stich gelassen. „Oh Gott, das war der Horror – aber im Nachhinein eigentlich auch ganz lustig“, so Kemme. „Ich war auf dem Weg zu einem Sponsorentermin, da hat meine Tankanzeige noch nicht richtig funktioniert.“ Auf der Autobahn kam der Motor ins Stottern, kaum abgefahren, ging dann gar nichts mehr. „Der Tank war einfach leer. Seitdem habe ich immer einen Kanister Benzin dabei.“

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