26. April 2022 / 14:32 Uhr

System, Ballbesitz, Positionsspiel: Die CL-Halbfinalisten Manchester City und Real Madrid in der Taktik-Analyse

System, Ballbesitz, Positionsspiel: Die CL-Halbfinalisten Manchester City und Real Madrid in der Taktik-Analyse

Tobias Escher
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Stehen sich im Champions-League-Halbfinale gegenüber: City-Trainer Pep Guardiola (links) und Real-Coach Carlo Ancelotti. 
Stehen sich im Champions-League-Halbfinale gegenüber: City-Trainer Pep Guardiola (links) und Real-Coach Carlo Ancelotti.  © IMAGO/Focus Images/Shutterstock/Pressinphoto (Montage)
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Im ersten Halbfinale der Champions League treffen am Dienstag Manchester City und Real Madrid aufeinander. Welches Spielsystem präferieren die beiden Teams, wie steht es um Ballbesitz und Pressing und wo liegen Stärken bzw. Schwächen? Der SPORTBUZZER macht den Check.

Die Besten. Les grandes équipes. The champions. Am heutigen Dienstag (21 Uhr, Amazon Prime Video) wird dieser Text wieder erklingen. Selten passte er so gut wie vor den Champions-League-Halbfinals in diesem Jahr. Die Créme de la Créme des Wettbewerbs versammelt sich, um den Sieger auszuspielen. Was zeichnet die zwei Halbfinalisten Manchester City und Real Madrid in taktischer Sicht aus? Der SPORTBUZZER blickt auf die Eigenheiten der zwei Teams.

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Manchester City

Denkt man an Pep Guardiola, kommen sofort die Worte "Ballbesitz" und "Positionsspiel" in den Sinn. Seine "Citizens" haben sich dem Ballbesitz verschrieben. In der Premier League sammeln sie im Schnitt fast 70% pro Spiel. In Manchester hat Guardiola ein 4-2-3-1-System etabliert. Der Aufbau erfolgt fast durchgehend mit flachen Pässen. Die Spieler bilden Dreiecke und Rauten, damit der Ballführende stets mehrere Passoptionen findet.

Guardiola fordert, dass seine Spieler zu jeder Zeit ihre Position halten. Das hilft nicht nur im Ballbesitzspiel, sondern auch bei der Absicherung. Kein Team erlangt nach einem Ballverlust schneller Zugriff als City. Das sogenannte Gegenpressing ist ein wichtiger Eckpfeiler für die eigene Dominanz. City erhöht nicht nur die eigenen Ballbesitzwerte; sie spielen auch äußerst aggressiv und pressen früh, damit der Gegner nicht lange am Ball bleibt.

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Aber: Gerade in der Champions League beging Guardiola in den vergangenen Jahren taktische Fehler. Er selbst gab vor dem Halbfinale gegen Real Madrid zu, dass er zu viel nachdenke. Er möchte den perfekten Matchplan kreieren. Das geht manches Mal zulasten der Eingespieltheit. Gerade auf den Außenverteidiger-Positionen passt sich Guardiola gern an den Gegner an. Mal rückt ein Außenverteidiger weit ins Zentrum, mal sogar beide. Nicht immer wählte Guardiola in der Champions League die richtige Variante.

Real Madrid

Real Madrid und die Königsklasse: Das gehört einfach zusammen. 13-mal konnten die Königlichen den höchsten europäischen Wettbewerb gewinnen. Gegen Manchester City sieht sich Real trotzdem in der Außenseiterrolle. Tatsächlich taktiert Trainer Carlo Ancelotti in der Champions League gänzlich anders als in der Liga. Im heimischen Wettbewerb dominiert Real den Gegner über Ballbesitz. Das alteingesessene Mittelfeld-Trio aus Casemiro, Toni Kroos und Luka Modric lässt sich teils weit fallen, um den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Ihnen den Ball wegzunehmen, ist schwer bis unmöglich.

In der K.o.-Phase der Champions League bekam die Welt ein anderes Real zu sehen. Gegen Paris St. Germain und Chelsea hatten sie in allen vier K.o.-Spielen deutlich weniger Ballbesitz als der Gegner. Sie zogen sich teils weit in einem 4-5-1 zurück, nur selten wagten sie ein hohes 4-3-3-Pressing.

In allen Spielen hatten sie deutlich weniger Tormöglichkeiten als der Gegner – aber eben auch Karim Benzema, der bereits zwölfmal traf in dieser Champions-League-Saison. Er hält Bälle, legt sie auf die Außen ab und startet in den Strafraum. Auch gegen City dürfte Real aus einer abwartenden Haltung agieren – und darauf hoffen, dass der Franzose weiter brilliert.

Der Autor ist Mitbegründer des preisgekrönten Fußball-Taktikblogs Spielverlagerung.de. Zudem publizierte er mehrere Sachbücher.