19. April 2018 / 08:24 Uhr

Tag der Entscheidung bei Hannover 96: Das müsst Ihr zur Mitgliederversammlung wissen

Tag der Entscheidung bei Hannover 96: Das müsst Ihr zur Mitgliederversammlung wissen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ein Jahr zuvor ging es heiß her: Martin Kind spricht auf der Jahreshauptversammlung im April 2017.
Ein Jahr zuvor ging es heiß her: Martin Kind spricht auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. © Maike Lobback (Team zur Nieden)
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Die Fronten zwischen vereinsinterner Opposition und dem Vorstand sind verhärtet bei Hannover 96. Am Donnerstagabend, auf der Jahreshauptversammlung des e.V. - nicht der Profi-Abteilung - könnte sich entscheiden, welche Richtung der Verein in Zukunft nehmen wird. Wir haben die zentralen Fragen für Euch zusammengestellt.

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Mitgliederversammlung – das klingt nicht nach großer Unterhaltung. Die 96-Versammlung am Donnerstagabend dürfte jedoch spannend werden, geht es doch um die Zukunft des Vereins und den Streit zwischen Clubchef Martin Kind und seinen Gegnern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum jährlichen Treff der zerrissenen 96-Familie.

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Wer tagt überhaupt?

Heute steigt die jährliche Hauptversammlung des Hannover 96 e. V. – also des Breitensports mit den 16 Abteilungen wie Leichtathletik und Tischtennis. Eigentlich kein Thema sind der Profibereich und die HDI-Arena, die den vier Gesellschaftern der S&S (Martin Kind, Dirk Roßmann, Gregor Baum und Matthias Wilkening) gehören. Kind ist in Personalunion Geschäftsführer des Profibereichs und Vorstandschef des e. V. Über den Breitensport-Amateurbereich muss er heute berichten, über die Profis kann er informieren.

Wie viele Mitglieder werden erwartet?

Insgesamt sind 5800 Mitglieder stimmberechtigt, Vorstandschef Martin Kind rechnet damit, dass davon 1500 erscheinen. Die Oppositions-Fraktion wird auf etwa 500 bis 600 taxiert. Nur Vollmitglieder, die mindestens vier Monate vor dem 19. April eingetreten und volljährig sind, können ihre Stimme abgeben. Am Eingang werden Personal- und Mitgliedsausweis kontrolliert.

Wie ist der Ablauf?

Los geht’s um 18 Uhr in der Swiss-Life-Hall. Anders als in den Vorjahren werden diesmal die brisanten Anträge in der Tagesordnung nach vorn gestellt. Nach Berichten von Vorstand und Aufsichtsrat beginnt die Diskussion über die der Opposition zugeordneten Anträge.

Welche Anträge liegen vor?

Unter den neun rechtzeitig eingegangenen Anträgen sind drei Sachanträge und vier, die Informationen zu Themen wie Markenrechten fordern. Zwei fast gleichlautende zielen auf Satzungsänderungen: Entscheidungen können dann künftig von der Mitgliederversammlung überprüft und geändert statt alleine vom Vorstand getroffen werden.

An dieser geforderten Satzungsänderungen dürfte sich die Auseinandersetzung entzünden. Eigentlicher Hintergrund ist die von Vorstand und Aufsichtsrat beabsichtigte Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel. Sollte die beantragte Satzungsänderung (Zweidrittel-Mehrheit nötig) angenommen werden, könnte per Mitgliedsentscheid Kinds Übernahme von 51 Prozent der Komplementär-GmbH gestoppt werden.

Die Bilder von der Mitgliederversammlung von Hannover 96 im April 2017:

96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. Zur Galerie
96-Präsident Martin Kind auf der Jahreshauptversammlung im April 2017. ©

Wie wichtig ist die Abstimmung für Vorstandschef Kind? Hat er seine Zukunft als Vorstandschef an das Ergebnis geknüpft?

Kind hat sich im Vorfeld zurückhaltend geäußert. Sollten die Satzungsänderungen aber angenommen werden, wird der Vorstand um Kind ziemlich sicher zurücktreten. „Das wäre das Ende von 96 in der bestehenden Form“, kündigte Kind an. Den Anträgen könne „man mit Vernunft nicht zustimmen“, das habe auch haftungsrechtliche Folgen.

Hat die Opposition einen Schattenvorstand benannt?

Davon ist nichts bekannt. Über Alternativen zu Kind und über eine mögliche andere Führung finden sich auch in diversen Veröffentlichungen keine Hinweise.

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Wird heute gewählt?

Ja, aber nur der 96-Sportler des Jahres. Aufsichtsrats-Wahlen stehen erst 2019 wieder an. Grundsätzlich ist der Modus so: Die Mitglieder wählen einen Aufsichtsrat, der wiederum einen Vorstandschef beruft. Von den aktuell fünf Aufsichtsräten des e.V. sind zwei (Ralf Nestler und Sebastian Kramer) der Opposition zuzuordnen, drei auf Kind-Linie (Valentin Schmidt, Michael Beck und Veronika von Lintel).

Wer leitet die Versammlung?

Zuletzt war es Aufsichtsratchef Valentin Schmidt. Nach der chaotischen Versammlung in sehr aggressiver Stimmung im Vorjahr wäre denkbar, dass auch ein anderer Versammlungsleiter benannt wird.

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Kommt die Profi-Mannschaft zur Versammlung?

96-Trainer André Breitenreiter und Manager Horst Heldt haben angekündigt, dass das gesamte Team erscheint. „Das ist uns wichtig“, sagte Heldt. Wie lange Spieler und Trainerstab bleiben, ist offen. Sicherlich werden sie nicht bis Mitternacht auf ihren Stühlen sitzen, falls die Versammlung so lange dauern sollte.

Wie mobilisieren die Parteien ihre Mitglieder?

In den entsprechenden Fan-Foren wird darum geworben, zur Versammlung zu gehen – aktiv dabei vor allem die IG Pro Verein. Schwieriger ist das im Breitensport-Bereich. 96 versucht die Attraktivität mit der Ankündigung zu steigern, dass 500 Karten für das Spiel gegen Bayern und 300 für das Hertha-Heimspiel verlost werden. Jedes Mitglied bekommt eine Losnummer und kann Karten gewinnen. Die erstmals ausgerufene Wahl zum Sportler des Jahres soll ebenfalls mehr Amateursportler zur Mitgliederversammlung bewegen.

Dahinter verbirgt sich ein Grundkonflikt: Die überwiegende Mehrheit der bei 96 aktiven Freizeitsportler ist mit der 96-Führung um Kind einverstanden und zeigt kaum Interesse an 50+1-Debatten. Die Aktiven hätten die eindeutige Mehrheit, sind jedoch schwer für die Versammlung zu begeistern. Anders die Fan-Opposition, die fast nur das 50+1-Thema mit allen Facetten kennt und bei der der Mobilisierungsgrad deutlich höher ist. Sie fürchten, dass der e. V. ohne Fußball in Finanznot geraten könnte.

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Wird nach der Versammlung der Stimmungsboykott beendet? Wie wird es am Sonnabend beim Spiel gegen den FC Bayern?

Schwer vorauszusagen. Bei Abstimmungsniederlagen der Fans zur Satzungsänderung wird der Protest wohl trotzdem weitergehen – und wieder ins Stadion getragen werden. Klein beizugeben käme überraschend nach der nun schon seit Saisonbeginn anhaltenden Auseinandersetzung.

Welche Auswirkung hat der Ausgang der Versammlung auf den ruhend gestellten 50+1-Antrag bei der DFL?

Scheitert die Opposition mit ihren Anträgen, wird Kind wie geplant im Mai zur DFL fahren und den weiteren Ablauf diskutieren. Denkbar, dass der Antrag dann wieder aktiviert wird.

Von Andreas Willeke und Tobias Manzke